Beck, Paul A. [Hrsg.]
Schwäbisches Archiv: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Literatur, Kunst und Kultur Schwabens — 27.1909

Seite: 121
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eine Axt aus der Schulter, in silbernem Feld.
Verschiedene Köpse und Figuren.
In Feld 5: Inschrift: Udalricus Tod Abt
des würdigen Gottshauses zuo Jsne. 1557.
Nebst Wappen: Totenkopf. Darüber strahlende
Sonne, Engelsgestalten, Landschaft, verschiedene
Köpfe und biblische Darstellungen (z. B. Judith
mit dem Haupt Holofernes).
Viertes Fenster: in Feld 1: Die Apostel:
Petrus, Andreas, Jakobus, Johannes, Philip-
pus, Bartholomäus. Jahreszahlen: 1674.
In Feld 2: Wappen (Kempten'sches) mit
Umschrift: Georgius Baro in Grafenegg Abb.
Mon. Lawxiäorwnsis 1557. Darüber: die
Apostel Judas, Thaddäus und Matthias; oben
in der Mitte: Gottesmutter mit Jahrzahl 1577:
oben in der Ecke links: Kopf des Apostels Phi-
lippus mit Jahrzahl 1612.
In Feld 3: Waldburg-Sonnenberg'sches
Wappen mit Umschrift: Sunenberg. Darüber:
ein Allianzwappen (weiß.schwarzer Schild des
einen, das andere: halb goldenes, halb blaues
Einhorn in resp. blauem und goldenem Feld)
mit Inschrift: Wolfgang Settelin und Madalena
Ossenrottin seine Ehefrau. 1615. Neben (in der
Ecke oben links): eine befestigte Stadt an Fluß-
ufer, im Vordergrund verschiedene Personen.
In Feld 4: Wolkenstein'sches Wappen mit
Unterschrift: Elinora Gräfin zu Montfort ge-
borne Freye von Wolkenstein. 1521. Darüber:
Christus am Kreuz und die 2 heiligen Frauen.
In Feld 5: Inschrift: Jakobus Hyetlin
Lonstanlisnsis Uooupsrator Lnno salatis 1582.
Das zugehörige Wappen ist herausgebrochen.
Darüber oben in der Mitte: Hl. Dreifaltigkeit,
unter dieser rechts ein betender knieender Mann
mit Rosenkranz, links äito eine Frau.
Das sonst so kunstreiche Schloß Wolfegg,
der Stammsitz der fürstlichen Linie Waldburg-
Wolfegg-Waldsee, ist arm an Glasgemälden,
von welchen nur 2 Wappenscheiben, über welche
keine nähere Auskunft zu erlangen war, vor-
Händen sein sollen; eine Reihe derartiger Stücke
soll vor Jahren durch einen Sturm vernichtet
worden sein.
Der bekannte Altertumsforscher Dav.
Fried. Gräter (1768—1830) meint zwar
zu Anfang des vorigen Jahrhunderts,
es werden wenig (?) Kirchen von eini-
ger Bedeutung im Lande anzutreffen
sein, welche nicht zum wenigsten Über-
reste alter Fenstergemälde aufzuweisen
haben. Träfe dies zu, so müßten manche
Werke dieser Kunst noch in den ersten
Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts
abhanden gekommen sein. Das Wenige,
was uns aber von dem früheren Reich-
tum noch geblieben, ist meist heute noch
von einer Helligkeit, Durchsichtigkeit und
ausdauerndster Haltbarkeit der Farben,
daß die mehrsten Stücke, obschon als
Fensterscheiben Jahrhunderte lang aller
Witterung preisgegeben, in den Farben

noch so lebhaft feurig und frisch sind,
wie wenn sie erst gestern gemalt worden
wären.
Das
Aapuzinerkloster in riavensburg.
Von I>. Peter B. Zierler in Bregenz.
(Fortsetzung.)
D^^ieOrdens-Annalen') lassen im Gegen-
satz dazu die Grundsteinlegung erst
1627 geschehen,was aberwahrscheinlich nur
eine Verwechslung mit der Angabe des Klo-
sterbaubeginnes ist. — Haydenhofer?) er-
wähnt die Grundsteinlegung in seiner
Chronik überhaupt nicht, sondern berichtet
nur, daß 1625 das Kreuz auf der Kup-
pelau aufgerichtet wurde. — Im Geo-
graphisch-Statistisch-Topographischen Lexi-
kon von Schwaben heißt es;3) „das dritte
Kloster außer der Stadt war ein Kapu-
zinerkloster, das 1626 gestiftet wurde".
— Auch die Archivakten stimmen nicht
überein. Am 4. Oktober 1625, heißt es
in der einen Nachricht,wurde der Be-
zirk des Kapuzinerklosters ausgesteckt, am
5. Oktober in feierlicher Prozession das
Kreuz aufgerichtet und der erste Stein
gelegt, und ist „von ?. üombolcko ?a-
trioio ftuguLtmio inoimcfto Wom-
Aurtonso ain herrliche Predig Vf der
freyen Kuplen vnder ainem vfgerichten
gezelt vnd Canzel bey ainem Schönen
tag, in beysein viler Grafen, Herrn,
Edel vnd VnEdel, sambt einer grossen
Meng Volkh solomnissimo gehalten
worden". In einer andern Nachrichts)
aber wird behauptet, am 3. Oktober 1625
sei der Platz in Anwesenheit des evan-
gelischen Rates ausgezeichnet worden, am
4. habe man das Kreuz gesteckt und am
5. sei der Platz durch den Prälaten von
Weißenau eingeweiht worden. — Hin-
sichtlich der Kreuzerrichtung ist jedenfalls
der erstere Bericht zuverlässiger, da doch
nach kirchlicher Praxis zuerst der Bau-
platz geweiht und dann erst das Kreuz
1) ?. Lilvostsr a Nsäiolano: Lnualos 6a-
pueinorum, Mailand 1737. S. 492.
2) Haydenhofer: Chronik (Stadtarchiv in
Ravensburg).
ft Geograph. Statist. Typograph. Lexikon
v. Schwaben: Artikel Ravensburg.
ft Stadtarch. Rav., Sch. 55, L. o. F. 1975a 38.
ft Stadtarch. Rav., Sch. 55, L. e. F. 1975b.
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