Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein [Editor]
Die Rheinlande: Vierteljahrsschr. d. Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein — 5.1902/​1903

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IVlarburg, bestätigt. Br schreibt mir, dafs er kein
einziges Bild des jungen Beine kenne, auf dem
dieser einen Bart trage; vielmekr 8ei überliefert,
Kleine kabe er8t auf dem Krankenlager, als er bei
8einen empkndlicken Berven das Kratzen des
Basiermessers nickt rnekr kabe vertragen können,
8ick den Bart 8teken lassen. Da das Bild Zweifellos
den Oickter in beferen ^akren darstelle, 80
rnü88e er 8ick vorübergekend einmal den Bart
kaben wacksen lassen und in dieser Teit das
Bild gemackt 8ein. Bekme man an, dafs dies
nickt besonders ckarakteristisck ausgefallen, 80
könnte inan die ^Vbweickungen von anderen
Bildern versteken und auf die Becknung des
ungenannten Teickners setzen. Oieser ^.nsickt
i8t auck ein anderer Beinekenner, Oekeimrat
Brofessor Büffer in Bonn, dein eine Bkoto-
grapkie des Bildes vorgelegen Kat. Wir kaben
al8o an aeiner Bcktkeit fest^ukalten, urn 80
rnekr, ala die Erinnerungen der lebenden lVlit-
glieder der Bamilie Lirnona bi8 in die vierziger
^akre ^urückreicken. Oie Aussage die8er Bamilie
wird nock bestätigt durck B. Beller au8
Oü88eldorf, der 1844 rnit kl. kleine in Klarnburg
verkekrt Kat und alle wesentlicken Tüge de8
Oickters in dein kier gebotenen Bilde wieder-
erkennt, nur der Lcknurrbart 8ei kürzer gewesen.
^Vlles in allein, 68 bandelt 8ick urn ein Bildnis
dea Oickters in aeiner besten Teit, etwa aua
dern Anfänge der vierziger ^akre, ala er ^urn

letztenmal sein Vaterland besuckte*; vielleickt
gelingt 68 änderen, Bestimmteres 2u ermitteln.
Tum 8cklusse wollen wir an eine aua der
Bonner 8tudenten?eit stammende 8ckilderung
der Bersönlickkeit Kleinea erinnern, die sick in
dem gediegenen Werke von 8trodtmann, Kleinea
Beben und Werke, kndet. **
„Oie Tüge dea blassen, kaum leickt geröteten
Oesicktes waren fein und eker weick ala sckarf,
nur dafs sick die lVlundwinkel unter dem blonden
Bärtcken käukg in den bekannten satiriscken
Tug verlängerten, wobei auck die lVluskeln dea
^Vuges aick kerab^ogen, 80 data letzteres nickt
grofa und oben erackien, sondern mit blinkendem
Ausdruck aua den ^usammengeknikenen Wimpern
kervoratack."
lVlit der lVlünckener Bleiatift^eicknung in
Kielt z der Bkeinlande Kat das neue Bild mancken
Tug gemeinsam, die Mdiacke Berkunft läfat ea
nock weniger ala dieses erraten. Bs dürfte
überkaupt etwas idealisiert sein, als wenn dem
Teickner die Worte des bekannten 8onettes vor-
gesckwebt kätten:
„leb bin Aswobnt clsn Xopk rscbt bocb 2U tragen,
IVlsin Sinn ist ancb ein bisscken starr nnci 2äbs,
Wenn selbst cisr Könix rnir ins ^tnt1it2 säbe,
leb würcZs nicbt «Zie ^u§en niecierscbla^en."
_ I.
* ^tncb dis lecbniic «Zsr l^itbc>Arapbis würäs in «Ziese
2sit weisen.
** 8. 52. Ver^I. Xarpslss: tZsine, 8. 254.

Vie Lunst aut' der Oasse.
^us der Bokokostadt Würzburg.

Weder von Würzburger Kircken, nock von
Würzburger 8cklössern will ick keute reden.
8ie sind M auck kinlänglick berükmt. Beden
will ick, wovon niemand redet, worauf niemand
acktet, weder Bremde nock Binkeimiscke, von
der Kunst in den Bassen, von den unsäkkgen,
wirkkck un2äkkgen Bildern in B0I2 und 8tein,
von denen man in den Bassen Würzburgs, wo
man auck geben und sieben mag, immer
wenigstens eines, meist aber xwei, drei vor
^Vugen Kat.
Bs sind fast nur lVladonnenbilder. Und sie
sind so versckieden, wie sie saklreick sind.
lVlan mufs staunen auf 8ckritt und Iritt. Bs
ist ein Beicktum, — und nickt nur quantitativ —,
der verblüffen mufs. Bine solcke reicke Aus-
streuung von Kunst in allen Bassen und Winkeln
wird man in Oeutsckland kaum irgendwo wieder
knden. I'rotr: der kimmelkoken Versckieden-
keit des 8tils denkt man unwillkürlick an
Bloren^. Bs kommt vor, dafs man im Wein-
baus „ein wenig kinters klölcken gebt" und auck
eine lVladonna antrikft. Und sie ist vielleickt gar
„ein Biemensckneider".

lVlit dem letzten 8at2 möckte ick aber keine
falscke Vorstellung erwecken: als ob es in
Würzburg nur so von Werken Biemensckneiders
wimmelte. Im Begenteil, eben nur in irgend
einem verlorenen und vergessenen Winkel wäre
vielleickt nock einer xu entdecken. In Kircken
und Klöstern und in den ökkentlicken 8ammlungen
sind kerrlicke 8acken von ikm ^u seken, in
den 8trafsen aber ist kaum etwas von ikm su
knden. Beute kennen die Würzburger „Be-
lekrten" — und Ungelekrten nickts anderes als
Biemensckneider. Unter seinem Barnen mufs
alles geben, was irgend geben mag. Oder es
wird veracktet.
^.ber es gab lange Teiten, wo Biemensckneider
nickts weniger als lVlode war, M, wo er den
Beuten direkt gegen den Besckmack ging, wo
man eine lVladonna oder sonstiges Bild von ikm
umsonst kaben konnte, weil der Besitzer Blats
sckatfen wollte für eine andere, für eine glänzen-
dere, lustigere, elegantere, modernere lVladonna.
80 allgemein und unwidersteklick wurde der
neue Oesckmack fürs Bustigere und Blegantere,
dafs die alten Bilder in kurzer Teit fast aus-

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