Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 5.1889

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Die deutsch-nationale Kunstgewerbeausstellung in München 1888.

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goldlüstrirte Schüssel als Wandschmuck einge- inderKirchevonS.GiovannltndereinstigenSara-
mauert; einegrvßere Anzahl persischer Fliesen und zenenstadt Ravello bei Amalfi; anch hier weist die
Gefäßfragmentesind in gleicher Weise verwendet BanzeitderKircheanfdas12.und13.Jahrhundert.

Die deutsch-nationale kunstgewerbeausstellung
in München ^888.

Von Arthur j)abst.
lllit Abbildungen. sSchluß.)

Der Bericht über
die letzte Gruppe der
Ausstellung, die Me-
tallarbeiten, könnte
sich im allgemeinen
auf einenHinweis auf
die Referate beschrän-
ken, welche das Kunst-
getverbeblatt iiber die
Jnternat. Metallaus-
stellung in Nnrnberg
und dieSchmiedeans-
stellung in Kärlsruhe
gebracht hat. Viel
mehrwar inMünchen
nicht zu finden, wenn
auch — wie es in der
Natur der Sache liegt
—allerleineueStücke,
z. T. für die Aus-
stellung gefertigt —
dazugekommen wa-
ren. Wirkönnenuns
daher hier kurz
fassen.

Die Leistungsfähigkeit der Schmiedekunst in
unseren Tagen trat auf der Karlsruher Aus-
stelluug noch deutlicher hervor als hier in
München. Die völlige Beherrschnng der Tech-
nik läßt heute kaum noch irgend etwas unmög-
lich erscheinen. Freilich sührt diese Fertigkeit
vielfach zu Uebertreibnngen und die bedenkliche
Ucberhandnahme des Eisens im Salon ist kein
Zeichen guten Geschmacks. Alle Geräte, welche
mit Feuerung, Licht, dem Laster dcs Rauchens
in Verbindung stehen, mag man aus Eisen
fertigen: Uhren, Photographierahmen, Schmuck-
schalen ans Eisen sind verkehrt. Es wird dcm
Material stets Gewalt angethan, das Eisen

Kassette. Wismutmalerei mit Bronzebeschlag. Von Paul Exoty, Stuttgart.

bleibt inimer ein grober Gesellc untcr den Me-
tallen und verträgt keine Durchbildung wie das
Silber. Das spricht sich anch darin deutlich
aus, daß die Brauchbarkeit der kleineren Ge-
räte eine oft höchst fragwürdige ist: von selbst
ergiebt die Behandlung des Materials Spitzen,
Ecken, scharfe Kanten, welche die Gebrauchs-
fähigkeit gcradezu aufheben. Man empfindet
stets den Kontrast zwischen Material und Tech-
nik auch bei aller Freude an der zierlichcn
Arbeit. Das Ganze ist eine Mode, über die
man in einigen Jahren lächeln wird — uni
sie in nicht zu langer Zeit wiedcr aufzu-
nehmen.
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