Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 9.1898

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Personalnachrichten. - Preisverteilungen. - Denkmäler. - Sammlungen und Ausstellungen.

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seinerzeit übertragen wurde. Zehn Jahre lang war der Meister,
die Vorarbeiten eingerechnet, hiermit beschäftigt. In sechs
Wandgemälden und sechzehn Lünettenbildern schildert er
uns die Entwicklung der Kunst von den alten Ägyptern an
bis zur Rokokozeit. Das erst vor einem Jahre vollendete
hervorragende Werk trug seinem Schöpfer den Professor-
titel ein. Seitdem war Gehrts mit den Skizzen zu einer
zweiten grossen monumentalen Arbeit beschäftigt: der Aus-
schmückung des neuen Rathauses seiner Vaterstadt Hamburg,
die ihm gemeinsam mit dem kürzlich unter so tragischen
Umständen verstorbenen Friedrich Oeselschap übertragen
worden war. Ein Nervenleiden riss Gehrts aus seiner
schaffensfrohen Thätigkeit heraus und zwang auch ihn das
begonnene Werk liegen zu lassen. Sein Tod bedeutet einen
schweren Verlust für die Düsseldorfer Künstlerschaft.

f Paris. — Am 4. August starb in Paris im 73. Lebens-
jahre der bekannte Architekt Charles Garnier, der Erbauer
der Pariser Grossen Oper.

f Der französische Landschaftsmaler Auguste Allonge'
ist in Marlotte gestorben. Geboren am 19. März 1833 in
Paris, trat er 1852 in die Ecole des beaux-arts ein und bildete
sich unter Forestier und Leon Cogniet. Seit 1855 stellte er
seine Bilder aus. Allonge nahm seine Vorbilder meist aus
der Bretagne und ist in dieser Beziehung eigentlich der Ent-
decker dieser Gegend für die Kunst gewesen.

f In Namur starb, 64 Jahre alt, der belgische Landschafts-
maler Armand Daudoy.

f Petersburg. — In Zarskoje Sselo ist am 25. Juni der
Maler Professor NikolaiJegorowitsch Swertschkow gestorben,
der zu den populärsten russischen Künstlern gehörte und
als Maler von Jagdscenen ohne Rivalen dasteht. Swertschkow
wurde am 6. März 1817 in Petersburg geboren, trat 1832 in
den Dienst des Ministeriums des Innern, widmete sich aber
seit 1843 ganz der Kunst. Später erhielt er die Würde eines
Akademikers und dann nach wenigen Jahren eine Professur
an der Petersburger Akademie. Napoleon kaufte 1863 des
Künstlers Gemälde „Rückkehr von der Bärenjagd" an.

H. A. L. Der bekannte Tier- und Jagdmaler Albert Richter
ist am 23. Juni in Langebrück bei Dresden, wo er die letzten
Jahre seines Lebens verbracht hat, plötzlich gestorben. Am
29. Juli 1845 in Dresden geboren und auf den Akademieen
zu Dresden, München und Wien vorgebildet, verdankte er
die erste Anregung für seine Kunst den Bildern und
Illustrationen Guido Hammers, dem er so bald im Tode
nachfolgen sollte, während in Wien der mit ihm verwandte
Albert Zimmermann grossen Einfluss auf ihn gewonnen
hatte. Weite Reisen in den österreichischen Alpenländern
und im bayerischen Hochgebirge, in den ungarischen Wäldern
und Pussten, in Tunis, Algier und in der Sahara, sowie in
den Vereinigten Staaten Amerikas dienten dazu, seinen Ge-
sichtskreis wesentlich zu erweitern und führten ihm immer
wieder neue stoffliche Anregungen zu, wobei ihm seine
weidmännischen Neigungen gute Dienste thaten und ihm
gerade unter den Verehrern des St. Hubertus zahlreiche
Freunde und Gönner zuführten. Diese Verbindung des
Malers und Jägers in der Person Richters zeigte sich deut-
lich bei seinem Begräbnis, an dem nicht nur Dresdner
Künstler, sondern auch hervorragende Vertreterdes sächsischen
Forstwesens teilnahmen. Aus ihren Kreisen ist der Ge-
danke aufgetaucht, dem Verstorbenen, dem sowohl die Leip-
ziger Illustrierte Zeitung, als Wolff's Jagdzeitung eingehende
Nekrologe gewidmet hat, an einem seiner Lieblingsorte in
der Dresdner Heide ein Denkmal zu errichten.

PERSONALNACHRICHTEN.

* , * Aus Anlass des 50jährigen Jubiläums des Mal-
kastens" in Düsseldorf haben die Maler Albert Flamm
Otto Erdmann und Georg Oeder den roten Adlerorden 4 Kl'
erhalten. Die Maler C. Inner und H. MähUg wurden zu
Professoren ernannt.

PREISVERTEILUNGEN.

t Ergebnis der Plakatkonkurrenz „für Pelikan-Farben".
In der von der Firma Günther Wagner, Hannover und
Wien, ausgeschriebenen Konkurrenz um ein Plakat für
„Pelikan-Farben" hat Julius D^z-München den ersten Preis
von 1000 M., Hans Müller-Dachau (München) den zweiten
Preis von 500 M., Oskar Zwintscher-Mdssen den dritten
Preis von 300 M. erhalten. Zum Ankauf wurden empfohlen
die Entwürfe der Münchner Künstler/ A. Seiler, Hermann
Bek-Gran, Ludvik Kuba, Hans Lesker, Walter Püttner,
Adolf Höfer, Willy Walter, der Berliner Georg Tippe und
Tila Steinmann, und des Dresdners Ludwig Hohlwein. Die
ausgestellten Entwürfe — 550 waren im ganzen eingelaufen —
werden von Hannover aus eine Wanderung durch einige der
Hauptkunststädte Deutschlands antreten.

DENKMÄLER.

G Denkmälerchronik. Am 4. August ist in Liegnitz ein
Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. von Johannes Böse in
Berlin enthüllt worden. Drei andere Reiterstandbilder des
Kaisers, die in den nächsten Monaten eingeweiht werden
sollen, sind vor kurzem in der Werkstatt von Schaffet- und
Walcker in Berlin in Bronzeguss vollendet worden: eines
für Duisburg, eine umfangreiche Anlage von Friedrich Reusch
in Königsberg, zu der ausser dem Reiterbilde noch zwei
Reliefbildnisse von Bismarck und Moltke an den Seiten des
Sockels, ein Adler mit französischen Trophäen und die
Kolossalgestalt einer Germania gehören, ein zweites für Osna-
brück nach dem Modell des kürzlich verstorbenen Karlsruher
Bildhauers Adolf Heer, und ein drittes für Mülheim am Rhein
nach dem Modell des Düsseldorfer Bildhauers Clemens
Buscher. — Mit der Ausführung des Bisniarckdenkmals für
München-Gladbach ist Professor Fritz Schapcr in Berlin
beauftragt worden, der dem Denkmal seinen Entwurf für
die zweite Berliner Konkurrenz zu Grunde legen wird. Nur
wird die Figur statt 6 m nur 4 m hoch sein. — Prof. Carl
Echtermeyer in Braunschweig hat das Modell zu einem
Denkmal Karl Immermann's für dessen Geburtsstadt Magde-
burg vollendet. Es wird vor dem dortigen Stadttheater auf-
gestellt und am 24. April 1899 enthüllt werden.

t Nürnberg. — Mit der Ausführung des Denkmals für
den Prinzregenten ist der Bildhauer Professor von Ruemann
in München betraut worden.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

FI. A. L. Aus Dresden. — Während des letzten Teiles
des Frühjahrs und im Anfang des Sommers haben sich
die Dresdner Kunstfreunde, die auf eine von der Dresdner
Secession geplante Kunstausstellung in den Räumen des
Sächsischen Kunstvereins gerechnet hatten - sie kam be-
kanntlich wegen der Differenzen dieser Künstlergruppe mit
den leitenden Persönlichkeiten innerhalb des akademischen
Rates nicht zu stände -, mit dem kümmerlichen Ersatz be-
gnügen müssen, den ihnen die Ausstellungen der hiesigen
Kunsthandlungen boten. Allerdings hat es an einer Sensation
nicht gefehlt, aber diese war keineswegs künstlerischer Natur,
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