Zeitschrift für christliche Kunst — 3.1890

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1890.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

Nr. 7.

22G

Nach

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e n.

Die „Vereinigung zur Förderung der
Zeitschrift für christliche Kunst"

hat ihre statutengemäfse Generalversammlung der
Inhaber von Patronatsscheinen am 18. Septem-
ber zu Bonn im Borromäushause unter dem Vorsitze
des Freiherrn Clemens von Heereman gehalten.
Zunächst wurde auf Grund der bereits vorgeprüften
Bilanzen des zweiten Jahres und vom ersten Semester
des dritten Jahres der Bericht über die Finanzlage
erstattet und den bezüglichen Referenten Decharge er-
theilt. — Sodann wurde die durch die Statuten für
den Ablauf jedes dritten Jahres vorgeschriebene Neu-
wahl des Vorstandes vorgenommen, der aus 20
von der Generalversammlung zu wählenden und 4 vom
Vorstand selbst, je nach Wunsch, zu kooplirenden Mit-
gliedern bestehen soll. Die 17 aus der letzten Wahl
noch verbliebenen Mitglieder wurden einstimmig wieder-
gewählt, an die Stelle der durch den Tod ausgeschie-
denen Herren Freiherr zu Franckenstein und Pfarrer
Schulz, sowie des freiwillig zurückgetretenen Herrn
Ehrendomherrn Dr. Schneider wurden die Herren Pro-
fessor Sehr od in Trier, Prälat Professor Dr. Simar
in Bonn, Domdekan Professor Dr. Thalhofer in
Eichstätt berufen; die 4 früher vom Vorstande koop-
tirten Mitglieder wurden durch Wiederwahl bestätigt. —
Zuletzt wurden in längerer Verhandlung die Aufgaben
der Zeitschrift eingehend erörtert und dem Heraus-
geber derselben in Bezug auf deren allseitige Lösung
die beifälligsten Urtheile ausgesprochen. Im Interesse
einer noch reichhaltigeren und glänzenderen Ausstattung
wurde die dringende Nothwendigkeit der Erweiterung
des Abonnentenkreises sehr bestimmt hervorgehoben
und dankbare Anerkennung der angelegentlichen
Empfehlung gezollt, welche auch die dies-
jährige Generalversammlung der Katholiken
Deutschlands zu Koblenz in Bezug auf die
Zeitschrift zum einstimmigen Ausdrucke ge-
bracht hat. Besonders wurde darauf hingewiesen,
dafs namentlich der Klerus berufen sei, die Zeitschrift
in viel ausgiebigerem Maafse als bisher zu unterstützen,
da sie sich die Vertretung der kirchlichen Kunst, zu-
mal nach ihrer praktischen Seile, in so hervorragender
wie zweckdienlicher Weise angelegen sein lasse.

Die Flügel des Hochaltars in der Minoriten-

kirche zu Köln,
welcher im II. Jahrg. dieser Zeitschrift Sp. 177 bis
182 eine eingehende, durch Lichtdrucktafel illustrirte
Beschreibung gefunden hat, sind nunmehr auch in
Bezug auf die bemalten Aufsenseiten hergestellt

worden. Dank der Geschicklichkeit, Sorgfalt und Aus-
dauer des Malers Batzem erglänzen sämmtliche acht
Felder, deren Darstellungen Anfangs nicht einmal zu
enträthseln schienen, wieder in der ursprünglichen
Frische. Bei genauester Prüfung und bei sorgsamster
Beachtung auch der geringsten Einzelheiten gaben sich
die vier figurenreichen oberen Füllungen als Szenen
aus dem Leben der hl. Jungfrau Maria (Geburt, Tem-
pelgang, Vermählung, Tod), die vier fast noch reicher
ausgestatteten unteren Felder als wunderbare Begeben-
heiten aus dem Leben des hl. Bischofs Nikolaus zu
erkennen. Obwohl die sporadischen Bruchstücke ein-
zelner Szenen kaum noch ein Fünftel der Gesammt-
darstellung ausmachten, ist es dennoch dem Künstler,
Dank der liebevollen Vertiefung in seine Aufgabe, ge-
lungen, den Zusammenhang in durchaus einheitlicher
Weise herzustellen. Wo hierfür die Bilder gar keine
Spuren mehr boten, wurden ähnlichen Darstellungen
derselben Schule und Zeit die bezüglichen Anhalts-
punkte mit vortrefflichem Erfolge entnommen. Auf
diese Weise ist ein sehr schätzenswerthes altes Altar-
werk, welches in Bezug auf seine bemalten Theile
schon früher, namentlich aber auf dem Transporte in
die Werkstätte des restaurirenden Bildhauers durch
Abblälterung sehr erhebliche Einbufse erlitten hatte,
zu neuem Leben erstanden. Eine höchst erfreuliche
Thalsache, zugleich eine eindringliche Mahnung, nicht
leicht an der Herstellbarkeit alter Bildwerke zu ver-
zweifeln, diese aber unter allen Umständen nur durch-
aus erfahrenen und mit Ehrfurcht für sie, also vor
Allem mit peinlichster Gewissenhaftigkeit in Betreff
ihrer Erhallung erfüllten Künstlern anzuvertrauen. Je
mehr diese ihre Aufgabe darin erblicken, dem ihnen
anvertrauten Kunstwerke bis in die kleinsten Details
die ursprüngliche Gestaltung wiederzugeben, um so
besser werden sie jene lösen, vorausgesetzt natürlich
die hinreichende, namenllich auch technische Befähi-
gung und Erfahrung. — Im vorliegenden Falle war
von sonst höchst kompetenter Seite, angesichts des
desolaten Zustandes der Gemälde, der Rath eilheilt
worden, auf den Versuch ihrer Wiederherstellbarkeit
zu verzichten, und die betreffenden Felder mit neu
bemalten dünnen Kupferlafeln zu bedecken, unter
denen die alten Reste erhalten bleiben sollten. Diese
hätten aber keine Erhaltung verdient, wenn ihre Er-
gänzung als ganz unmöglich zu betrachten gewesen
wäre. In diesem Falle hätten sie aufgegeben werden
dürfen und müssen, damit direkt an ihre Stelle, also
ohne Zuhülfenahme neuen und fremden Materials, neue
Gemälde hätten treten können, für welche gute alte
Vorbilder derselben Periode und Richtung nachzu-
ahmen gewesen wären. S.
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