Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 5.1889

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Kleine Mitteilungen.

zunächst für wissenschaftliche Zwecke bestimmt
ist, als willkommen erscheinen. Das gilt z. B.
von Karl Zimmermanns Sammlung von
photographischen Reproduktionen ans den Bnch-
einbandschntzen der kgl. vffentlichen Bibliothek
in Dresden. Dieselben sind in erster Linie sür
die praktischen Zwecke des heutigen Bnchbinders
bestimmt, dem sie als Vorlage dienen sollen.
Da sie aber vorzüglich scharf geraten sind,
werden sie auch dem Forscher gute Dienste
leisten, wührend er aus dem beigegebenen Text
kaum viel Neues lernen wird. Einen lveit
höheren Rang in dieser Hinsicht kann das oben
angeführte Prachtwerk Bouchots beanspruchen.
Dasselbe ist in 1000 Exemplaren hergestellt
wvrden und soll in Zukunft nicht wieder ge-
drnckt werden, weshalb es in einiger Zeit schon
durch seine Seltenheit einen hvheren Preis er-
reichen wird. Der Hauptwert des Buches bcsteht
in den beigegebencn 80 in Lichtdruck herge-
stellten Tafeln, welche allerdings in Bezug auf
Schärfe und Klarheit hinter den Photographien
in Zimmermanns Sammlnng zurückstehen.
Sie sind den Originalen in derPariserNational-
bibliothek nachgebildet und bieten natiirlich, da
dieses Jnstitut die großartigste und reichste
Sammlnng von Bncheinbünden in der Welt
besitzt, eine Fülle des Jnteressanten nnd Schöncn
dar. Den Anfang macht eine stattliche Reihe
sg. Mönchseinbände, vom fünsten bis zum zwölften
Jahrhundert, welche ans Elsenbeintafeln bestehen
und für die Geschichte der mittelalterlichen
Plastik von hohem Jnteresse sind. Jhr schließen
sich mehrereMetalleinbände aus dem vierzehntcn

nnd fünfzehntenJahrhundert an,in welch letzterem
auch schon aus Holz und Stoff gefertigte Ein-
bände angetroffen werden.

Unter denLiebhabereinbänden des15.Jahr-
hnnderts bemerken wir nnr einen aus der Samm-
lung des Florentiner Thomas Masoli. Glän-
zend dagegen ist Jean Grolier vertrcten, von
dessen Einbänden drei zur Veröffentlichung ge-
langen, ebenso Franz I. von Frankreich mit
drei, Heinrich II. mit fünfNamen. Von den Ein-
bänden des Buchbinders und Buchdrnckers
Geoffrey Tory werden nns zwei Proben ge-
boten, von denen Jacynes-Auguste-Marie
de Thou's nnr eine. Neben ihnen erscheinen
noch verschiedene andere Liebhabereinbände des
16. nnd der folgenden Jahrhunderte, bis zum
Beginn der großen Revolution, deren Aufzäh-
lnng hier zn weit führen würde. Kann man
doch schon aus dem Bisherigen erkennen, daß
wir es hier mit einer alle hervorragendcn
französischen Sammler gleichmäßig berücksich-
tigenden Anzahl zu thnn haben. Jeder Ein-
band ist in am Schlußc des Buches befind-
lichen Notizen genau beschrieben, wobei dcr von
Leopold Delisle redigirte Katalog der Ans-
stcllung von Einbänden in der Pariser Natio-
nalbibliothek in der Hanptsache ausgeschrieben
wurde, ein Umstand, der der Arbeit Bonchots
nur zu statten gekommen ist. Dagegen ver-
mögen wir seiner Einleitnng, welche auf 51
Seiten in zwci Abschnitten die hauptsächlichsten
Bnchbinder nnd Sammler behandelt, nachzu-
rühmen, daß sie gut geschrieben ist nnd nichts
Wichtiges unerwähnt läßt. H. A. L.

Aleine Alitteilungen.

Museen und Vercine.

Pforzheim. Dem Jahresberichte des Kunst-
gewerbevereins pro 1888, erstattet in der General-
versammlung vom 16. April 1889, entnehmen wir
folgendes. Der Verein ist in zunehmender Entwicke-
lung begriffen und damit auch der Beweis ge-
liefert, daß das Jnteresse an kunstgewerblicher Arbeit
innerhalb der hiesigen Jndustriekreise immer mehr zu-
nimmt. Er zählt jetzt nahezu 1000 Mitglieder, gegen
900 im Vorjahr. Die Bemühungen, die großen Mode-
journale sür moderuen Schmuck zu interessiren, sind
mit Erfolg sortgesetzt worden. (Siehe Kunstgewerbe-

blatt Jahrg. 1888, S. 173.) Jm „Bazar" haben
mehrsachcVcröffentlichungen vonSchuinckgegcustünden
uebst Text stattgefiindcu. Die freien Vercinigungcn
zu diesem Zweck, in Hanau, Stuttgart, Gmünd w.
sind mit der hiesigcn in stetcr Verbindung und leisten
standig Bciträge zur Pflege dieser Angelegenheit.
Aus der Münchener Ausstellung 1888 ist der Verein
mit 23 Ausstelleru anfgetretcn. 18 haben die Me-
daille erhalten. Die Entwürfc zu den ausgeführteu
Schmuckgegenstäiiden hat sich der Verein durch Wett-
bewerb unter den Mitgliedern vcrschafft; für WO M.
sind dabei Entwürfc angekaust worden, welche den
Herren Fabrikanten zur Auswahl überlassen worden
sind. Die ganze Ausführuug hatte Herr Dircktor
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