Zeitschrift für christliche Kunst — 3.1890

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1890.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 10.

328

Bücherschau.

Münzenberger's Altarwerk (in dieser Zeit-
schrift wiederholt, zuletzt Band II, Sp. 3ti4 besprochen)
hat in der kürzlich erschienenen VIII. Lieferung den
Abschlufs des I. Bandes erreicht. Dieselbe beschreibt die
hervorragendsten spätgothischen Altaraufsätze, welche
sich in der Provinz Sachsen, in den kleinen sächsischen
Fürstenthümern, in Braunschvveig, Königreich Sachsen,
Brandenburg und Schlesien erhalten haben. Die ein-
gehende, 47 Folioseiten umfassende Beschreibung liefert
in Bezug auf die Gestalt und Behandlung, das Materia!
und die Polychromirung, namentlich in Bezug auf die
Bilder, ihre Auswahl und Anordnung die allerschätzens-
werthesten Beiträge und damit die glänzendsten Belege
für die zahlreichen und herrlichen Blüthen, welche die
kirchliche Kunst auch auf diesem Gebiete der Schnitze-
rei und Malerei noch am Ausgange des Mittelalters in
Norddeutschland getrieben hat. Zehn ganz vorzügliche
Lichtdrucktafeln sind dieser Lieferung beigegeben, Ab-
bildungen von prachtvollen Altären und Altärchen, ge-
malten wie geschnitzten, welche vom Schlufs des XIV.
bis in den Anfang des XVI. Jahrh. aus nord- und süd-
deutschen Schulen hervorgegangen sind, herrliche Ge-
bilde, welche sehr geeignet sind, zu erfreuen, zu erbauen,
zu belehren, als Vorbilder zu dienen.

Dem unermüdlichen, weil für seine Aufgabe hoch-
begeisterten Verfasser ist sein Altarwerk unter der Hand
derart gewachsen, dafs die nunmehr vorliegenden acht
Lieferungen, auf welche das ganze Werk veranschlagt
war, erst die Hälfte desselben bilden. Die zweite Hälfte
soll den Altarbau zur Darstellung bringen, wie er sich
in der spätgothischen Periode in Suddeutschland, Elsafs-
Lothringen, Schweiz und Oesterreich, sowie in Flandern
entfaltet hat, insoweit letzteres zahlreiche Altar-Aufsätze
in Deutschland eingeführt hat. Eine vollständige Sta-
tistik aller noch in Deutschland vorhandenen mittelalter-
lichen Altäre soll den II. Band schliefsen.

Möge es dem Verfasser vergönnt sein, diesen
Schlufs bald zu feiern! Möge er sich von den über-
mäfsigen, ja übermenschlichen Anstrengungen, welche
ihm auch diese Nebenarbeit auferlegt hat, bald so
gründlich erholen, dafs er mit neuer Kraft dieser Auf-
gabe sich widmen kann, der nur seine Kenntnisse,
sein Eifer, seine Mittel gewachsen sind!

Rd.

Die altchristlichen Bildwerke im christlichen
Museum des Laterans, untersucht und beschrie-
ben von Johannes Ficker. Gedruckt mit Unter-
stützung des kaiserlich deutschen archäologischen
Institutes. Mit 2 Tafeln und 3 Abbildungen im
Texte. Leipzig 1890, Verlag von E. A. Seemann.
Das christliche Museum im Lateran, welches für
altchristliche Skulptur und Epigraphik das bedeutendste
der Welt ist, wurde von Pius IX. angelegt, welcher
die namentlich von Benedikt XIV. gesammelten Reliefs
mit vielen späteren Funden zu einer einheitlichen Samm-
lung vereinigen und von P. Marchi und de Rossi dort
aufstellen liefs. Während die christlichen Inschriften
dieser Sammlung von de Rossi in seiner Schrift: »II
museo epigrafico cristiano Pio-Lateranense« in 24 photo-
graphischen Tafeln mit kurzen Erläuterungen herausge-

geben wurden, wurde ein genauer Katalog der Skulptur-
werke schmerzlich vermifst. Diesem Mangel ist durch
vorliegende Schrift nunmehr auch in einer Weise abge-
holfen, welche dem Verfasser den Dank nicht nur der
Besucher dieses Museums, sondern aller Freunde der
christlichen Archäologie und der christlichen Kunst
sichern wird. Die Beschreibung der einzelnen Werke
ist eine sehr genaue und hebt auch bei den restau-
rirten Skulpturen besonders hervor, was ursprünglich
ist. Von grofsem Interesse ist auch die Angabe der
Spuren von alter Bemalung auf einer Anzahl Reliefs,
welche nicht nur für Rom, sondern auch für das übrige
Italien und Sicilien, sowie für Südfrankreich und Spanien
nachgewiesen wird. In den Werken der früheren Zeit
wurden gewöhnlich nur die Umrisse in meist hellrother
Farbe leicht nachgezogen, um das Relief stärker her-
vortreten zu lassen; aufserdem finden sich öfter nur
noch im Gesichte, namentlich an den Augen und am
Munde die farbige Unterstützung der Formenzeichnung.
Im Gesichte ist die farbige Zeichnung um so ausge-
führter, je gröfser die Verhältnisse sind. Die ausge-
führtere Behandlung, bei der man sich auch meistens
nicht mit einer Farbe begnügte, ist für die Monumente
des IV. Jahrh. (auch heidnische) die übliche gewesen,
wobei regelmäfsig der Maler nicht allein den Linien des
Bildhauers folgte, sondern auch selbstständig zeichnete.
— Der Schrift sind vier genaue Register beigegeben, da-
runter ein Verzeichnifs der Abbildungen, sowohl der Zeich-
nungen, als der in Büchern und einzeln veröffentlichten.
Köln. ___________ A. Heuser.

Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Von
Prof. Dr. P. L eh fei dt. Heft VII: Herzogtb. Sachsen-
Meiningen, Amtsgerichtsbezirke Kranichfeld und
Camburg. Mit 7 Lichtdrucktafeln und 43 Abbil-
dungen im Texte. Jena 1890, Verlag von G. Fischer.
In dem Bezirke Kranichfeld erregt das gleichna-
mige, sehr malerisch gebaute und gelegene Fruhrenais-
sance-Schlofs mit seiner romanischen Kapelle das meiste
Interesse als Bauwerk, der spätgothische „Kirchstuhl"
der dortigen Pfarrkirche als Möbel. Da eine Füllung des
letzteren das Brustbild des Psalmisten zeigt, so wird es
wohl nicht den Leviten, sondern den Vorsängern als Sitz
gedient haben. — Der Bezirk Camburg weist noch
mehrere kleine, aber interessante romanische Kirchen auf,
von denen die Leislauer am merkwürdigsten ist. Auch
an eigenthümlichen spätgothischen Anlagen fehlt es
nicht. — Die Ausbeute an Kleinkunst-Gegenständen
ist in keinem der beiden Bezirke von besonderer Be-
deutung. __________ S.

Die Figuren-Grabmäler Schlesiens. Inaugural-
Dissertation von Dr. Paul Knötel. Kattowitz 1890.
Diese kleine fleifsige und verdienstliche Studie
liefert theils aus eigener Anschauung, theils aus der
Litteratur gewonnenes Material in grofser F'ülle über
eine Denkmäler-Gruppe, welche allerorts der Unter-
suchung ebenso bedürftig als würdig ist. Eine noch
systematischer durchgeführte Anordnung würde die
Uebersichtlichkeit erleichtern. H.
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