Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein [Editor]
Die Rheinlande: Vierteljahrsschr. d. Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein — 5.1902/​1903

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Oie Wotansage, von der wir einen dürktigen
Best in unserer IVlettmanner 8age vor uns kaben,
ist nickt allen Qermanenstämmen eigen. Oen
in einem grossem l'eile des ekemaligenBergiscken
ansässigen kranken — und lVlettmann ist ge-
sckicktlick rnit Kaiserswertk, dem ^.usgangs-
punkt kränkiscker Kultur kür das Bergiscke —
ist der Wotansmz^tkos nickt gan^ abkanden
gekommen. Ond da^u Kalts man, daks lacitus
(Qerm. 9) von den Qermanen kericktet, sie ver-
ekrten arn meisten den Wotan, ^.ke Qermanen-
stärnrne waren aker unserrn rörniscken 8ckrikt-
steller nickt bekannt. ^Iler Wakrsckeinlickkeit
nack bekiekt sick darum obige blackrickt in
erster Oinie auk dis niederrkeiniscken Qermanen-
stämms, welcke clen Körnern arn genauesten
bekannt waren. Qoltker rnag darum rnit einer
interessanten 8ck1ukskolgerung clas Wort nekrnen,
wenn er sckreibt: „Vermutkck sind clie Qer-
rnanen arn Onterrkein gemeint, von denen die
Körner arn rneisten wussten, so daks Wotan nur

bei iknen, bei den rkeiniscken oder istvariscken,
nickt auck bei den ingvariscken und suebiscken
8tämmen als köckster Qott kür die damalige
Zeit angeset^t werden dark. block später siekt
man Wotans lVlackt im Wackstum begrikken,
aus dem Lturm- und l'otengott wird der liimmels-
kerr, der Qott des Krieges und der geistigen
Kultur, der die andern uralten und einkackeren
Qestalten des germaniscken Qötterkimmels in
8ckatten stellt, ^.m untern Kkein und von da
landeinwärts, wo eine IVlenge römiscker Kultur
auk die Qermanen überging, kam Wotan auk
und batte im 1. ^akrkundert n. Qkr. bereits den
Lieg errungen."
^.uck ist, und das mag 2um Lckluks nock
angekükrt werden, die Bexeicknung Qudestag,
Qudenstag, welcke ^iemlick allgemein alsWotans-
tag aukgekakst wird, sckon in den Orkunden des
14. ^akrkunderts kür unser niederrkeinisckes
Qsbiet bezeugt.
0. 8ckell.

Lin bergisckes
kiekt der „Kkein-
lande" würde die-
sen blarnen kaum
verdienen, wollte es
nickt wenigstens
Kur? in Wort und
Bild kinweisen auk
die stille scklickte
Lckönkeit der Al-
tenberger ^.btei-
kircke. 8ie wird
ikrer ganzen An-
lage und Bedeutung
nack mit Keckt als
bergiscker Oom be-
seicknet. Ls soll
nickt der Versuck
gemackt werden,
etwas bleues über
8ckicksale u. Wert
dieses kerrlicken
Oenkmals reiner
Qotik 2u sagen.
Oarauk kommt es
an dieser 8telle
garnickt an. liier
gilt es nur, 2U Zei-
gen, wieviel Ver-
anlassung das bergiscke Volk Kat, das weike-
volle Brbe der Vorzeit 2U wakren und 2U pllegen.
Oie Beriode moderner Zerstörungswut, der
nock im Hmkang des 19. ^akrkunderts vieles lierr-
licke 2um Opker gekallen ist, kann glücklicker-
weise als überwunden gelten. Bornierte liab-

suckt, die in einem
erkabenenBauwerk
nur eine ^.nkäukung
praktisck 2u ver-
wendenden Bau-
materials erblickt,
wird keute sckwer-
lick mekr 2um Ziele
gelangen, wenn sie
auck nock nickt
ausgestorben sein
mag. Oie „alte gute
Zeit", nock immer
von manckem 2U-
rückgeseknt, ist als
eine vandaliscke
Zerstörerin ekrwür-
diger Kunstdenk-
mäler längst ent-
larvt. Oer ideale
8inn, Kunstver-
ständnis und Bkr-
kurckt vor den Bau-
ten der Vergangen-
keit kaben mekr
und mekr Boden
gewonnen. Überall
ein reges 8treben,
die 8ünden der
Qroksväter aus^utilgen. Burgen, 8ck1össer und
Kircken, durck unglaublicke blacklässigkeit und
liabsuckt verladen und Zerrüttet, ersteken wieder
dank der Opkerwilligkeit und Freigebigkeit
namentlick auck von privater 8eite.
Das bergiscke Band bietet kierkür beredte

Der berAiseke vorn.



Lliclc auk äsn Ltior.

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