Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 20.1909

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Literatur

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gibt ihm seine anregende Frische. Von der hohen Warte
einer umfassenden kunstgeschichtlichen Bildung, die stellen-
weise zu nicht unbedingt erforderlichen, aber stets interes-
santen Exkursen verleitet, unternimmt es M. Escherich,
ihren schweren und vielgestaltigen Stoff »künstlerischen
Laienkreisen« mundgerecht zu machen. Sie schafft dabei
Analysen der einzelnen Kunstcharaktere, die, etwa bei
Meister Stephan oder dem Meister des Thomasaltars, trotz
oder vielleicht wegen der anderen Betrachtungsweise, in
Ehren neben Aldenhovens feinen Interpretationen bestehen
können. Daß die Domschranken und Glasgemälde, die
Reliquiarplastik und Emaillekunst, ohne welche das Bild
der Kölner Schule stets unvollständig bleiben würde, ge-
bührend herangezogen sind, gereicht dem Buche zum Vorzug.

Ein Wort der Verfasserin möchte ich unterstreichen:
»Nicht die Kölnische Schule, sondern Köln selbst war es
vielleicht, das des (M. E. meint Meister Stephans, man
kann aber auch sagen, der) Künstler Auge und Sinn
löste.« Was heißt überhaupt »Kölnische Schule«? Im
Grunde waren all die unter diesem Begriff eingeordneten
Künstler Fremde, die ihr Bestes von Hause mitbrachten.
Natürlich konnte ihr Schaffen in dem glänzenden Köln
manche Anregung empfangen. Was diese Männer nach
der reichen Rheinstadt lockte und sie so zu einer Gruppe
zusammenschweißt, das war der dort blühende Wohlstand,
und Kölns größter heimischer Kulturfaktor war allezeit das
Geld. Die Kunst ging nach Brot. Für dieses gewann es
Meister Stephan, der Künstler des Dombildes und der
Veilchenmadonna, über sich, die Schilde mit dem Stadt-
wappen zu pinseln, die man an die Fässer pappte, aus
welchen die Kölner im Juni 1442 dem König Friedrich III.
ihren Wein kredenzten, und ähnliche Schildereien, die man
den Festochsen vor die Stirne band.

Diese erst vor kurzem von Bruno Kuske aufgefundenen

frühesten Nachrichten über Meister Stephan1) bestätigen
übrigens meine Überzeugung, daß im Archiv der Stadt
Köln noch manches urkundliche Material über die einst
dort tätig gewesenen Maler schlummert und, trotz allem,
was eine Reihe verdienter Gelehrter schon zutage ge-
fördert hat, noch manche wichtige Kunde, wohl auch über
Nam' und Art der vielen Anonymen, ihrer Entdeckung
harrt. In dieser Richtung möge man weiterarbeiten. Gründ-
liche archivalische Forschung tut der »Schule von Köln«
am meisten not. Arthur Lindner.

Karl Woermann, Von deutscher Kunst (Führer zur
Kunst u, 12) 83 S., 8 Tal und 52 Textbilder. Stuttgart,
P. Neff, 1907. Mk. 2.—.
Dies anmutige Büchlein ist ein kurzer, rascher Gang
über die Höhen des deutschen Kunstschaffens von der
frühromanischen bis in die jüngste Zeit mit der Absicht,
hierbei die nationale Eigenart und den ästhetischen Wert
der deutschen Kunst, gemessen mit höchstem Maßstab,
festzustellen. Das Ergebnis ist erhebend für die Ver-
gangenheit und tröstlich für die Zukunft. Wenn auch die
bildenden Künste eigentlich nie die weltbeherrschende
Höhe der deutschen Musik erklommen haben, so halten
sie doch jedem Vergleich stand, mehr durch »das innere
Gesicht« als die Formenschönheit. Und so ist auch kein
Grund, sich in ängstlicher Deutschtümelei fremden Ein-
flüssen zu verschließen, noch weniger aber, die deutsche
Eigenart zu verbergen, zu verkleinern, ihr zu mißtrauen.
Dieses Urteil, in einer vornehmen Ruhe und anschaulichen
Kraft entwickelt, gewinnt um so höheren Nachdruck, als
Woermann wie kein anderer sich den Blick über die Kunst
aller Zeiten und Völker geweitet hat. Bergner.

1) Kölner Stadtarchiv: Abteilung Köln und das Reich.
B. 415. Mitgeteilt in »Zeitschrift für christliche Kunst«,
1908, Nr. 3, p. 90.

In eleganter fltlasdrell-
mappe Preis Mark 20.—

^l?i^?°ü..J^iM? Rip Van Winkle

Mit 50 Aquarellen von Rrtur Rackham, in Faksimiledruck farbig nachgebildet

Die Aquarelle von Rackham sind in ganz kurzer Zeit in England berühmt und vielbegehrt geworden.
Der Künstler hat nicht nur eine ungewöhnliche Erfindungsgabe, sondern auch feinen Farbensinn, höchst
aparte sichere Zeichnung und drolligen Humor. Er illustriert Washington Irvings launige Erzählung Rip
van Winkle mit einer Reihe von zarten und humoristischen Aquarellen, die hier in einer Mappe zusammen-
geschlossen worden sind. Es liegt ein seltsamer Reiz in diesen phantastischen Blättern, die für Freunde
einer besonders künstlerisch wertvollen Gabe ein treffliches Geschenk bilden. •:• •:• •:• •:• -:• •:• •:■ •:• •:• •:• ■:• •:•

VERLAG VON E. A. SEEMANN IN LEIPZIG

VERLAG VON FERDINAND ENKE IN STUTTGART

Soeben erschienen:

ütitz, Dr. E.; Grundzüge der ästhetischen Farbenlehre

Mit 4 Abbildungen und 2 Tabellen im Text. 8«, 1908. Geh. M. 4.—

Inhalt: A. Riegl, Die Entstehung der Barockkutist in Rom; fA. Q.Meyer und R. Graul, Tafeln zur Geschichte der Möbelformen; F. Raible, Der
Tabernakel einst und jetzt; O. Sliehl, Der Wohnbau des Mittelalters; H. v. d. Gabelentz, Die kirchliche Kunst im italienischen Mittelalter;
J. Burckhardt, Die Kultur der Renaissance in Italien; Graphische Gesellschaft, Giulio Campagnola; W.Pauker, Beiträge zur Baugeschichte
des Stiftes Klosterneuburg; E.Fuchs, Geschichte der erotischen Kunst; Kloeppel, Fridericianisches Barock; M. Escherich, Die Schule von
Köln; K. Woermann, Von deutscher Kunst. — Anzeigen.

Herausgeber und verantwortliche Redaktion: E, A. Seemann, Leipzig, Querstraße 13
Druck von Ernst Hedrich Nachf. g. m. b. h. Leipzig
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