Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 5.1889

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Bücherschau.

xv.

Iapanischer Formenschatz. Gesammelt von
S. Bing, Deutsche Ausgabe von E. A.
Seemann, Leipzig. Preis des Jahrganges
12 Hefte 20 M.; das einzelne Heft 2 M.
Monatlich ein Heft in Folio mit 12 farbigen
Tafeln und 1—3 Bogen illustrirtem Text in
farbigem Umschlag,

^,. ?. Jn Heft 3 des lanfenden Jahrganges
konnten wir in Brinckmanns „Kunst und Hand-
werk in Japan" das erste Werk in deutscher
Sprache begrüßen, welches sich zur Aufgabe stellt,
das innere Wesen der japanischen Kunst, den
Ausammenhang dieser Knnst mit dem Volks-
leben klar zu legen. Heute liegt ein Unter-
nehmen vor, welches geeignet ist, der Kunst der
Japaner neue Freunde zu gewinnen, weniger
durch das Wort als durch das Bild. Wir
haben bei Besprechung des Brinckmannschen
Buches anf den hohen Wert und die geschickte
Auswahl der Jllustrationen hingewiesen; ihre
Bedentung liegt darin, daß sie nach den besten
und lehrreichsten Originalen möglichst treu

wiedergegeben sind.
Dnrch diese guten
Abbildungen sind
viele Darstellnngen, die
bisher ein Buch mit
sieben Siegeln waren,
sofort klar geworden oder
es bedurfte nur einer
erklärenden Beischrift, um
die Absicht des Künstlers
sofort dcutlich werdcn zu
lassen. Gleichzeitig aber
wurde die Eigenart ge-
wisser Künstler und ihr
Können den Lesern vor
Angen gestellt; wir lern-



ten wirkliche Künstler
kennen, aus dem Be-
griff der„japanischen .

Kunst"lösten sichJn-
dividuen heraus, die

uns lebendig vor Augen treten; wir lernten
und lernen immer mehr erkenneu, daß in den
Knnstwerkcn der Japaner gewaltige Unterschiede
hinsichtlich ihres Wertes sind, und daß uns in
den edelsten Erzengnissen derselben Offenbarnn-
gen höchster Schönheit geboten werden.

Diese Erkenntnis zn gewinnen, zum vollen
Verstandnis japanischer Knnst durchzndringen
war bisher eben nur denjenigen möglich, welche
in dcn großen Centren des Kunstmarktes zu
wohnen das Glück haben oder denen danernd
gewählte Sammlungen zum Studium offen
stehen, dcnen dic gedruckte Erläuternng durch
Beispiele bclegt wurde. Für die meisten Sterb-
lichen war die japanische Ware etwas mehr oder
weniger Nenes, mit kurioser Oruamentik, billig
u»d dekorativ -— damit basta. Freilich, wo
solltc man anch lernen, das Gute vom Schlechten,
wirkliche Kunst voni elendesten Machwerk zu
nnterscheiden, wenn die japauischen Export-
waren von Jahr zu Jahr miserabler wurden?
Man vergleiche die Lackarbeiten, die noch 1878
eiugeführt wurden, mit der heutigen Marktwnre!
Und alle besscren Arbeitcn früherer Zeit sind
jetzt in feste Händc übergangen, es hat sich eiu
wahres Jagen nach japanischen Knnstwerken
eutwickelt, und vicl ist lcider nicht mehr dabei
zu erlangen: Frankreich, England und Amerika
habcn wie gewöhnlich den Löwenanteil erbcntet.
Je weniger wirkliche Knnstwcrke nun noch am
Markt sind und je mehr das Bestreben zn Tage
tritt, dic Kunst der Japaner kennen zu lernen,
zn studiren. uni so nähcr lng es, durch Vorfüh-
rung mustergültiger und hervorragender Knnst-
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