Zeitschrift für christliche Kunst — 3.1890

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1890. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

Nr. 8.

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tüchtig vorgebildeten Mitgliedern mit Recht sehr
begehrt werden, so stehen alte, direkt verwend-
bare Muster romanischen oder gothischen Stiles
nicht zur Verfügung. Wir sind also hier auf
neue Entwürfe angewiesen, die gerade defs-
wegen, weil die Alten uns nur so spärliche
Anhaltspunkte für derartige Arbeiten zurück-
gelassen haben, keine leichten Aufgaben sind.
Ich habe mich defswegen, um solche zu ge-
winnen, an den erfahrensten Meister auf diesem
Gebiete, Maler Alex Kleinertz in Köln gewandt,
und bereits im I. Jahrgang dieser Zeitschrift
Sp. 345/46 eine Vorlage seiner Feder gebracht
mit eingehenden, die Ausführung betreffenden
Erklärungen und Anweisungen. Auf diese ver-
weise ich für die hier beigegebene Zeichnung,
welche in einem Kaselkreuze besteht mit drei

verschiedenen (das Monogramm Christi, eine
Krone und einen Dornenreif darstellenden) Vor-
lagen zur Verzierung des Kreuzmittels, sowie
in zwei Stolen, die auch als Kaselstäbe sowie
als Dalmatiken- oder Antependien-Borten be-
nutzt werden können. Wenn für das Kasel-
kreuz die einfache, dem Faltenwurf gewifs nicht
förderliche lateinische Form gewählt wurde, nicht
diejenige des Gabelkreuzes, welche mit der gothi-
schen Kaselform (deren Drapirung sie erheblich
begünstigte) verschwand, so hat das darin seinen
Grund, dafs diese Kaselform bisher nur wenig
Eingang gefunden hat und trotz aller ihrer Vor-
züge keine Aussicht bietet, die Zopfkasel zu ver-
drängen, zu der freilich die in mittelalterlichem
Stile gemusterten Stoffe und gestickten Kreuze
gar wenig passen. Schnütgen.

Einfache Kirchenbauten.

Mit 2 Abbildungen.

(II.)

Die dritte Skizze zeigt eine ungewöhn-
liche Anordnung, nämlich den Thurm zwischen
Chor-Absis und Kirchenschiff eingeschoben; eine
Anordnung, welche bei mittelalterlichen Land-
kirchen in Württemberg mehrfach vorkommt.
Am Rheine kenne ich nur ein Beispiel dieser
Gattung, das früher so malerische, bei dem
jüngsten Ausbau und der Renovation leider arg
mitgenommene Kirchlein zu Afsmannshausen.
In unserem Projekte dient der zwischengescho-
bene Thurm als Vorchor für die Kinderplätze.
Die Chor-Absis baut sich vor demselben fünf-
seitig vor. Das einschiffige Kirchenschiff, sowie
das Chor und Vorchor sind mit Kreuzgewölben
überwölbt; in dem ersteren sind die Strebe-
pfeiler eingebaut, an den Seitenwänden tiefe
Nischen bildend zur Aufnahme der Beichtstühle,
Seitenaltäre, Taufstein u. dergl. Die geräumige
Sakristei liegt auf der Südseite des Thurmes,
in direkter Verbindung mit dem Chore. Die
Kirche hat einen Haupt- und einen Seiten-
Eingang, beide mit Vorhallen versehen, sowie
eine gewölbte Empore, zu welcher die südlich
gelegene Wendeltreppe hinaufführt Aufser dem
in der vorgebauten Chor-Absis gelegenen Hoch-
altar ist in den östlichen Nischen des Schiffes
noch Raum für zwei Seitenaltäre. Das Schiff, das
Vorchor und die Orgelbühne enthalten 250 qm
Innenraum, d. i. nach Abzug des Platzes für die
Seitenaltäre, Beichtstühle und Orgel Raum für

Nr. 3.

Mafsstab 1 : G00.

Perspektivische Ansicht von Nordosten
und Grundrifs.
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