Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 5.1889

Seite: 177
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Aunstgciverbcblait. 5. Iahrgang.

No. z2.

Ornamcitt voir ciiicr Muiidcncr Faycnccvase.

Zur Geschichte der ^Nündener ^ayencefabrik.

Don I- Fockc.

Bei dcr Verbreitmig, welchc das in Miinden
fabrizirte Geschirr im chemaligen Königrcich
Hamiober, in Oldenburg, Bremen u. s. w. ge-
fiindcn hat, ist es gcwiß von Jnteresse, zur Ergän-
znng der dankenswcrtcn Mitteiliiiigen dcs Herrn
Professors bon Drach in Marbnrg im 5. Heft
dcs V. Jahrgangcs dieses Blattcs (S. 71 ff.),
den historischen Entwickelungsgang derMündener
Anstalt, welcher ich seit Anfang 1883 nachge-
forscht habe, aktenmäßig darzulegen. Das ein-
schlägige Material ist zwar schon seit einigen
Jahren in meinem Besitz, ich habe mich aber
bisher geschcut, es zn veröffentlichen, weil ich
die für eine solchePnblikation erwünscht scheinende
Verglcichung eincr größeren Zahl feiner Fabri-
kate nicht zu bewirken bermochtc.-) Behufs Er-

1) Derselbe hat die Frcundlichkeit gehabt, auch
zuin bvrlicgenden Aussatz noch einige mit 1) uuter-
zeichnete Anmerkungen zu liefern. D. Red.

2) Eine vom Gewerbcvercin für Hannover
und dcm Kunstgewerbeverein zu Hannover
während der Monate Mai und Juni dieses Jahrcs
veranstaltetc keramische Ausstelluug enthielt an Mün-
dcncr Falieuccn ohngefähr 200 Stücke (im Katalvg
Nr. 854—1060) und bot damit ein ziemlich vollstän-
diges Bild der Entwickelung der dortigcn Fabrikation
von der Zeit der Gründung bis zum Schluß. Ein
Überblick über die angegebencn Nummern im Kata-
lvg dieser auch sonst viel Jnteressantes bietenden und

Ämistgcwerbedlall. v.

lcichtcrnng weitcrcr Studien glaube ich jedoch,
iilinmehr ineine Notizen in aller Kürze bekannt
geben zu sollen.

Dic konigliche Regierung zu Hildesheim
besitzt über die Mündener Fabrik instrnktibc
Akten (aus dcnen hier nur das Wichtigste folgen
soll), dcrcn Einsicht mir im Januar 1886 zu
meincr Dankverpflichtniig bereitwilligst gcstattct
wurde. Jn denselbcn befindet sich als ältcstes
Aktenstück die Abschrist der dem Oberhaiiptmann
Carl Friedrich von Hanstein unter dem Datnm
dcs 20. Juni 1755 erteilten Konzession „iiber
die Porcellain-Fabriqiie" zn Münden, wclche

hauptsächlich durch die Bemühuugcu der Herren G.
Kokeu uud E. Häberle zu Hanuover sv wvhlge-
lungcneu Ausstellung läßt sofort die große Manuig-
faltigkeit der Mündcuer Produkte erkcnnen. Wir
sinden alles nur denkbare Zier- und Gebrauchsge-
schirr vertreten, von den als Thectische dienenden
großen Platten bis zu den klcinsten lltensilien für
Puppenstuben. Auch ein Bierschoppen mit der Jn-
schrist: „Leve Danmark" war darunter (Nr. 1008)
und wird von cinigen Gegenstäiiden in späteren An-
merkungen noch die Rede sein. Bon einer Anzahl
besonders bemerkenswerter Stücke sind nach Schluß
der Ausstellung photographische Ausnahmen gemacht
worden und Abzüge derselben durch das Atelier von
Ernst Alpcrs (Hanuover, Louiscnstraße 3) zu be-
ziehen. v.

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