Zeitschrift für christliche Kunst — 3.1890

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1890.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. I.

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nahm, gaben Kaiser Friedrich 1]I. und die an-
deren Fürsten, die mit ihm nach Köln gekommen
waren, ihrer Freude darüber und ihrem Danke
gegen Gott auch durch den Eintritt in die
Rosenkranz-Bruderschaft Ausdruck, welche sie
am ersten Jahrestage ihrer Wiedererrichtung
durch eine grofse öffentliche Feier verherrlichten.
Zur Erinnerung an dieses Fest scheint der da-
malige Prior Jakob Sprenger, der auch die
Statuten der Bruderschaft verfafst hatte, das
vorliegende Bild bestellt zu haben, welches
Gelenius a. a. O. eingehend beschreibt. Nach
ihm ist .,sub dextera pallii tensa" dargestellt
Pontifex Sixtus IV (der damalige Papst), „pone
Legatus suus Alexander" und „Eleclor Episco-
pus"! adstat Clericus, tum Dominicanus, demum
Clericorum, Monachorum, Moniali umque pro-
miscua turba". „Sinislrum Divae latus", so
heifst es weiter, „claudit primo Imperator Fri-
dericus III sunt Leonora Imperatrice Augusto-
que filio Maximiliano 1. Inde quasi Princeps
Elector, post clari obscurique, viri feminaeque"
etc. Der heilige Dominikus mit der Beischrift:
„diligite, salutate" steht zur Rechten der Gottes-
mutter, zu ihrer Linken mit der Legende: „Cha-
ritas maneat" der heilige Märtyrer Petrus von
Mailand, Patron der zur Dominikanerkirche
gehörenden Brauergilde, die vielleicht zu den
Kosten der Anfertigung dieses Bildes einen Bei-
trag geleistet hat.

Die Ausführung ist ohne Zweifel bald nach
Abhaltung der oben erwähnten Feier erfolgt,
also im Jahre 1476, auf welches auch die ganze
Behandlung des Bildes, namentlich das Kostüm-
liche desselben hinweist. Damit ist eine Da-
tirung gewonnen für die Thätigkeit des Kölner
„Meisters von St. Severin", für welchen Scheib-
ler (»Die hervorragendsten anonymen Meister
und Werke der Kölner Malerschule von 1460
bis 1500«, S. 50) dasselbe in Anspruch nimmt.
Die Vergleichung dieses Bildes mit dem in
Bd. II, Spalte 309 und 310 dieser Zeitschrift
veröffentlichten, wird dieselbe Hand erkennen
lassen. Das letztere zeigt (vielleicht wegen seiner
viel besseren Erhaltung bezw. geringeren Re-
touchirung) den überaus fruchtbaren Meister nur
noch als feineren Koloristen, während das erstere
ihm mehr Gelegenheit bot seine Fähigkeit in
der Nachahmung der Natur, besonders des Ge-
sichtsausdruckes zu bekunden. Gerade in den

beiden Seitengruppen der abgebildeten Schütz-
linge, die er nach der Natur zu malen vermochte,
zeigen einige eine so lebendige Auffassung der-
selben, ein so charakteristisches Gepräge, dafs
seine Meisterschaft auch in dieser Hinsicht hohe
Anerkennung verdient. Seine Vorliebe für das
Stoffliche bewährt er auch hier in den reichen
Musterungen einzelner Gewänder wie der Tep-
pich-Hintergründe, die das Granatapfel-Muster
in den mannigfaltigsten Abwandlungen zeigen.
Auch die einzelnen Beigaben, wie Rosenkränze,
Schmuckstücke, Stäbe, Schwert, Dolch (in der
Brust des hl. Petrus) u. s. w., sind mit grofser Sorg-
falt durchgeführt. Sehr sinnig sind zu Häupten
der Gottesmutter, von zwei fliegenden Engeln
gehalten, übereinander drei sich verjüngende
Reifen angebracht, welche aus abwechselnd
rothen und weifsen Rosen gebildet sind.

Die ursprüngliche Gestaltung des Bildes,
dessen Paneele aus mehreren Stücken nicht
gerade geschickt zusammengesetzt sind, läfst
sich mit Sicherheit nicht mehr bestimmen. Die
beiden Seitenpaneele erreichten nämlich bis zur
letzten vor etwa einem Jahrzehnt vorgenommenen
Restauration nicht die Höhe des Mitteltheiles,
welches früher noch etwas höher gewesen zu
sein scheint, so dafs eine Art von Treppengiebel,
vielleicht in etwas geschwungener Form, den
ursprünglichen Abschlufs gebildet haben dürfte.
Auch sind die beiden Seitentafeln auf der Rück-
seite mit zwei, wohl die hl. Katharina und Cäcilia
darstellenden (stark beschädigten aber nicht über-
malten) Standfiguren versehen, während das Mittel-
feld unbemalt geblieben ist. Diese Eigenthüm-
lichkeiten legen die Vermuthung nahe, dafs das
Bild auf dem Seitenaltare der alten Dominikaner-
kirche (aus welcher es nach deren Aufhebung in
die benachbarte Andreaskirche übertragen wurde)
frei gestanden hat, in der Mitte aber durch einen
anderen Gegenstand verdeckt wurde, vielleicht
durch eine architektonische Anlage.

Zahlreiche und dankbare Motive bietet das
schöne Bild der heutigen kirchlichen Kunst,
welcher die Verherrlichung des Rosenkranzes
wie durch die angelegentlichen Empfehlungen
und Privilegirungen des gegenwärtig regieren-
den Papstes, so durch die frommen Neigungen
und Bedürfnisse des katholischen Volkes beson-
ders nahe gelegt ist.

S c h n U t g e n.
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