Zeitschrift für christliche Kunst — 3.1890

Page: 105-106
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Abhandlung-en.

Die Grabdenkmäler der Erzbischöfe

Adolf und Anton von Schauenburg

im Dome zu Köln.

Mit Lichtdruck (Taf. V im letzten u. VI in diesem Heft).

||ie beiden Lichtdrucktafeln des vori-
gen und des vorliegenden Heftes
zeigen die meines Wissens bisher zu-
sammen noch nicht veröffentlichten
Abbildungen der Grabdenkmäler, welche den
beiden Kölner Erzbischöfen Adolf und Anton
von Schauenburg im Dome zu Köln gesetzt
sind. Ursprünglich an der Mauer aufgestellt,
welche den Hochchor bis zum Jahre 1863 ab-
schlofs, wurden sie unmittelbar vor deren Nieder-
legung in die St. Stephanus- bezw. St. Engel-
bertus-Kapelle übertragen und an deren west-
licher Wand befestigt. Ueber ihren Ursprung
geben die Inschrifttafeln genaue Auskunft. Sie
lautet auf dem einen: ,.Reverendissimo domino
d. Adolpho archiepiscopo ac principi eleciori
Colon., sacri Romani imperiiper Ilaliam archi-
cancellario legatoque nato, Weslvaliae et Anga-
riae duci etc., ex illustri familia comiium a
Schauwenburgh oriundo, electo die 2p. Januarü
MDXLVII.,qui pie etprudenter archiepiscopatui
praefuit annos IX, menses II, dies XXV tan-
dcmque ultimum diem in domino clausit anno
AfDLVI. die XX. Septemb." — auf dem an-
deren : „Revereudissimo domino d. Ajitonio electo
ac confirmato principi eleciori Coloniensi, s. Ro.
imperii per Italiam Archicancellario legatoque
nato, Weslvaliae et Angariae duci ex illustri
familia comiium a Schauwenburgh oriundo.
electo anno MDLVI. die 26. Oclob. qui fratri
succedens inD. 'mino obdormivit anno MDL l 'IIf.
die 18. Junii, a/que praeventus morte fratri
justum monumentum erigere non potuit. uti
ceperat. Reverendissimus Ins. d. Gebhardus
elcctus Archiepiscopus prineeps elccior Coloniensis
dominis et affinibus suis cl/arissimis pielatis
ergoposuit anno Jßöi." Hieraus ergibt sich, dafs
der Bruder Anton seinem Vorgänger Adolf das
erstere Denkmal zu errichten angefangen hatte,
aber noch vor dessen Vollendung starb, so dafs

sein Nachfolger Gebhard von Mansfeld diese
besorgte und für ihn selbst ein ähnliches Monu-
ment, also das zweite, ausführen liefs. Auf diesem
erscheint er nur mit Röcklein, Baret und Chor-
mantel bekleidet (weil er vor der Konsekration
und Priesterweihe starb), während sein Bruder
Adolf die bischöflichen Insignien trägt.

Beide Epitaphien, als Gegenstücke behandelt,
zeigen dieselben Gröfsenverhältnisse, dasselbe
Material, dieselbe Anordnung, dieselbe Künstler-
hand. Die architektonischen Glieder sind aus
schwarzem, die Ornamente und Figuren aus
weifsem Marmor gebildet. —■ Der einfache,
durchaus klare und organische Aufbau ergibt
sich- mit hinreichender Bestimmtheit aus den
Abbildungen, welche die Photographie an diesen
mangelhaft beleuchteten Stellen nicht schärfer
wiederzugeben im Stande ist. Der Sarkophag
ist dem Aufbau sehr geschickt eingegliedert in
ähnlicher, nur viel reicherer Weise, wie an vier
Denkmälern derselben Zeit in der Hauptkirche
von Breda (abgebildet in: »La Renaissance en
Belgique et en Hollande« par Fr. Ewerbeck
Tafel 1, 2, 3, 4). Die auf dem Deckel ruhende
Figur, die freilich in ihrer Lage nicht mehr den
Ernst und die Würde der mittelalterlichen Grab-
figuren theilt, ist, wie alle figuralen Theile, vor-
trefflich ausgeführt in Bezug auf Bewegung, Falten-
wurf und den offenbar die Natur treu wieder-
gebenden Gesichtsausdruck. Die allegorischen
Statuetten die unten als Karyatiden, in der Mitte
als Nischenbilder, zuoberst als Bekrönungs-
figuren das Ganze beleben, werden an plastischer
Durchbildung nur noch von dem Relief über-
troffen. Dieses stellt auf beiden Monumenten
die Auferstehung des Heilandes dar, aber jede
in durchaus eigenartiger Gruppirung. Die sie
als Lisenen flankirenden Fruchtgehänge wie die
.formvollendeten Rankenfriese des Sarkophags
sind von reizender Wirkung und weisen bereits
auf die Spätzeit der Frührenaissance hin, wie sie
sich, im unmittelbaren Anschlüsse an italienische
Vorbilder, gleich nach der Mitte des XVI. Jahrh.
als Stein- und Holzskulptur in den Niederlanden
so glänzend entfaltete. Schnütgen.
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