Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein [Editor]
Die Rheinlande: Vierteljahrsschr. d. Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein — 5.1902/​1903

Page: 85
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/rheinlande1902_1903/0120
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
kiniger über ffgnr Laibung gen. 6nen.
von Liberi Seiger-Karlsruhe.


Mer den grossen Malern, welche um
die wende der 1Z. und 16. )ahr-
hunderts am Oderrhein thätig waren,
nimmt Hans Salbung gen. 6rien
eine höchst bedeutsame Stellung ein.
koloristisch kommt er von dem ge-
waltigsten deutschen Koloristen in

jener Zeit, Mathias Srünewald, her. Sr liebt die

geheimnisvolle Sprache seiner Hintergründe, abend-
liche Dämmerstimmungen voll heimlichen romantisch
bezaubernden Seires, starke Segensätze von sicht
und Dunkel. 5eine sandschaft hat nicht das hohe

Pathos jener Srünewalds, aber in der Srt, wie
sie, vom Maler beseelt, gewissermassen den Unterton
ru den Vorgängen der Silber abgiebt, ist sie
Srünewald aufs nächste verwandt; nur freilich,
wie es Saldungs Natur ergab, menschlich näher,
poetisch weicher; aber voll einer ebenso tiefen,
nur liebenswürdigeren Melancholie. ... In der
Sestaltung seiner Silber, in der ganren kom-
positionsweise kommt er Dürer näher. Sr steht

mehr im realen seben und besitzt von allen
deutschen Malern jener Zeit die sinnenwärmste
Sprache. Dies reigt sich am stärksten in seinen
nackten vrauengestalten, welche von einem fein-
fühligen Suge für die vormenreire des weiblichen
Körpers, von einer vollendeten Wiedergabe leden-
und luftgeschwellter Mieder sprechen, wie sie
keinem seiner Zeitgenossen eigen waren. Salbung
ist darin unendlich mehr Italiener als Deutscher.
Dieses Tinnenstarke hat sich selbst in seinen
Marienbildern nicht ru verleugnen vermocht,
vornehm rwar im ganzen Susdruck, voll tiefer,
wenn auch den Dürerschen Igpus nicht er-
reichender Innigkeit, weisen sie ein volles Oval,
ein liebreizendes schwellendes Kinn, einen weichen
fast üppigen Mund; die edle Safe, die grossen
Sugen, die reine von Hoheit strahlende Ttirn
offenbaren freilich die göttliche Tendung und
lassen das Irdische des Weibes wieder vergessen.
Man kann sagen: sein Marientgpus ist in der
vormengebung eine Verschmelzung von himm-

klauptaltLr aus der k'ürstsnlcLpelle des Klosters Idcbtsntbal
bei Laden-Laden. Aussenseite, kruder Laldunx suxssebrisben.


///

85
loading ...