Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 20.1909

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Wettbewerbe — Denkmäler — Ausgrabungen

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Tönen und weichem, kosendem Licht), von Kuehl,
Bantzer (Porträt seiner Mutter), Skarbina, Arthur Kampf,
dem jungen Schmoll von Eisenwerth, Hans Herrmann.
Ein ausgezeichneter Aquarellist ist Gregor von Boch-
mann, der neben seinen bekannten esthländischen
Motiven eine Schweizer Studie von kräftigster Farbe
zeigt. Hans von Bartels, einer der wenigen Aquarellisten
aus Überzeugung, die wir besitzen, ist über jene
Leere nur selten ganz hinweggekommen.

Einen großen Trumpf hat zu Beginn des Kunst-
winters das Künstlerhaus ausgespielt, das die im
Frühjahr bei Heinemann in München gezeigte Wilhelm-
Busch-Ausstellung nach Berlin entbot. Eine große
Sensation: Busch als Maler! Über hundertfünfzig Öl-
bilder und Studien von ganz eigener Manier! Nichts
eigentlich, was bildmäßig abgeschlossen wäre, aber
eine Fülle genialer Impromptus. Man durchschaut
deutlich die Einflüsse: die niederländischen Bauern-
maler, die er in Holland selbst, in München, in
Kassel so gern aufsuchte — zahlreiche direkte Ab-
kömmlinge von Teniers und Brouwer lassen sich fest-
stellen —, dann Lenbachs Helldunkel, sogar eine Hin-
neigung zu dessen trübbraunen Saucen. Aber dann
wieder ganz helle, lichte Landschaftsblicke, von starkem,
überzeugendem Farbengefühl. Manche so zart und
poetisch, daß man von fern gar an Corot denkt.
Glänzende Bewegungs- und physiognomische Studien
(vor allem ein paar Arbeiterfiguren), die an .den
Zeichner Busch erinnern. Und merkwürdig, wie dessen
charakteristische Strichlagen in den raschen Pinsel-
niederschriften oft wiederkehren. Aber gar nichts vom
Erzähler, Scherzerfinder, Witzemacher hat dieser Maler
Busch, der in seinen Impressionen nur dem Spiel
der Farben und des Lichtes auflauert, ohne dabei
freilich oft zu einem erschöpfenden, runden Ausdruck
zu gelangen. Es ist ein Ringen und eine Sehnsucht
in diesen kleinen Flächen, und man begreift es
schließlich, warum dieser Meister sich dennoch auf
die Zeichnung zurückzog. Dazu sieht man dann
die Riesenmasse des zeichnerischen Nachlasses (von
dem das Buch »Hernach« und die Mappe der Neuen
Photographischen Gesellschaft ja schon einiges repro-
diziert hat). Busch grenzt als Zeichner an alle
Provinzen: an Menzels scharfäugigen Realismus und an
die Formanschauung der Klassizisten (die Aktstudien!).
Und man erkennt, wie sich auf unablässiger Natur-
beobachtung die unerhörte Sicherheit in der Behand-
lung der Menschen- und Tierkörper aufbaut und die
aphoristische Knappheit seiner lapidaren Produktionen.
Die Originale zu den großen Scherzepopöen sind
von Holzschnitten, die wir kennen, so weit entfernt,
wie die bunte Photographie seiner Landschaft von
der Natur. In ihnen ist hundertmal mehr inneres
Leben, Verve, Mannigfaltigkeit, Ausdruckskraft und
Geist als in den kalten Linien der getreuen, aber ge-
bundenen Xylographen, die das Walten der Künstler-
hand selbst nicht mehr unmittelbar spüren lassen. Die
glücklichen Verleger dieser Unvergänglichkeiten sollten
doch endlich einmal Ausgaben nach diesen Zeichnungen
veranstalten, in denen noch die Funken der Inspiration
sprühen. Oder wenigstens auf Grund der Feder-

zeichnungen, die Busch in einem zweiten Stadium
seiner Arbeit nach den ersten Niederschriften für den
Holzschnitt zu machen pflegte! MAX OSBORN.

WETTBEWERBE
Ein Wettbewerb für hessische Künstler zur Er-
langung von Entwürfen für eine Erinnerungsmedaille an
die Hessische Landesausstellung wird ausgeschrieben. Es
wird ein Preis von 500 Mark verliehen. Schlußtermin:
1. Dezember.

Beim Wettbewerb für ein Rathaus in Barmen

wurden zwei Preise von je 6500 Mark verteilt, die Carl
Moritz mit Wilhelm Piping in Köln und P. Bonatz mit
E. Scholer in Stuttgart erhielten.

Die Vereinigung für das Reformationsdenkmal in
Genf hat einen ersten Preis von 10000 Francs den Lau-
sanner Architekten Monod und Laverriere, Taillens und
Dubois sowie dem Bildhauer Reimond in Paris zuerkannt.
Einen weiteren Preis von 6000 Francs erhielt der Archi-
tekt Minot und die Bildhauer Landowsky und Bouchard
in Paris.

Beim Passaden Wettbewerb des Anhaltischen
Kunstvereins in Dessau erhielt den ersten Preis Paul
Würzler-Klopsch in Leipzig, den zweiten Oeißler-Oernrode,
den dritten Fr. Hoffmann-Halle. Angekauft wurden zwei
Entwürfe von Franz Berner-Berlin und Otto Claus-Bernburg.

Der Bau eines Knabenschulhauses in Rostock
wird unter den deutschen Architekten mit Frist bis
3. Januar 190g zum Gegenstände eines Skizzenwett-
bewerbes gemacht. Preis 4500 M.

DENKMALER
Die Vollendung von Fürst Paolo Trubezkois Denk-
mal Kaiser Alexanders III. wird durch die auch hier
auftauchende leidige Sockelfrage verzögert. Zur Erledigung
dieser Frage war Fürst Trubezkoi im Spätsommer nach Peters-
burg gekommen und teilte bei dieser Gelegenheit einem
Interviewer von der deutschen St. Petersburger Zeitung
einiges über die obwaltenden Mißverständnisse mit. Den
Auftrag, den Denkmalssockel zu entwerfen, erhielt der Fürst
viel später als den für die Statue. Die Ausführung seiner ur-
sprünglichen Idee, ein roher Felsblock als Sockel, scheiterte
an technischen Schwierigkeiten, worauf der Künstler eine
ganz einfache geometrische Form wählte. Von dieser Idee
ist der Moskauer Architekt Schechtel, dem die Ausführung
oblag, in Einzelheiten nicht unbedeutend abgewichen.
Fürst Paolos Bemühungen waren darauf gerichtet, seinen
Entwurf von allen fremden Zutaten reinigen zu lassen, was
mit Leichtigkeit geschehen könnte. Einen definitiven Er-
folg hatte er einstweilen nicht zu verzeichnen, da der
Vizepräsident der Denkmalskommission Fürst Golizyn ver-
reist war. Da aber S. K. H. der Großfürst Wladimir
Alexandrowitsch, Präsident der Kaiserlichen Akademie der
Künste, sich dem Künstler gegenüber in günstigstem Sinne
ausgesprochen hat, darf man wohl annehmen, daß Trubezkois
Plan unverfälscht zur Ausführung kommen wird. -chm-

AUSGRABUNGEN
Ein hettitischer Tempel soll nach einer Meldung der
»Times« aus Sakje Geuzi bei Antab in Kleinasien von
Prof. Garstang aus Liverpool, der nach erfolgreichen Aus-
grabungen in Ägypten jetzt in Kleinasien nach Überresten
der Hettiterkultur sucht, gesichtet worden sein. Vorerst
ist der Eingang aufgedeckt, zu dessen Seiten je ein ge-
waltiger Löwe in Stein gehauen in die Mauer eingebaut
ist (soll wohl heißen: halb sich von der Mauer weg er-
hebt wie die assyrischen Tiergestalten). Weiter sind Re-
liefs, die asiatische Gottheiten, Sphinxe und andere reli-
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