Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 5.1889

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Sonderausstellung

nn königl. kunstgewerbemuseum zu Berlin.

Von Dtto von Falke.
lNit Abbildnngen.

Die cnn 22.Oktober1888 eröffnete 24.S on-
dcrausstellung im Lichthofe des königl.
Kunstgelverbeinuseums in Berlin enthäkt
die im Laufe des Jahres fnr die Sammlung
gemachten neuen Erwerbnngen. Es ist ein
höchst erfreuliches Bild von dem Wachstum der
Sammlung, das die Ansstellung gewährt; er-
freulich sowohl in Rncksicht auf die Anzahl —
die Ansstellung umfaßt gegen 300 Nnmmern
— als auf die Qualität der Ankäufe. Gerade
in lehterer Beziehung kommt in dieser Aus-
stellung die Tendenz zum Ausdruck, die dem
Mnseum zur Verfügung stehenden Mittel auf
die Erwerbung besonders hervorragender Haupt-
stücke zu konzentriren. Die erzielten Resultate
sind um so anerkcnnenswerter, wenn man die
Konknrrenz der Sammler, die Seltenheit und
Kostspieligkeit der Kunstwerke ersten Ranges in
Betracht zieht.

Bereicherungen dieser Art haben nament-
lich die Abteilnngen der Möbel nnd Holzarbei-
ten, der Keramik und Metallindustrie erfahren.
An erster Stelle sind hier zu verzeichnen unter
den in Jtalien erworbenen Möbeln ein Tisch
aus dem Beginne und ein Schrank aus der
Mitte des 16. Jahrhnnderts, beide aus Nuß-
baumholz mit reicher Schnitzarbeit. Die feine
Ausführung und die maßvolle vornehme An-
ordnung des Ornaments erheben diese Arbeiten
zu kunstgewerblichen Erzeugnissen ersten Ranges.

Das Hauptstück der keramischen Gruppe
ist eine rundbogenförmige Umrahmnng aus far-
big glasirtem Thon von Andrea della Robbia
(Florenz 1435—1528). Das Werk von über
2 in Höhe, nrsprünglich wohl zur Umrahmung
eincs Altares bestimmt, ist vorzüglich erhalten
und zeichnet sich durch die Komposition, Mo-
dellirung und Bemalung der in hohem Relief
auf weißem Grunde aufliegenden Fruchtbündel
vorteilhaft vor manchen anderen Arbeiten aus
der Werkstatt der Robbia aus, die einen mehr
handwerksmäßigen Charakter tragen. Für das

Kunstgewerbemusenm ist dieser Ankauf um so
erfrenlicher, als dies das erste größere Stück
dieser Art ist, das in den Besitz des Musenms
gelangt. Eine technischc Musterleistnng der
Porzellanindnstrie ist ein Kronleuchter aus
Bronze, der mit einem reichen Schmuck von
Tulpen, Lilien, Nelken und anderen Blumen
aus Sevresporzellan besetzt ist. Es ist kaum
denkbar, diese in Bemalung nnd Form durch-
aus naturalistischen Blüten an technischer Fein-
heit und Zierlichkeit in dicsem Materiale noch
zu überbieten.

Die Ansstellung enthält noch einige aus-
gezeichnete Figürchen nnd Geschirre von Por-
zellan verschiedener Herkunft: St. Cloud, Sövres
(1744), Worcester, Ludwigsburg, Ansbach,
Höchst, Meißen und Berlin sind vertreten; fer-
ner Fayencen von Rouen, Delft (Adriaen Py-
nacker) und Alcora bei Valencia. Unter den
Majoliken ist von Jnteresse ein Tableau von
sechs großen Fliesen aus dem 15. Jahrhundert,
mit dem Wappen nnd anderen auf die Familie
da Gonzaga bezüglichen Abzeichcn bemalt. Als
Geschenk erhielt die Sammlung eine Kollektion
älterer spanischer Gläser, interessant durch die
originellen, zum Teil moresken Einflnß ver-
ratenden Formen nnd durch die reichliche Ver-
wendung des geknisfenen und aufgeschmolzenen
Ornaments.

Sehr reich an hervorragenden Erzeugnissen
namentlich der italienischen Renaissance ist die
Gruppe der Metaüindustrie. Es seien erwähnt
unter dem hierher gehörigen kleineren Bronze-
gerät als die besten Stücke ein Mörser, ein
Leuchter, ein Tintenfaß, eine Lampe nnd eine
gravirte Glocke, alle aus der besten Zeit des
16. Jahrhnnderts; von deutschen Arbeiten ein
Aquamanile in Löwengestalt aus dem 13. Jahr-
hnndert und ein Leuchter mit Fignrcn in der
Tracht des 15. Jahrhnnderts als Lichtträgern.
Ein Meisterwerk der dekorativen Plastik und
eines der bedeutendsten Stücke der ganzen Ans-
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