Zeitschrift für christliche Kunst — 3.1890

Page: 249-250
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1890.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

Nr. 8.

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4. Seiden-Kartech. Ein orientalischer Seiden-
stoff mit Goldbrochirungen ist Nacho.

5. Damast, weifs, grün, violett, mit Gold, rothen
Rosen, goldenen Löwen; weifser Damast mit
Vierecken gemustert (lesselatum); rother Da-
mast mit eingewebten goldenen Blumen.

6. Atlas, blau, roth, rother Halbatlas.

7. Brokat, roth- oder dunkelgelb ffulvus), vio-
lett, dunkelgelb mit weifsseidenen Blumen,
Brokatell (Halbseide).

8. Sammet, schwarz, weifs, grün, roth, dunkelroth
(aus Belgien), roth und geblümt, violett, grün
mit rothen und blauen (caeruleis) Blumen,
blau, blau und gelb, fleischfarbig, golddurch-
wirkt, velutum variegatumflorisaium, Halb-
sammet, blau und gelb. Sammet ist auch
das oft vorkommende Axamit, ital. sciamito.

9. Goldstoffe, tela aurea, „gülden Stück"; „gül-
den Stück gestreift" (Königsberg); „blau gül-
den Stuck mit Vogelin", mit Schiffen (Königs-
berg) ; casula aurea mit rother Seide „inter-
polata"; casula de filo aureo rubel colorls
(Frauenburger Dom); blau, grün oder roth
gülden Stück (Königsberg).

io. Tela argcntea.

n.Kemmich in allen Farben, sehr häufig: weifs
mit Blumen „instar sericei damascl", blau,
phönixfarbig mit eingewebten Blumen wie
Seidendamast (Braunsberg); roth und gold-

durchwirkt und mit goldenen Thürmen (effi-
giata), mit goldenen Vögeln, Greifen, Hir-
schen, Hunden, Blumen (Elbing); blau mit
Gold durchwirkt (aurophilana); „alte güldene
Kemmichkasel, desgl.strohgoldene" (Elbing);
rother und gelber Seidenkemmich (Elbing);
roth mit grünen Blumen, fleischfarbig.

12. Rasch (geköperter Wollenstoff), rasum: al-
bum cum passamanIs aureis (Dom Frauen-
burg), caeruleum cum tcxtura effiglata (Gut-
stadt); semirasum.

i3.Zara (?). 14. Forsat (?).

iS. Schamlot: eine weifse Kasel mit eingewebten
Bildern (Dom Frauenburg).

16. Dirdumdey, Zitrin, Zain, Halbzain, Samlet,
Polimita (?).

17. Ormesin, leichter Seidenstoff, als Futterstoff,
aber auch zu Kasein verwendet (cum iex-
luris aureis, Gutstadt).

18. Zindel oder Zendel, ein feines Leinengewebe
(oder geköpertes Seidengewebe?).

19. Tuch (pannus), sehr häufig und in allen
Farben, einmal weifs mit schwarzem Kreuz;
erwähnt wird pannus Lundensis (Heilsberg).

20. Leinenstoff, grob oder fein (subtilis), einmal
weifs mit grünem Kreuz pro quadragesima
(Braunsberg). 2i.Harras, Harrisch.

22. Kartech (Kattun). 23. Undulatum (?).

Braunsberg. Dr. Fr. Dittrieh.

Entwurf zu einem Kaselkreuz nebst Stolen in Aufnäh-Arbeit.

Mit Abbildung.

ür einfache, rein ornamentale
Stickereien, die zur Verzie-
rung kirchlicher Gewänder
als Kreuze, Stäbe, Borten etc.
sich eignen, fehlt es fast ganz
an mittelalterlichen Vorbil-
dern, zumal aus dem Bereiche
der Applikations - Technik,
welche sich ihrer leichteren
Ausführbarkeit wegen beson-
ders empfiehlt. Zwar hat das
Mittelalter die in der Re-
naissance-Epoche, namentlich
in Italien und Spanien so
beliebten, auch jetzt vielfach wiedereingeführten
Aufnäh-Arbeiten nicht ganz vernachlässigt Für
rein dekorative Zwecke, für welche sie sich ja
auch vornehmlich eignen, scheinen sie aber

damals viel mehr verwendet worden zu sein,
als für feinere, dem liturgischen Gebrauche
unmittelbar dienende Gegenstände. Denn, was
sich an bezüglichen Beschreibungen, besonders
in alten Schatzverzeichnissen findet, betrifft in
der Regel Behangstücke und profane Gewänder,
selten Paramente. Fast gar nichts hat sich an
derartigen Applikations-Arbeiten aus dem frühen
Mittelalter, nur Weniges aus der gothischen
Periode erhalten. Zu dem Lehrreichsten dieser
Art gehört ein kleiner Behang, der sich im
Dome zu Xanten befindet und demnächst hier
im Anschlüsse an eine photographische Ab-
bildung besprochen werden soll.

Wenn es sich daher um Vorlagen für kirch-
liche Stickereien in der Applikations-Technik
handelt, welche heutzutage von den Paramenten-
vereinen, bezw. ihren zahlreichen, aber selten
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