Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein [Editor]
Die Rheinlande: Vierteljahrsschr. d. Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein — 5.1902/​1903

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streckend, nrn ikr reckt nake xu sein, „rnufs
ick Iknen einrnal den 8tar stecken: Ls wäckst
Iknen ein Olück irn Oause grofs, nnd 8ie rnerken
es nickt, ^a, )a, so ist es! Oer Oäberle Kat
ein 8tück Welt abgelaufen nnd einen 8ack voll
Lrfakrung von der 8trafse aufgelesen, was er
sagt, ist kein Wind! block ein paar ^akre, nnd
er Kat ans den 2öbelibuben etwas gernackt, das
sick vor der Welt seken lassen darf! Künstler,
so wakr ick Valentin keifse!"
„Was faseln 8ie rnir vor!"
Lr wiedsrkolte seine Lede.
„Oesckwätx! Oellunker!"
„klein, Wakrkeit," erwiderte der IVlann rnit
steinerner Luke. „Lassen 8ie rnick die Knaben
nock ?wei ^akre unterweisen, so kornrnt Iknen
ein ganzer goldener Leicktnrn ins Hans. Lünlxig,
Kundert, xweikundert Lranken werde ick rnit
den Onken )eden ^bend verdienen-— —"

„Ond in den eigenen l'ascken versorgen!"
„Lardon, Lrau 2öbeli, federn das 8eine! Ick
kin ein Lkrenrnann! Was üker die Auslagen
kleikt, davon rnacke ick xwei Oäufcken, ekrlick
und redlick! Oann kraucken 8ie nickt rnekr
kei Ikrer Lutxerei xu kuckeln und xu kriecken
und xu knieen: 8ie woknen in einern sckönen
Klause, essen )eden l'ag Ikre fette 8uppe und
etwas Bestes daxu; 8ie können Ikrern seligen
lVlanne einen Orabstein setzen, wie 8ie sckon
lange wünscken-."
80 redete er ikr xu und streute Losa und
Qrün über die Dinge aus. 8ie scküttelte den
Kopf, aber irnrner sckwäcker, und als sie aus-
einandergingen, sagte sie weder,^a' nock ,klein',
wie es bei unscklüssigen oder eigensinnigen
Leuten Orauck ist; er aber wulste, dafs die
8acke xu seinen Ounsten entsckieden war und
er seine Liane weiter verfolgen durfte.
(Lortsetx. folgt.)

LmLI
Wo frisckes Leben pulsiert, entsteken Oegen-
sätxe, und wo sick erst Oegensätxe gebildet
kaben, da gebt es auck okne rnekr oder weniger
energiscke Auseinandersetzungen nickt ab. Wie
aber innerkalb des ganzen weiten Oebiets der
bildenden Kunst keutxutage in Oeutsckland
darüber gestritten wird, was gut und narnentlick
für die Zukünftige Entwicklung erspriefslick sei,
so gesckiekt es auck in Wiesbaden, obwokl
dort der 8treit vorwiegend tkeoretisck ist, da
nur wenige Künstler in dieser Kur- und Lrernden-
stadt ikren ständigen Woknsitx kaben. Ona
so erfreulicker aber, dafs den versckiedenen
Larteien wenigstens einige Oerükrungspunkte
geblieben sind; eine solcke 8tätte des Lriedens
und freudigsten Linverständnisses ist gegen-
wärtig der Oauptraurn des klassauiscken Kunst-
vereins, wo die in kiesigern Lrivatbesitx belrnd-
licken Werke Lrnil Lugos ausgestellt sind.
Oen Künstler, der der kleinen aber ikrn rnit
kerxlicker l'reue ergebenen Qerneinde seiner
Lreunde und Verekrer xu Anfang des IVlonats
^uni entrissen wurde, verbanden sckon seit
^akren ideale Oexiekungen rnit Wiesbaden.
blickt selten sandte er in letzter 2eit kleine
Kollektionen seiner Qernälde kierker, und irnrner
war dann die Lreude grofs, und irnrner fanden
sick neue Liebkaber, die die sick darbietende
Oelegenkeit gern benutzten, sick einen Lugo
xu eigen xu rnacken. Oie Qalerie selbst katte
sckon seit langern in dern „8ckattigen Oain"

* Dieser Artikel wurcis ^eleASNtlicli cier DriAvLussteHunA
in Wissbacisn §ssciirisdsn.

sick ein Hauptwerk des Kleisters gesickert;
kinxu kornrnen nunrnekr aus Lrivatbesitx nickt
weniger als elf Bilder, die alle aus der reifsten
8ckakensperiode des Künstlers starnrnen und
sick xiernkck gleickrnäfsig über die beiden
letzten ^sakrxeknte seines Wirkens verteilen.
Wo rnan dergestalt einen so guten Überblick
über die Baupttkätigkeit dieses grofsen, xu seinen
Lebzeiten längst nickt genug gewürdigten Kleisters
erkält, da sckweilen die Bedanken unwillkürlick
xu seinen Anfängen Zurück, und die Lrage er-
kebt sick, ob der IVlann das gekalten kabe, was
der Jüngling versprack. Oie Antwort rnufs
lauten, dafs es irn vollsten Ornksnge gesckeken
sei, und dafs es wakrlick nickt an ikrn gelegen
Kat, wenn die weiteren Kreise seiner Lands-
leute xu seiner tiefen und edlen Kunst kein
persönlickes Verkältnis gewonnen kaben.
Lugo ist, wie so viele narnkalte IVlaler des
neunxeknten^akrkunderts, ein Kind des badiscken
Ländckens: er wurde geboren arn 26. ^uni 1840
in dern ^rntsstädtcken 8tockack arn Öberknger
8ee, in einern Ort, der dern auf das Lornantiscke
gerickteten 8inn des Knaben reicke blakrung
xufükrte. Oort liegen nock keute die 1'rürnrner
des rnäcktigen 8ck1osse8 blellenburg, von dern
aus die alten Oralen den Hegau bekerrsckten,
dessen kockragende Bürgen und ritterlicke Be-
wokner uns allen aus dern Bkkekard und aus
8ckelfels ^uniperus bekannt sind. Wie die ekr-
würdigen bis xurn klassiscken IVlittelalter xurück-
reickenden Überlieferungen beeinllulste okne
Zweifel auck die kerrlicke Landsckaft diese ern-
planglicke Künstlernatur. 8ckon frük werden

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