Zeitschrift für christliche Kunst — 3.1890

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1890. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 2.

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Konkurrenzentwurf zu der Herz-Jesu-Kirche in Köln von A. Tepe in Utrecht.

Mit 7 Abbildungen.

Möbeln Sache des Bildhauers, mit Wand- und

ie Aufgabe, zum Neubau einer dem
heiligsten Herzen Jesu zu weihen-
den Pfarrkirche in Köln Pläne
einzureichen, hat acht zum Wett-
bewerbe eingeladene Architekten verlockt, nach-
dem die beiden aufserdem noch dazu berufe-
nen Baumeister Richter in Bonn und Hertel
in Münster zwischenzeitlich der Tod abberufen
hatte. Sehr verlockend war die Arbeit, insofern
es sich um die Einreihung eines neuen Gliedes
in die unvergleichliche Kette der alten köl-
nischen Kirchen handelte, viel weniger, insoweit
für diese Pfarr-Kirche Pfeilerstellung um den
Hochaltar verlangt wurde, in auffallender Ver-
kennung ihrer Aufgabe, am allerwenigsten da-
durch, dafs weder Preise noch Honorare aus-
geschrieben waren, obwohl Skizzen (?) im
Mafsstabe von 1: 100 begehrt wurden. Das
Ergebnifs dieser Konkurrenz, welches in dem
Ankaufe von zwei Plänen zu je 1000 Mark
besteht, ist längst durch die Tagespresse be-
kannt geworden. Auch dem Publikum hat es
an Gelegenheit, sich über die Pläne ein Urtheil
zu bilden, nicht gefehlt. — Wenn aus den-
selben einer herausgegriffen wird, um hier ab-
gebildet und beschrieben zu werden, so bieten
Veranlassung dazu nur dessen Vorzüge, welche
der Aufmerksamkeit der prüfenden Jury eini-
germafsen entgangen zu sein scheinen, wie sie,
Dank der ungünstigen Beleuchtung, auch bei
ihrer öffentlichen Ausstellung, sogar von Seiten
mancher Sachverständigen, die verdiente Be-
achtung nicht gefunden haben.

Es handelt sich um den Plan von Alfred
Tepe in Utrecht, dem Baumeister zahlreicher
Kirchen in Holland, die sich an die besten
mittelalterlichen Vorbilder anlehnen, aber durch-
aus selbständig und originell in der Durch-
führung sind; einfach und klar in der Anord-
nung, lebendig und reizvoll in der Gruppirung,
konsequent und organisch im Aufbau, sinnvoll
und praktisch in der Einrichtung. Alle diese
Eigenschaften zeichnen in hohem Mafse auch
den vorliegenden Entwurf aus, welchen der
Meister selber des Näheren erklären und be-
gründen wird, insoweit es sich um die Archi-
tektur handelt. Auf diese pflegt er sich näm-
lich zu beschränken, von dem Grundsatze aus-
gehend, dafs die Ausstattung derselben mit

Glasmalereien Sache der betreffenden Maler ist.
Nur diese Theilung der Arbeit sichert den
einzelnen Gruppen wie der Künstler, so der
Kunstgegenstände ihr Recht; nur auf diesem
Wege können beide in ihrer Eigenart sich ent-
falten und zur Blüthe gelangen. In dem vor-
liegenden Falle hat der Bildhauer Willi. Men-
gelberg in Utrecht, der schon so manches
Gottes-Haus von Tepe für den Gottes-Dienst
eingerichtet hat, in den Plan des letzteren die
Möbel hineinkomponirt, die ihm erst Bedeutung
und Leben geben. Eine eigene in gröfserem
Mafsstabe reproduzirte Zeichnung gibt von dieser
warmen und anmuthigen Ausstattung ein Bild,
dessen nähere Beschreibung der Künstler selber
besorgen wird. Der Herausgeber.

Erklärung des Planes.

Beim Entwerfen und Ausarbeiten des vor-
liegenden Planes war es das Bestreben des Ver-
fassers, den Forderungen des vom Herz-Jesu-
kirchen-Bauverein aufgestellten Bauprogramms
nachzukommen und doch die Unzuträglichkeiten,
welche die Erfüllung dieser Forderungen leicht
nach sich ziehen konnte, möglichst zu vermeiden.
Das Programm wünscht eine grofsartige Chor-
entwicklung und eine Säulenstellung um den
Altar herum: also mehr oder weniger eine Ka-
thedralenanlage mit Umgang und Kapellenkranz,
wohingegen der lichte Raum der Kirche, ein-
schliefslich Thurm und Chor, höchstens 1200 m
betragen soll.

Um dem hier so nahe liegenden „Zuviel"
zu entgehen, wurde der einfache Chorschlufs
aus dem Achteck gewählt, der Kapellenkranz
mit dem Umgang sozusagen verschmolzen, so
dafs beide zusammen die Breite der Seiten-
schiffe nicht überschreiten.

An diesen kapellenartigen Umgang schliefst
sich südlich die achteckige gewölbte Sakristei
mit Vorhalle. Darüber befindet sich, wie die
Choransicht zeigt, eine geräumige, gleichfalls
gewölbte Schatz- und Paramentenkammer und
darunter ist der Keller vorgesehen; zu beiden
führt von der Vorhalle aus eine Treppe. Die
Verbindung der Sakristei mit der Kirche ist
durch den Vorraum gedacht, kann aber auch
unmittelbar hergestellt werden.
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