Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 20.1909

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Nekrologe — Personalien — Wettbewerbe — Denkmalpflege — Funde — Ausstellungen 280

Schöße hält. Zwei kleinere Fresken haben ebenda Platz
gefunden von Francesco Morone aus Verona (1474—1529),
datiert 1517, 18. Agosto: Eine Madonna mit Kind, zur
Seite ein hl. Rochus, halblebensgroße Halbfiguren. Ferner
ist ein interessantes Ölgemälde zu nennen, ein Familien-
bild, dem Bernardo Licinio aus Pordenone wohl mit Recht
zugeschrieben. Es zeigt uns zwei lebensgroße Frauenbild-
nisse im reichen Kostüme ihrer Zeit zu einer Gruppe ver-
einigt mit einem bärtigen Manne, der der einen der Frauen
die Hand reicht, während sein weiter schwarzer Ärmel
über das Steingesims herabhängt, welches nach unten das
Bild abschließt; hinter den genannten drei Figuren links
ein Knabe. Das starke Rot in den Fleischtönen, sowie die
enorme Fülle der Frauen stoßen etwas ab. Doch ist das
Bild insofern für die Galerie wertvoll, als diese Sorte von
Familienbild gerade hier vollkommen fehlte, wie denn die
Sammlung an Bildnissen auffallend arm ist. Zum Schlüsse
noch die Mitteilung, daß ein Schandfleck Venedigs ver-
schwunden ist: die letzten Reste der abscheulichen guß-
eisernen Fischverkaufshalle sind niedergelegt worden und
die neue, früher erwähnte Fischhalle, im Stile Carpaccios,
nach den Plänen des Malers Laurenti erbaut von Rupolo,
nun nach allen Seiten frei sichtbar, ist seit geraumer Zeit
dem Verkehr übergeben. auqust wolf.

NEKROLOGE

Am 1. Februar 1909 starb in Njeschin, im Tscherni-
gowschen Gouvernement, der aus Kokenhusen in Livland
gebürtige Landschaftsmaler Professor Julius Fedders im
Alter von 70 Jahren. Fedders gehörte zu den bedeutendsten
Landschaftsmalern der älteren Petersburger Schule, n-n.

PERSONALIEN
Hofrat Dr. Gabriel von Terey, Direktor am Museum
der schönen Künste in Budapest, ist zum Ehrenmitglied
der Königl. Akademie der Bildenden Künste in Antwerpen
erwählt worden.

X Franz Skarbina feierte am 24. Februar seinen
sechzigsten Geburtstag, der dem Künstler zahlreiche Be-
weise der Verehrung und Sympathie zuführte. Nament-
lich die Berliner brachten ihm herzliche Glückwünsche dar;
denn sie schätzen ihn als einen der wenigen treuen Söhne
ihrer Stadt unter den Malern modernen Bekenntnisses.
Zwar hat auch Skarbina die entscheidenden Anregungen
im Auslande empfangen, vor allem in Paris. Aber er blieb
doch, was er von Anfang an war: ein Nachfolger Menzels,
dessen Wegen er in völlig selbständiger Weise vielfach
folgte; neben Liebermann, der freilich später ganz andere
Bahnen einschlug, der einzige Fortsetzer des älteren Meisters
von Eigenart und Bedeutung. Die Skarbina-Ausstellung,
die der Salon Casper zur Feier des Tages veranstaltet hat,
betont gerade diese Seite seiner Kunst mit besonderem
Nachdruck. Und tatsächlich üben unter den sechzig
kleineren Gemälden und Zeichnungen, die hier vereinigt
sind, die berlinischen Straßenszenen und -Ausschnitte im
aufgefrischten, malerisch belebten Menzelstil die größte
Anziehungskraft aus. Daneben zeigen Öl- und Gouache-
studien von der Meeresküste und aus kleinen Nestern die
Sorgsamkeit von Skarbinas Naturbeobachtung und den
Geschmack seines farbigen Vortrags. Auch einige Proben
der schwächeren Zwischenperiode des Künstlers fehlen
nicht, die jetzt glücklicherweise als gänzlich überwunden
gelten darf.

WETTBEWERBE
Ein Preisausschreiben für ein Denkmal des Groß-
herzogs Friedrich I. von Baden wird für die in Baden
tätigen oder aus dem Großherzogtum stammenden Künstler

erlassen. 200000 Mark stehen für die Errichtung des
Denkmals bereit, 10000 Mark für Preise.

DENKMALPFLEGE
Der Magistrat von Hildesheim hat zum Schutze des
Stadtbildes kürzlich Verordnungen erlassen, die diejenigen
Straßen und Plätze namhaft machen, an denen allen
Bauten, welche die Eigenart des Ortsbildes der Stadt
Hildesheim oder des Straßenbildes beeinträchtigen würden,
die Baugenehmigung zu versagen ist. Bauten an jenen
Plätzen müssen durch ihr Äußeres das künstlerische Emp-
finden befriedigen, sich dem Orts- und Straßenbilde an-
passen und zu seiner weiteren Ausgestaltung beitragen.

FUNDE

Brindisi. Bei den Fundamentierungsarbeiten der
neuen Markthalle sind Inschriften ans Tageslicht gekommen,
aus denen man schließen zu dürfen glaubt, daß an der
Stelle das alte Forum gewesen sei."

Rom. Ein Mitraheiligtum vom faniculum. Die schon
seit geraumer Zeit am Abhänge des Janiculum begonnenen
Ausgrabungen haben plötzlich in diesen Tagen zu einem
kostbaren Funde geführt. Man fand eine Art von Atrium,
zu welchem man durch Stufen gelangt. Neben diesem
Atrium liegt das eigentliche Heiligtum, aus einer Cella be-
stehend, mit zwei Nischen. In diesem Räume fand man
eine Inschrift, in welcher ein gewisser Gaionas den Ort
weiht, pro salute et reditu et victoria imperatorum Augus-
torum Antonini et Commodi. Unter dem Pflaster des
Atriums stieß man auf große ollae oleariae, welche mit Über-
bleibseln von Opfern angefüllt waren. Neben dem Atrium
entdeckte man dann zwei kleine regelmäßige Räume, in
welchen Statuenfragmente gefunden wurden. In den aller-
letzten Tagen kam dann noch eine große dreieckige Ära
zum Vorschein und ein mit Ziegelsteinen bedeckter kleiner
Brunnen. Bei der Öffnung dieses Brunnens fand man
eine kleine bronzene Statue der Mitragöttin Chronos, welche
ein Drache umschlingt. Um die Statue herum lagen Eier.

Venafro. Dr. Gabrici vom Nationalmuseum von Neapel
hat eine vorgeschichtliche Mühle entdeckt, welche durch
Wasserkraft getrieben wurde.

AUSSTELLUNGEN
X Die Berliner Marees-Ausstellung ist am 28. Februar
im Sezessionshause mit einer Ansprache von Prof. Heinrich
Wölfflin feierlich eröffnet worden. Sie enthält der Münchner
Ausstellung gegenüber noch einige neue, zum Teil ver-
schollene und schon verloren geglaubte Werke. Ein ausführ-
licher Aufsatz darüber soll in der »Z. f. b. K.« erscheinen.

Bei Agnew in Berlin sind wiederum einige vorzüg-
liche Werke alter Meister ausgestellt. Zunächst sei ein
altflämisches Diptychon erwähnt, das den Besuchern der
Brügger Ausstellung gelegentlich des Goldenen-Vließ-
Jubiläums bereits bekannt ist: Philipp von Burgund und
Isabella von Portugal sind dargestellt. — Von holländischen
Bildern des 17. Jahrhunderts sind zu nennen eine Marine
von Willem van de Velde, eine koloristisch ungemein feine
Landschaft mit Staffage von Philips Wouwerman und drei
Bildnisse von Cornelis Janssen, dasjenige der Lady Falkland
und die des Herrn und der Frau Thielen (bezeichnet und
1634 datiert). Die spanische Schule ist durch zwei Engel
von Murillo, wohl Skizze zu einer Beweinung Christi, ver-
treten, England durch ein unvollendetes Porträt David
Wilkies, Frankreich durch eine Skizze Millets (Wäscherin)
und eine Landschaft Corots. h.

X Eine große Porzellanausstellung ist für das Jahr
1910 in Berlin geplant. Sie soll eine Gedenkfeier zur
Erinnerung an die Erfindung des Porzellans vor zweihundert
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