Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 9.1898

Page: 375
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375 Kunstblätter. — Nekrologe. — Personalnachrichten. — Denkmäler. — Sammlungen und Ausstellungen.

interessante Brustbild eines Mannes, das den Namen
des Hugo Qrotius trägt und Rubens zuerteilt wird.

Die holländischen Bilder, ungefähr vierzig, sind
durchweg von bester Qualität. Unzweifelhaft echt, ob-
gleich falsch 1641 datirt, ist Rembrandfs „Selbstbildnis
im orientalischen Kostüm", in ganzer Figur, die Hand
auf einen Stock stützend. Thomas de Keijser's „Familien-
bildnis", Jan van der Meer's van Delfl „Geograph" aus
der Sammlung J. Pereire, Ter Borch's „Porträt" und ein
liebenswürdiges Konversationsbild, sowie Werke von
Adriaen und Isaac van Ostade, Paul Potter, Jan Steen,
Jacob Ruisdael, Hobbema, Aalbert Cuijp, van Ooijen,
Jan van der Heijden, Kflrel Dujardin, Metsu, Adriaen
und Willem van de Velde, sowie Philips Wouwerman
bilden eine stolze Reihe altbekannter aus berühmten
Sammlungen stammender Bilder von auserwählter Güte.

Unter den Meistern anderer Schulen wären ausser
dem lebendigen Porträt Goya's noch Grenze, Lancret,
Pater und Watteau zu nennen. MAX ROOSES.

KUNSTBLÄTTER.

* Die zwölf Entwürfe zu dem Denkmal für den Fürsten
Bismarck in Berlin, die zu der zweiten engeren Konkurrenz
von den dazu eingeladenen Künstlern eingegangen waren,
sind jetzt vollständig in achtzehn Lichtdruckreproduktionen
in einer Publikation des Wasmulh'schen Verlages in Berlin
(Heft 32 der Sammelmappe hervorragender Konkurrenz-
entwürfe) vereinigt worden. Den Kunstfreunden, die die
Ausstellung der Entwürfe im Oktober v. J. (vgl. Nr. 3 der
Kunstchronik) nicht gesehen haben, wird dadurch, besser
und gründlicher, als es durch die illustrirten Wochenschriften
ermöglicht worden war, die Gelegenheit geboten, sich ein
eigenes Urteil über den Wert der einzelnen Entwürfe und
über die danach gefällte Entscheidung des Preisgerichts zu
bilden. Besonders lehrreich ist dabei das dem Hefte vor-
gedruckte, sehr vieldeutige Preisausschreiben, das wir gerade-
zu als ein Muster dafür bezeichnen möchten, wie ein Preis-
ausschreiben nicht sein soll. Einige Bewerber haben sich
mit Recht über die ungünstige Aufstellung ihrer Entwürfe
und über die unzulängliche Beleuchtung beklagt. Vielleicht
gewährt ihnen diese Publikation einen Trost für ihr Miss-
geschick und für ihren Misserfolg. Wir wünschen und
hoffen sogar zuversichtlich, dass diese in vielem Betracht
denkwürdige Konkurrenz nicht mit dem Siege von R. Begas
der Vergessenheit anheimfallen wird. Bismarck ist ein so
vielseitiger Mann, dass er nicht immer in so erregter, fast
nervöser Bewegung dargestellt zu werden braucht, wie es
dem Sieger Begas beliebt hat. Man wird ihn in späteren
Jahren, wenn er über den Streit der politischen oder vielmehr
parlamentarischen Parteien hinausgewachsen und zu einem
epischen Helden geworden ist, gewiss lieber in der grossen
monumentalen Haltung sehen, die ihm besonders Schaper und
Siemering, dann Eberlein, Manzel, Brütt und Echtermeyer
gegeben haben. Auf ihre Entwürfe wollen wir die Auf-
merksamkeit der Comites lenken, die sich jetzt mit der Er-
richtung von Bismarckdenkmälern in grossen und kleinen
Städten beschäftigen. Die Vieldeutigkeit des Berliner Pro-
gramms hat es gerade den Bewerbern ermöglicht, neben der
architektonischen Anlage auch besonders die Porträtstatue
zu berücksichtigen, die viel wichtiger ist als das allegorische,

dem nüchternen Wirklichkeitssinn Bismarcks ohnehin fremde
und widerwärtige Beiwerk. Adolf rosenbero.

NEKROLOGE.

f Amsterdam. — Der Bildhauer F. Strake, früher Pro-
fessor an der Kgl. Akademie für bildende Künste, ist in Baam
bei Amsterdam im Alter von 78 Jahren gestorben.

f Frankfurt a. M. — Am 11. April verstarb nach langem
Leiden, 71 Jahre alt, der Maler August Humbert. Er hatte
seine Studien am Städel'schen Institut unter Prof. Beckers
Leitung gemacht. Hauptsächlich widmete er sich dem Porträt
doch malte er auch Landschaften und Historienbilder.

t Paris. Am ig. April ist der bekannte französische
Maler Gustave Moreau (geb. 5. April 1826 in Paris) gestorben.

PERSONALNACHRICHTEN.
* „ * Zu Mitgliedern der Kgl. Kunstakademie in Dresden
sind aus Anlass des 25jährigen Regierungsjubiläums des
Königs von Sachsen ernannt worden: der Maler Prof. L.
Knaus und der Bildhauer Prof. R. Begas in Berlin, der
Maler Prof. E. von Gebhardt in Düsseldorf und der [Bild-
hauer Prof. Adolf Hildebrand in München.

DENKMÄLER.

O. Zur Feier des hundertsten Oeburgstages von Eugene
Delacroix (geb. 26. April 1798) wurde am 17. April in der
Gemeinde Charenton-St. Maurice bei Paris, seinem Geburts-
orte, ein bescheidenes Denkmal des grossen Malers (eine
Wiederholung der Büste des von Dalou ausgeführten Denk-
mals im Luxembourggarten) enthüllt.

G. Das dem Bildhauer Leon Ge'röme übertragene Stand-
bild des im vorigen Jahre verstorbenen Herzogs von Anmale
wird nach langen Verhandlungen mit dem Stadtrate von
Chantilly nun doch auf den vom Künstler ursprünglich ins
Auge gefassten Platze, dem Rasenplatze vor dem Stallgebäude
des Schlosses, errichtet werden.

*»* Mit der Ausführung eines Denkmals für Alfred
Krupp, das vor der technischen Hochschule in Charlotten-
burg errichtet werden soll, ist Prof. Ernst Herter beauftragt
worden.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

GO Im Antiquariuin der Königlichen Museen zu Berlin
ist eine Neueinrichtung des sogenannten Sternsaales vor-
genommen und in diesen Tagen zum Abschluss gebracht
worden. An Stelle des Hildesheimer Silberschatzes, der jetzt
sein eigenes Zimmer hat, ist die Sammlung römischer Gläser
in dem Mittelschrank des Saales aufgestellt und damit in ihrer
Gesamtheit zum ersten Mal eigentlich zugänglich gemacht
worden. Ausser den Gläsern ist die Umstellung namentlich
den goldenen Schmucksachen zu gute gekommen, die in einem
Pultschrank vereinigt und nach Gattungen geordnet sind.
Die antiken Gemmen, sowie die Reste pompejanischer und
römischer Wandmalerei und Stuckbekleidung sind an ihren
alten Stellen verblieben, neu hinzugekommen sind die Gegen-
stände aus Elfenbein, Knochen, Bernstein und Holz, die
früher in dem Mittelsaale der Sammlung aufgestellt waren.
Trotz dieses Zuwachses ist der Eindruck des Raumes be-
deutend freier geworden, was dadurch erreicht ist, dass die
alten schweren Schränke durch leichte Pultkästen ersetzt
und die Mosaiken zum grösseren Teil von den Wänden ent-
fernt und an anderen Stellen der Sammlung, zumeist im
Terrakottensaal, untergebracht worden sind.
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