Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein [Editor]
Die Rheinlande: Vierteljahrsschr. d. Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein — 5.1902/​1903

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Weihnachten, die 2eit der unnützen Dinge,
wo die 8par8am8ten lVlütter 8piel8acken kaufen
und 80N8t unbeackoltene deut8cke 8ürger 8ick
auf ihre Dichter und Denker de8innen, wo 8elb8t
kandgemalte 8ilder von Xun3t- und Dakmen-
kändlern in wohlgebaute 8äu3er getragen werden
und den Lün3tlern manchmal einige der bar-
ge2aklten 8ckeine in die Hunde apielen: dieae
2eit i8t vielleicht die geeignetate kür den uner-
betenen 8at einer Lun8t2eit8ckrift; ^a, eine
aolcke würde eine ideale Dllickt ver8äumen,
wenn 8ie nickt den IVlund 8ick 2U verbrennen
dann ent3cblo38en wäre.
80 übnlicb duckte der 8ckreiber die8er teilen,
ul8 er 8ick durun gab, eine 7^uf8tellung Kün8t-
1eri3cker Weiknackt8ge8chenke 2u rnucken, um
wenig8ten3 in die8er De8t2eit dern 7^.N8ckein der
vielverrnis8ten Drücke 2wi8cken Lun8t und Volk
nuck 8einen Xräken 2u dienen, T^ber auch der
Unterfertigte i8t ein mangelhafter lVlenack, darin
fühlt er 8ick rnit 3einen woklverdiente8ten
Deinden einig. 80 fand er denn bald, dala 3eine
7^.uf3teI1ung einern durckuu8 2ufällig getlocktenen
8ieb gliche, in dern gan2 okne 8icktburen Qrund
ein paar Lörner 8tecken geblieben wären. 2war
fühlt er 8ick auf einigen Qebieten 2iemlick
8icker, aber wenn er auf anderen eben8o 8ickere
Deute 2ur 7^u8wakl hätte 2ubitten wollen, urn der
Qe8arntauf8te11unA einen 2uverlä88igen Lkarakter
2U geben, wie e8 M 8on8t 8ckon geackiekt, würde
er vielleicht 3ekr bald in den großen Weiknackt8-
katalogen ein lVlu8ter der Vollatändigkeit gefunden
Kaden, da3 er dock nickt erreichen konnte.
80 Kat er 8ick denn für wenige gan2 2ufällige
7^uf3erungen 8eine8 per8önlicken Oeackmacka
ent8ckieden.
Der er3te dieaer al8o 2ufälligen 8at8ckläge
gebt an die 7^ri8tokratie der Weiknackt8märktler
an die 8ilderkäufer: Wokl i8t e8 eine durch
KÖ8e Erfahrungen begründete Vorsicht, bei 8ilder-
ge8ckenken den eigenen Oe8ckmack etwa8 2U
unterdrücken, e3 i8t nur auffällig, data da8 rnei8t
nach der bö8en 8eite kin ge8ckiekt. lVlackt aick
da nickt eine allgemeine lVlif8acktung der lVlit-
rnen8ckkeit bernerkbar, die gerade 2um De8t
der Diebe doppelt unpa88end i8t? Oewif8 wäre
68 verfehlt, einern 8anften Dkurnann-8ckwärrner
2. 8. den verlorenen 8okn von 81evogt ina Hau3
2U ackicken: aber alle, die 2U Weihnachten rnit
8üf8en Verkaufabildern — und wer kennt nickt
deren Indu8trie — ihre Dreunde und Verwandten
bedenken, macken 8ick einer gewißen Dock-
atapelei oder noch eine8 8cklimmeren ackuldig;
denn entweder 8ie bekennen 8ick 8elb8t damit
2u der fal8cken Ware und wollen nur da8
koke Dferd der Lun8t reiten, oder 8ie kalten
8ick bewuf8t mit ihrem be33eren Oe8ckmack
Zurück, und dann giebt 68 nickt8, wa8 8ie ent-
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8ckuldigt; denn wenn 8ie ihre lVlitmenacken für
ungebildet kalten in Kün8tleri3cken Dingen,
warum 8ckenken 8ie nickt vergoldete Jagdgewehre,
Automobile oder andere Dinge von lVlaterial-
oder prakti3ckem Wert, 8tatt 8ick an der Xunat
2U ver8ündi'gen?
7^180 auf deut8ck: 8ilder 2U 8ckenken i8t
eine Lkre, die 8ick niemand unberechtigt, d. k.
okne Qe8ckmack und Aufrichtigkeit, 2ulegen
8o11; 63 8ei denn, daf3 er 8ick freimütig und
klüglich eine3 berufenen 8atgeber8 bedient.
Vielleicht haben 63 un8ere Lün8tler dock um
ihr Volk verdient, daf8 8ie Weihnachten ein
bif8cken ern8tkafte ILunatliebe 8eken.
7^.uch dann, wenn 68 8ick nickt gleich um
Originalwerke, aondern nur um Wiedergaben
handelt. Welchen Lun8tgenief8er überläuft 68
nickt warm, wenn er unvermutet in einer
Damilie 2. 8. eine der 8ocklinmappen
(8ruckmann, lVlüncken) findet. Da8 acköne
Werk mag hier an erater 8telle genannt werden,
weil 68 gewi83ermal8en ein klniver8alge8ckenk
der Deut8cken i8t: grollte deut8cke Xunat und
dennoch durckau8 in IVlode. Daa i8t ein Olück8-
fall, der bei keinem andern deutschen IVlaler
2Utrikkt. Wo man damit leklgekt, Kat man ein-
fach daa Debiet de8 gebildeten lVlenacken über-
ackritten.
Dem entgegen 8ind die mei8ten andern
8ammelwerke der dlackbildung 2umei3t nur 2U
empfehlen, wenn man ihre viel8eitige Dar-
bietung 2ur 7^.u8wakl für be8ondere Neigungen
nimmt. 8elb3t die „Hundert Dauptblätter
grapki8cker Lun8t" (Verlag Diacker L Dranke,
8erlin) können auk unbedingte Anerkennung nur
bei dem eigentlichen Lunatlreund rechnen. Der
mag vielleicht da8 eine 81att vermi88en oder
daa andere überllüaaig knden. ^edenfall8 wird
er keinen Augenblick 2Ögern, da8 Oan26 al8 ein
g1än2ende8 8ei8piel moderner Druckkun8t 2u
begrüfaen. T^lte Wunderblätter der graphi8cken
Lun8t 8ind 30 treu in Druck und Dapier nack-
gebildet, dafa 8ie nur dem T^uge de8 Xenner8
8ick unter8ckeiden, und auch diebem noch meiat
den unverminderten Oenufa de8 Original8 ge-
währen. Öbertrokken werden die Hundert Dlaupt-
blätter eigentlich nur von den getreuen black-
bildungen alter 8and2eicknungen au8 der 8ruck-
mann8cken Dichtdruckan8ta1t. T^ber die 8owokl
wie alle früheren blackbildungen (2. 8. der
Deick8druckerei) 8ind weitau8 Ko8t8pieliger ala
8ie. Da8 ein2elne 8latt der Dundert Dauptblätter
im Dormat von Zi cm 2U 42 cm, alao durckau3
auch 2um intimen Wand8ckmuck geeignet,
koatet 25 Dfg., da8 gan26 Werk 25 IVlk. 7^18
delikate8 Oe8ckenk für einen in Lunatdingen
nickt gan2 ungebildeten lVlenacken wüldte ick

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