Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 5.1889

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Bücherschau.

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Stickerin ihre 9tadeh dcr Handdrucker nnd der
Maler das Modellbret und den Pinsel, nnd dnß
die Maschine in diesen nnd hundert anderen
Fällen nur ein vereinfachendes Handwerks-
zeug vorstellt. Maschincnarbeit ist in unserer
Zeit nicht mehr gleichbedeutend mit Dutzend-
ware; bereits schafft sie Werke, denen ein künst-
lerischer Wert zuerkannt werden muß, und sie
wird darin zu immer weiterer Vollendung kom-
men. Die vielen mechanischen Vervielfältiguugs-
mittel, die unseren Zeichnern jetzt zn Gebote
stehen, sind keine Schädigung, sondern uur eine
Weiterentwicklnng und Bereicherung des Tech-
nischcn in der Kunst und also auch im Knnst-
gewerbe.

Aufhören wird die Handarbeit anf den ver-
fchiedenen Gebietcn des Kunftgewerbes niemals,
denn gerade ihre Niederlagen gegen die Ma-
schinenarbeit wird fie zu neuen Anstrengungen

und zum Uberbieten derselben reizen. Die
Maschinenarbeit aber Ivird eher zu- als ab-
nehmen, und dies können wir als kein Unglnck
betrachten. Nach nnserer Meinnng gilt es nicht,
die mechanischeHerstellnngsweisezn bekämpfen,
sondern Mittel und Wege zu fiuden, sie in
würdiger Weise für das Kunstgewerbe zu ver-
werteu, sie in küustlerische Bahuen zu lenken.
Wenn dies geliugt — und warum sollte es
nicht gelingen? — so ist, bei der ungeheuren
Verbreitung der durch die Maschine hergestell-
ten kunstgewerblichen Gebranchsartikel damit
mindestens ebenso viel für die wahre Hebung
des Kunstgewerbes und des künstlerischen Em-
pfindens der Nation gethan, als dies durch die
von Lessing angeregte und geforderte Staats-
hilfe zur Förderung der kunstgewerb-
lichen Einzelleistung geschehen kann.

Georg Bötticher.

TZücherschau.

XIV.

Der iitnere Ausbau. Sammlung ausgeführter
Arbeitcn für Manrer, Zimmerer, Tischler,
Schlosser, Töpfer :c. Herausgegeben von
Cremer L Wolffenstein. Berlin, Erust
Wasmuth. 8 Hefte Fol. zu je 20 Tafelu
ü 20 M.

Mit dem kürzlich erschicnenen vierten Hefte
hat die vorsteheude Publikation die Hälfte des
auf 160 Blatt augelegten Umfanges erreicht,
so daß ein vorläufig abschließendes Urteil über
dieselbe nach den vorliegenden Leistungen wohl
berechtigt erscheint. Die Beziehung aus die
vou Strack und Hitzig vor dreißig Jahren unter
gleichem Titel publizirte Sammlung, welche
wir in dem Prospekt finden, fordert uuwill-
türlich zu eincm rückblickendeu Vergleiche auf.
Wo ist die alte Berliner Schule hingekommen?
Jn den vorliegenden Blättern ist sie bis auf
den letzten Rest verschwunden und vergessen.
Wie die Neichshauptstadt die schaffenden und
genießenden Elcmcnte aus allen Teilen Teutsch-
lnnds an sich zieht, so mnß sie auch cin Bild

der allgemein gültigen nnd beliebten Richtung
geben, welche die dekorirendeu Künste im ganzeu
Reiche eingeschlageu haben: ein eigenartigcs
Berliner Gesicht im Sinne der Schinkelschen
Schule nnd ihrer Nachkommen kann sie nicht
mehr zeigen. Die Einzelheiten des inneren
Ausbaues, welche die vier Hefte füllen, siud
zusammengetragen aus den Ateliers sämtlicher
Architekten der neueren Berliuer Schule. Ende
und Böckmann, Ebe und Benda, Kayser nnd
von Großheim, Schmieden, Jhue und Steg-
müller, Cremer und Wolffenstein, von Holst
nnd Zaar, Martens, Hochgürtel, Seel, Röttger —
man vermißt kaum einen der älteren und jün-
geren Meister in dieser langeu Liste. Und die
Tonart, in welcher allc diese Meister ihrc de-
korativcn Gedanken anssprechen, ist die deutsche
Renaissance, ueuerdiugs uutermischt mit Ver-
suchen im Schlüterschen Barock und im Rokoko-
stil; so iu dem Haus der Gesellschaft der
Freunde von Cremer nnd Wolffenstein, in der
Loge Royal Pork von Ende und Böckmann
nnd in eiuzeliicn Privathäusern von Schmiedcn
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