Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 5.1889

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Beiträge zur Geschichte der Kunsttöpserei.

XI.

Einiges über Münden.

Uon L. A. v. Drach.

!Nit Abbildungcn.

Jm Kcitalog der zu Kassel im Sommer
1884 stattgehalNenAusstelluug kunstgewerb-
lichcr Altcrtümer aus Hessen befiudet
sich (auf S. 55) eine kurze Notiz des Verfassers
dieser Mitteilung über die Marke der von
Hausteinschen Fayencefabrik zu Münden
und dercn Gründung. Bald danach gab der
Direktor des Gewerbemusenms zn Hambnrg,
Herr Justns Brinckmann, in diesen
Blättern (Jhrg. I. S. 92 ff.) nber die Fabrik
und ihre Erzeugnisse eine aussührlichere Nach-
richt, deren geschichtliche Daten der Beck-
mannschen Technologie (6. Ausgabe von
1809) cntnommcn sind. Znr Ergänzung sollcn
im solgenden noch einige Notizen mitgeteilt
werdcn, wclche wir dem inzwischen vcrstorbcncn
lctztcn Bcsitzcr dcr Fabrik, Hcrrn Wnstcnfeld
zn Hannöverisch-Münden, zu vcrdanken haben;
im Anschlus; daran wird cin Prcisvcrzeichnis
aus dcm Jahr 1786 zum Abdrvck kommen, wel-
ches eine Übersicht über die damals in Münden
verfcrtigten Warcn bictct.

Unter verschiedenen im Oktober 1883 zu
Kassel vom Verfasscr dieser Zeilen erworbenen
Mündener Fayenccn befand sich ein cylindrischer,
ohngefähr I V- Liter haltender Krug ohne Marke,
der sosvrt durch das aufgemalte, sehr häufig
auf den Mündcner Krügen vorkommende
springcndc Pfcrd als cbcn daher stammend zn
konstatircn war. Er zeigte nirgends Spurcn
cinstigcr Bcnutzung, sondcrn war Vvllig intakt
und wie ebcn ans dem Ofen gcnommen;
der Vcrkäufcr, wclcher noch cinige cbcnsvlche
bcsaß, gab an, die Stücke von dem damals
noch lcbcndcn lctzten Besitzcr dcr Mündcncr
Fabrik, dcm obcn gcnanntcn Herrn Wüstcnfcld,
gekauft zu haben.

Anf cine an dicscn Hcrrn gcrichtcte
Anfrage über seine Kenntnissc von dcr
Gcschichtc dcr Fabrit crsolgten mchrerc Zu-

schriften, denen das nachstchcnde cntnommen
ist: „Dic Faycncefabrik in Münden wurde 1753
vom Drost von Hanstein angelegt, dessen
Stadtwohnung, vbschon in eine Schule vcr-
wandelt, jetzt noch das Drostenhans genannt
wird. Die Marke war ^ und dem Hanstein-
schen Wappen entlehnt. Die Fabrik wurdc
später an den Kaufmann Hack verkauft, wann,
ist nicht zu ermitteln.') Nach längerem Betrieb
durch denselben traten wirre Znstände ein, er
machte Bankrott nnd verschwand schließlich
ganz von hier. Die Kaufgelder waren nur
teilweise bezahlt, und das Besitztum fiel an
Hanstcins Erben zurück, welchc dnsselbe, sehr
verfallen in den zwanzigcr Jahren anf hiesigem
Amtsgericht meistbietcnd vcrkausen ließen. Die
Fayencefabrik endete vor etwa 40 Jahren, sie
bcschästigtc dnrchschnittlich 40 Arbeitcr. Die be-
nötigte Thonerde wurde in der Nähe gegraben
nnd ergab gebrannt einen gelben Scherben, der
mit einer weißdeckenden Zinnglasur versehen
und nach Erfordernis auf die Glasnr bemalt
wnrde. Das Fabrikat bestand in Tassen, Tellcrn,
Schüsseln, Fliescn und sonstigen zum Hans-
gebrauch crsordcrlichcn Gcsäßcn. Bicrkrüge
fandcn starkcn Absatz; solchc mit dänischcn
Deviscn wurden rcgelmäßig nach Dänemark
bestcllt. Die weißcn blaubenialtcn Schüsseln
warcn im Bancrnhnns des Itordens, an dcr
Wand ausgestellt, ein beliebter Schmuck. Der
Norden übcrhanptwar das Hanptabsatzgebiet."

Dcr Schlnß vorstehendcr Mittcilung macht
es crklärlich, wie man anf dcn Gedanken
kommcn kvnnte, dic mit der ans drci Halb-
monden gcbildctcn Markc bczeichncten Fayencen
cincr schwedischcn Fabrik zuzuschrcibcn; andcr-

I) Mit Rücksichl aus dic Beckiiiannschcn Angnben
niiißte dies wohl im ziveiten Jahrzehnt unseres Jahr-
hunderts geschehen sein.
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