Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein [Editor]
Die Rheinlande: Vierteljahrsschr. d. Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein — 5.1902/​1903

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löild, das ein besonderes Studium wokl wert ist.
Dagegen sckeint mir ein kragbcber Watteau
dock wokl eckt, er ist bis in )ede Linzeibeit des
Hintergrundes voll von seinem köstlicben Oeiste,
nur etwas milsbandelt durck gelben firniss.
^m meisten scbeinen dem Sammlersinn des
Hauses 8ticke und Drucke zu liefen, kleben
keinen farbigen Lädierungen von Lobbe fand
icb mitten in bunten engliscben Stieben eine
Lädierung von ^sames Larr^, aus dem ^abre 1776,
die auf den ersten Llick wie ein l'koma wirkt.
Wir werden das eigentümlicbe Llatt demnäcbst
reproduzieren. Was für feine Hände geboren
dazu, um solcbe Dinge aus dem gebräucblicben
Wust der Antiquare beraus zu finden, was für
eine liebevolle Oeduld und was für eine Freude
an allen Dingen der Kunst!
Das sind zwei bergiscbe Sammlungen, die
für die andern mitzeugen mögen. Ick nannte
scbon gelegentlick der Ausstellung von Liber-
felder Lrivatbesitz L. 7^. ^ung, Jerome kloetzlin,
August Lrowein und Julius Sckmits als Sammler
und Lesitzer von sckönen Werken. Iknen sei
beute nocb Lmil We^erbuscb zugesellt, dessen
scböne Kreuzigungsgruppe in weifsem Lorzellan,
von der Düsseldorfer Ausstellung so ziemlicb

Lsririsn, ^1ls«8tr. 52.


federn Lesucber bekannt, das Oauptstück einer
Sammlung ist, die mancbes wunderfeine Stück
in Lorzellan, Olas oder Keramik entbält. 8.

Der kopflose weiter 2u Neltlnanri.
Lin Leitrag zum Wotan-lVl^tbos aus dem Lergiscben.

2ur 2eit der Laubritter 20g sicb einer der-
selben derart den 2orn der Lürger von lVlettmann
zu, dafs man sicb endlicb zu seiner Verfolgung
aulmacbte. T^uf weifsem Lofs (nacb einer
andern lVlitteilung auf koblscbwarzem Lappen)
llob der Verfolgte. Wenn ibm aber die Ver-
folger dickt aut den Lerssn waren, nabm er
seinen Kopf berunter, barg ibn sorgfältig unter
dem ^rme, und konnte nun mit doppelter Oe-
scbwindigkeit entllieben, so dafs er seinen Ver-
folgern entkam.
Sucben wir einige 2üge dieser allerdings
dürftigen Sage zu deuten.
2unäcbst ersckeint ein weifses Lots. Das-
selbe darf wobl im ^nscblufs an Laistner
(klebelsagen, 8. 44, 232) auf den Klebei oder die
Wolke gedeutet werden. Obland war es, der
zuerst diese Deutung gab (Scbritten VIII, 437).
Der Klebei, die Wolke sind nur ein Spiel des
Sturmes, der oft mit ungebeurer Scbnelligkeit
daberbraust. Die Begriffe von Wolke und Sturm
geben darum viebacb ineinander über. T^ber
aucb der Sturm blieb dem Oermanen nickt
lange in seiner nücbternen Wirklickkeit; er
erscbien ibm als ein scbnell binstürmendes
Lots, und gerade letzteres ist eben durck seine
Scbnelligkeit vorzugsweise geeignet, den Sturm

zu versinnbildlicben. T^ber nocb weiter scbritt
die frei sckatfende Volksseele fort: der Sturm-
wind wurde persönlicb aulgefalst und verdicbtete
sicb zu Odin-Wotan. Lr ist der rasende Sturm-
gott, der gerade aus dieser Seite seines Wesens
beraus zum wilden Kläger, Backeiberg (IVlantel-
träger) in einigen Oegenden klorddeutscblands
genannt, wurde, ^.n den Südmarken des Lergi-
scben, am Siebengebirge, ist er unter dem klamen
blecberner ^äger bekannt. Das scbnellste der
Losse aber ist der acktlülsige Lenner des Wind-
gottes Odin-Wotan, welcber Sleipnir keifst.
In der Sage, die uns kier bescbäftigen soll,
ist das Lols des Laubritters nickt als acktküfsig
gekennzeicbnet; aber seine doppelte Oescbwindig-
keit, welcbe im IVl^tbos durck die ackt Lülse
Sleipnirs dargestellt wird, begegnet uns aucb
kier, und darum ist der Lückscklufs, kier Wotans
Lols und in dem Leiter diesen selbst vor uns
zu baben, gewils gerecbtlertigt.
Dieses mit wunderbarer Scbnelligkeit begabte
Lofs bat sicb in unzäbligen deutscben und
nordiscben Sagen erkalten, vor allen Dingen in
der Lraunscbweiger Sage von Beinricb dem
Löwen, vom IVlöringer, von l'kedel von Wal-
moden, von Lickard von der klormandie etc.
(m. vergl. dazu Simrock, Bandbuck der deutscben

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