Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 20.1909

Seite: 563
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Nekrologe — Personalien — Wettbewerbe

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den Besitz des Museums: ein kleiner unbedeutender Sano
di Pietro (Madonna und Heilige) und drei Werke des spa-
nischen Impressionisten Sorolla y Bastida.

Wichtiger als alle diese Bilder aber ist der neue (so-
genannte) Herri met de Bles. Roger E. Fry schreibt das
Bild, obwohl nicht entschieden, dem Bles zu. Er sieht
darin auch viel Ähnlichkeit zu der »Enthauptung Johannis«
im Berliner Museum und meint, der Meister hätte zu der
Schule von Leyden Beziehungen gehabt. Dies ist jedoch, nach
dem gegenwärtigen Bild zu urteilen, schwerlich zutreffend.
Es stellt die Legende der Bekehrung des hl. Franz dar.
Links in einer verfallenen Kirche sieht man den jungen
Heiligen die Messe zuhörend, während er rechts sein Hab
und Out den Armen verteilt; der Hintergrund zeigt eine
Stadt mit Schloß und dahinter an Patinir erinnernde Land-
schaft. Die Typen, wie Komposition und Architektur,
scheinen uns eher auf die Schule von Antwerpen zu deuten.
Auf jeden Fall ist das Bild eine außerordentlich interessante
und wertvolle Ergänzung der Sammlung von frühen Nieder-
ländern des Museums.

Die bekannte Sammlung von Webstoffen des ver-
storbenen Wiesbadener Sammlers Friedrich Fischbach, be-
stehend aus beinahe 3000 Stücken, ist vor nicht langer Zeit
vom Metropolitan-Museum erworben worden. Alle Zeiten
und Länder sind vertreten, die Sammlung ist jedoch mehr
durch die Vollständigkeit als durch hervorragende Einzel-
stücke wertvoll. (Fischbach war der Verfasser mehrerer
Werke über die Textilkunst und seine Sammlung diente
ihm als Arbeits- und Illustrationsmaterial.)

In den Sälen des Cooper Union Museums, New York,
kam die von J. Pierpont Morgan erworbene Badia-Samm-
lung von mittelalterlichen Stoffen zur Ausstellung. Die Samm-
lung war früher in Barcelona und reiht sich denen der
größten europäischen Museen ebenbürtig an. Bemath.

NEKROLOGE

Louis Delacenserie, einer der hervorragendsten bel-
gischen Architekten, starb im Alter von 73 Jahren in Brügge.
Delacenserie holte sich 1862 den Rompreis und wurde
dann oberster Leiter der Akademie der Schönen Künste
von Brügge. Diese Stadt kennt viele seiner Werke, auch
Ostende, Antwerpen und Peking haben Bauten von ihm
aufzuweisen. a. r.

PERSONALIEN

Professor Dr. Paul Schubring, Dozent an der tech-
nischen Hochschule in Charlottenburg, hat einen Ruf als
ordentlicher Professor der Kunstgeschichte an der Universität
Basel erhalten und angenommen.

Eine Neugliederung im Stabe der Direktorial-
beamten bei den Berliner Museen ist jetzt erfolgt.
Es wurde in allen Abteilungen eine neue Rangklasse von
Direktorialbeamten eingeführt, die der Kustoden. In
diese rückten meist die dienstältesten Direktorialassistenten
auf. Neugeschaffen wurden zwei Abteilungen, die zum
Unterschiede von dem schon im Völkermuseum vertretenen
ethnologischen Abteilungen Kunstabteilungen getauft wur-
den. Es ist eine islamische, die aus dem Verwaltungszu-
sammenhang mit den im Kaiser-Friedrich-Museum unter-
gebrachten Sammlungen gelöst wurde, und für die der
Direktorialassistent noch immer fehlt, und ferner eine ost-
asiatische, die Dr. Kümmel unterstellt wurde. In der
ägyptischen Abteilung wurden zwei Kustoden ernannt,
Direktor Prof. Dr. Schäfer und für die Papyrussammlung
Dr. Schubart. In der vorderasiatischen Abteilung erhielt
den Rang eines Kustos Dr. Messerschmidt, in den Antiken-
sammlungen Dr. Zahn. Für die Gemäldegalerie und die

Sammlung der Bildwerke der christlichen Epoche im Kaiser-
Friedrich-Museum wurde Dr. Oskar Wulff zum Kustos
bestimmt, im dortigen Münzkabinett Prof. Dr. Nützet.
Das Kupferstichkabinett erhielt zwei Kustoden in seinen
langjährigen Direktorialassistenten Prof. Dr. Springer und
Prof. Dr. von Loga, die Nationalgalerie in Prof. Dr. von
Donop. Die vor- und frühgeschichtliche Abteilung wurde
in der Weise neu gegliedert, daß dem Direktor als Kustos
Dr. Hubert Schmidt zur Seite trat, und Dr. Brunner die
Leitung der Sammlung für deutsche Volkskunde erhielt.
Die übrigen Abteilungen des Völkerkundemuseums wurden
als ethnologische zusammengefaßt. Hier wurden Kustoden
Dr. Ankermann in der afrikanisch-ozeanischen und Dr. Preuß
in der amerikanischen Abteilung. Das Kunstgewerbemuseum
schließlich erhielt für seine Bibliothek als Kustos Professor
Dr. Loubier, für die Lipperheidische Kostümbibliothek im
besonderen als Direktorialassistent Dr. Döge und für die
Unterrichtsanstalt Emil Fendler.

X Der Architekt Geheimrat Prof. Jon. Otzen in Berlin
ist anläßlich seines bevorstehenden 70. Geburtstages (am
8. Oktober) von der Vereinigung Berliner Architekten zum
Ehrenmitglied ernannt worden.

o Hagen voran! Die Stadt Hagen hat jetzt ein
Seminar für Handfertigkeitsunterricht. Die Leitung dieses
Instituts, das für den ganzen Westen von Bedeutung zu
werden verspricht, wurde vom Kultusministerium dem
Direktor J. M. Lauweriks aus Düsseldorf übertragen.
Das ist eine ganz vortreffliche Wahl! Lauweriks, ein ge-
borener Holländer, leitet seit 1904 die Architekturabteilung
an der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule. Von ihm stammt
u. a. die ganze architektonische Gestaltung der Werkbund-
abteilung in der Düsseldorfer Ausstellung für Christliche
Kunst. Die Redaktion der Düsseldorfer Kunstzeitschrift
»Ring«, von der in der »Kunstchronik« schon einmal die
Rede war, nimmt L. nach Hagen mit.

Der Maler August Achtenhagen, Berlin, wurde zum
künstlerischen Leiter der kgl. sächsischen Porzellanmanu-
faktur Meißen ernannt. Er gehört als einer der begab-
testen Künstler seit 15 Jahren der dortigen Porzellanmanu-
faktur an.

WETTBEWERBE

Im Wettbewerb für das Rathaus in Plauen wurden
drei erste Preise von zusammen 19000 Mark verliehen.
Zwei davon fielen an Willy Graf-Stuttgart, einer an Max
und Georg Wrba-Dresden. Die beiden zweiten Preise
erhielten Weidenbach und Tschammer-Leipzig und Wilhelm
Brurein-Charlottenburg.

Im Wettbewerb um Entwürfe für die Schloß-
brunnenanlagen in Karlsbad wurden drei gleiche Preise
von zusammen 5000 Mark an Oberbaurat Friedrich Ohmann,
Franz Matouschek-Budapest, Viktor Lurje und Dr. O. Strnad
verliehen. Angekauft wurden die Entwürfe von Fr. Elstner
in Reichenberg, Karl Rapl in Dresden und Baurat A. von
Wurm in Wien.

Beim Wettbewerb um Bebauungspläne für den
Stadtteil Dresden-Plauen wurde unter 37 Arbeiten ein
erster Preis nicht verliehen. Je ein zweiter Preis fiel an
Baurat Ernst Kühne und Diplom-Ingenieur Lempe, sowie
an Janssen und Müller in Berlin. Zum Ankauf empfohlen
wurde der Entwurf von Prof. Dr. E. Gurlitt und Hans
Gerlach in Dresden sowie von Recht und Föth in Köln,
ferner von Kramer in Zwickau, Bähr in Dresden, Töbel-
mann und Henry Groß in Berlin.

Ein Wettbewerb für einen Saalbau mit Gesell-
schaftshaus in Reutlingen wird unter den württem-
bergischen Architekten bis 15. November d.J. ausgeschrieben.
Für drei Preise stehen 5000 M. zur Verfügung.
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