Zeitschrift für christliche Kunst — 3.1890

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1890. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 2.

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nen Mensa stellen vor: Eva hält den todten
Abel im Schoofse, sowie Noemi beklagt den
Tod ihrer Angehörigen. Die Hatrptgruppe ist
von Flügelthüren umgeben, worauf Engel mit
den Leidenswerkzeugen gemalt sind.

Die Stationen sind unter den beiden grofsen
Transeptfenstern angeordnet und beginnen an
der Seite des Altars der schmerzhaften Mutter
Gottes.

Der untere Theil der Kanzel ist aus ver-
schiedenen Steinsorten zusammengesetzt und
enthält Figuren und Reliefs — das Geländer
ist von Eisen oder Kupfer. Schalldeckel,
Rücken, innere Bekleidung und Fufsboden sind
von Holz. Das Ganze soll selbtverständlich
reich vergoldet und polychromirt werden.

In Bezug auf die Glasmalerei ist der Grund-
satz festgehalten, dafs gröfsere Figuren nur in
den hohen Theilen der Kirche anzubringen sind.
— Für die hinteren Chorfenster sind der ruhigen

und feinen Wirkung halber Medaillons -mit
kleinen Figuren und Gruppen vorgesehen.

Die Polychromie der ganzen Kirche mufs ein-
fach sein, das Chor reicher; hinter den Figuren
sind Teppiche zu malen, ebenso an hervorragen-
der Stelle Gruppen, Figuren oder auch Halb-
figuren anzubringen. Dieselben sind einfach zu
halten in kräftiger wirkungsvoller Linienführung.

Der Bodenbelag mufs sich dem Grundplan
des Baues genau anschliefsen, in Lang- und'
Seitenschiffen verschiedenfarbiger harter Sand-
stein mit Thonfliesen, die Seitenkapellen reicher,
im Hauptchor Marmor mit feinen Thonfliesen,
Anwendung figuraler Arbeit nicht ausgeschlossen.

Ich habe hiermit den Grundgedanken der
ganzen Ausstattung auseinandergesetzt. Vom
Detail der Möbel in Stein, Holz und Metall
bin ich erbötig, zu gelegener Zeit ausführliche
Zeichnungen der »Zeitschrift für christliche
Kunst« zu liefern. W. Men gelb erg.

Zur Kennzeichnung

(Schlu

as Streiten gegen den Professor Graus
bietet insofern eine eigenthümliche
Schwierigkeit dar, als derselbe, wie
wenigstens seine Polemik gegen die
Arbeit Janssen's zeigt, ihm entgegenstehende
kurze Citate als tendenziös aus dem Zusammen-
hang gerissen, ohne Weiteres abweist.1) Solchem
Einwände zu begegnen, sollen nachfolgend
Bücher und Abhandlungen, ihrem ganzen Um-
fange nach, gegen seine Verherrlichung der Re-
naissance in's Feld geführt werden. Ich wähle
solche, deren Verfasser unserem westlichen Nach-
barlande angehören. Dieselben werden um so
weniger blinder Voreingenommenheit geziehen
werden können, als Frankreich wie Italien ro-
manischer Art ist, die Renaissance dort zuerst
Eingang gefunden und besonders Glänzendes ge-
schaffen hat. Auch werden jene Verfasser wohl
gegen den Vorwurf gesichert sein, ihre Urtheile
seien „nicht gegründet auf eigentliche, an den

!) Noch bequemer macht es sich Herr Graus in
Bezug auf die reichen Ergebnisse der so gründlichen
und vielseitigen selbständigen Forschungen und Er-
mittelungen Janssen's betreffs der Einwirkungen der
Renaissance auf die deutsche Kunstübung, indem er
dieselben gänzlich unbeachtet läfst.

der Renaissance.

fs.)

Kunstwerken selbst gemachte kunsthistorische
Studien", oder es habe ihnen an Glaubenstreue,
an Pietät gegenüber der katholischen Kirche
gefehlt. So sei denn auf die Schrift des Grafen
Montalembert: »Ze Catholicisme et le Vanda-
lisme dans farh und auf die, als mustergültig
anerkannten Werke Rio's: -»De l'art chräien«.
und »De la Poesie chretiennei Bezug genom-
men. Nicht blos wird da die Renaissance ihrem
Grundwesen nach, als eine unkirchliche, sondern
geradezu als eine heidnische, beziehentlich dem
Heidenthum entschieden zugekehrte Bewegung
charakterisirt. Was dafür in diesen Büchern an
Gründen und Belegen noch fehlt, bieten, in
reichlichem Mafse, die in den »Annales ar-
cheologiquesi von Didron enthaltenen bezüg-
lichen Abhandlungen (s. d. General-Register u.
d. W. Renaissance) dar. Beispielsweise sei eine,
die Ueberschrift »Ze moyen-äge et la Renais-
sancen führende Abhandlung (Bd. VII) und eine
weitere »Ze Paganisme dans l'art chretienn.
(Bd. XII) namhaft gemacht. Letzterer Abhand-
lung ist U. A. als Belegstück die Darstellung
einer Himmelfahrt Marias aus der Blüthezeit
der Renaissance beigegeben, auf welcher die
Himmelskönigin gänzlich unbekleidet
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