Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 20.1909

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Venezianisches

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della chiesa Nuova non mi pare potersi spedire cosi
presto, oltre che io Iascio l'ultima stanza del Gran
Duca imperfetta, stante che l'inverno l'aria de Fiorenza
mi riesce assai nociva, e cosi finirla in stagione piü
temperata . . .«

IV. Cart. Med. F. 755 (Miscellanea):

»Maggio 1646. A di primo la Signora Princi-
pessa Anna maritata all'Arciduca Ferdinando Carlo
d'Austria fu dichiarata sposa ... Desinarono tutti
insieme nella Camera di Giove«.

V. Storia d'Etichetta di Toscana1), dal 1660 al' 61.
Filza »7«. a. c. 6or: »Febbraio 1660 (1661 st. c.)

»Adi 23 detto si scopri finalmente la stanza
d'Apollo o del Sole 0 della Gioventü, dipinta da
Ciro Ferri discepolo di Pietro da Cortona, l'ha di-
pinta in 15 mesi; vi sono nel mezzo della Volta
quattro o cinque figure fatte da Pietro. La stanza
e stata con quei trabicoli diciotto anni. Sento che
egli habbi havuto 1500 scudi e le spese e la casa«.

VI. Storia d'Etichetta dal 1659 a' 1663. Filza
»6«; a. c. 105': »1663 — Adi 3 di luglio«.

»Adi detto Ciro Pittore cominciö la stanza di
Saturno, che si fece dalla storia di Licurgo. Arrivö
di Roma venerdi sera 29 di Giugno . . .«

H. GEISENHEIMER.

VENEZIANISCHES
In letzter Zeit hat die sog. Entdeckung einer großen
Freske des O. B. Tiepolo im Palazzo Sina, einst Orassi
am Canal grande, viel von sich reden machen. Es ge-
lang endlich diesen Sommer, den seit vielen Jahren un-
bewohnten Palast, neben der kleinen Kirche S. Samuele
gelegen, an den Mann zu bringen. Der Käufer ist der
hiesige Mühlenbesitzer Stucky, welcher eine große Summe
hierfür erlegte. Kunstfreunde wußten, daß, als der Palast
im Auftrage des weiland Baron Sina restauriert, d. h. mo-
dernisiert wurde, der Festsaal um zwei Meter niedriger
gemacht wurde durch Einziehen eines neuen Plafonds,
welchen Bontibonne bemalte. Auch geteilt wurde der
schöne Raum und dadurch ein gegen den Garten gelegener
kleinerer Vorsaal geschaffen, an dessen Hauptwand Griepen-
kerl einen Triumph des Neptun schuf. Man hatte die
Rücksicht, den um die genannten zwei Meter höher ge-
legenen alten Plafond, wenn auch unsichtbar, fortbestehen
zu lassen. Es hieß, der Plafond sei von O. B. Tiepolo.
Besonders glaubten es diejenigen, welche die im Treppen-
hause befindlichen Fresken des Pietro Longhi kannten.
Nur wenige, darunter der Schreiber dieses Berichtes,
gaben sich die Mühe, den fast unbeleuchteten und da-
her nur mit Schwierigkeit zu sehenden Plafond in
Augenschein zu nehmen, und sich so zu überzeugen, daß
die Freske wohl aus der Zeit, aber nicht von der Hand
des G. B. Tiepolo sein könne. Molmenti hielt, trotzdem
Formengebung und Kolorit gar nichts mit Tiepolo zu tun
haben, an der Benennung Tiepolo fest. Dieser gute
Glaube, der sich auch denen mitteilte, die das Bild nie
gesehen hatten, legte nun dem neuen Besitzer des Pa-
lastes eine gewisse moralische Verpflichtung auf, die
scheinbar neuentdeckte Freske nicht zugrunde gehen
zu lassen, noch weniger sie an die zum Ankaufe ge-
neigten Händler abzulassen, und so dem Auslande aus-

1) Die Bände »Storia d'Etichetta« sind leider nicht
lückenlos. Sie gehören zur Abteilung «Guardaroba«, stehen
aber nicht in dem betreffenden Index.

zuliefern. Er berief den rühmlich bekannten Stefani aus
Bergamo, der nun die Freske unter den denkbar un-
günstigsten Raumverhältnissen von dem versteckten Pla-
fond löste und sicherte. Der Besitzer wird, wie er sagt,
sie an irgend einer anderen Decke des Palastes an-
bringen lassen. Obgleich nicht von Tiepolo, sondern von
irgend einem seiner tüchtigen Zeitgenossen, bleibt doch
Herrn Stucky das große Verdienst, uns eine immerhin pom-
pöse Komposition der letzten großen Zeit Venedigs erhalten
zu haben. Das mächtige Rundbild stellt, von umschließen-
den Ornamenten eingefaßt, eine Verherrlichung des Adels-
geschlechtes der Grassi dar. Eine lorbeergekrönte, mit
Zepter ausgerüstete männliche Figur auf einem von Wolken
getragenen Thronsessel beherrscht die Mitte des Bildes,
umgeben von allegorischen Gestalten, Tugenden und der
Fama. 1762 verließ Tiepolo Venedig, als er nach Spanien
gerufen wurde. Zu dieser Zeit war der Palazzo Grassi
noch im Bau oder wenigstens im Umbau. Es dürfte somit,
ganz abgesehen von den augenfälligen Stilverschiedenheiten,
G. B. Tiepolos Autorschaft für das Bild ausgeschlossen sein.

Mit Vergnügen kann von der Bereicherung Venedigs
durch ein modernes Kunstwerk berichtet werden: Ein großer
Verehrer Richard Wagners, Herr August Thiem, erwarb
sich das Verdienst, Venedig mit einem Wagnermonument
beschenkt zu haben. Vergangenen Herbst wurde dasselbe
im Volksgarten enthüllt. Das Werk, eine vortreffliche Arbeit
Professor Schapers, besteht in einer sehr ähnlichen über-
lebensgroßen Büste des Tondichters aus feinstem Carrara-
marmor, auf einem hohen Sockel des gleichen Materials,
auf dessen Vorderseite der einfache Name des Meisters an-
gebracht ist. Unter demselben eine symbolische Darstellung:
der Pelikan, der sein Blut für die Seinen opfert. Unter den
nach der Enthüllung gehaltenen Reden zeichnete sich die-
jenige des freundlichen Gebers durch Klarheit und tiefes
Verständnis vor anderen aus. Gelegentlich der im April
bevorstehenden Eröffnung der VIII. Internationalen Kunst-
ausstellung werden wir der Enthüllung eines weiteren
Monuments beiwohnen: die Kolossalstatue des Schau-
spielers und Patrioten Gustavo Modena, modelliert von
Lorenzetti, ist bereits im Guß in Bronze durch Munaretti
fertiggestellt. Wie man hört, wird England diesmal auf
der Ausstellung ganz besondere Bedeutung beanspruchen
können. Es ist dies nicht das Verdienst des englischen
Staates, der bisher die venezianischen Ausstellungen voll-
kommen ignorierte, sondern des Sir David Salomon, welcher
60000 Mark zum Ankauf einer Abteilung der Ausstellung ge-
schenkt hat. Den englischen Künstlern kann man gratulieren,
um so mehr, als sie bei den bisherigen Ausstellungen vor-
treffliche Geschäfte gemacht haben, was leicht erklärlich
ist. Die englische Abteilung erfreute sich stets durch die
Feinheit des Ausgestellten der größten Bewunderung von
Kenner und Publikum. — Es werden auch diesmal wieder
einigen hervorragenden hiesigen Künstlern besondere Säle
für Gesamtausstellungen ihrer Werke eingeräumt werden.
Auch ist es gewiß erfreulich zu vernehmen, daß es der
bayerischen Kunst, durch die Bemühungen der Münchner
Sezession gelungen ist, eine bleibende Stätte auf den hiesigen
Ausstellungen zu erlangen. Vier neue dem Ausstellungs-
komplex anzufügende Räume werden von nun an München
und der bayerischen Kunst angehören.

Die hiesige Galerie der Akademie hat sich einiger
neuer Ankäufe zu rühmen. Eine große von der Wand ge-
löste Freske wurde im Saal der Primitiven aufgestellt. Sie
stammt aus einem Hospital in Montagnana und ist von der
Hand des Giov. Buonconsiglio, gen. Marescalo aus Vi-
cenza (arbeitete von 1494—1537). Es ist in einer von
Säulen flankierten großen Nische die thronende Madonna
dargestellt, welche das segnende Christuskind auf dem
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