Zeitschrift für christliche Kunst — 3.1890

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1890.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

Nr. 8.

264

Bücherschau.

Der Westbau des Münsters zu Essen. Auf-
genommen, gezeichnet und erläutert von Georg
Humann in Essen. Mit 3 Tafeln und 22 Figuren
im Text. Selbstverlag des Verfassers, 1890. (4 Mk.)
Obwohl das Münster in Essen als eines der ältesten
und merkwürdigsten Baudenkmäler Deutschlands längst
anerkannt, öfters abgebildet und beschrieben ist, so
fehlte es doch bis jetzt an durchaus zuverlässigen
Anfnahmen, die um so schwieriger waren, als die
schon vor mehreren Jahrzehnten angefangene Restau-
ration manche Spuren verwischt hat. Humann hat
sich daher die mühevolle Untersuchung Jahre hindurch
angelegen sein lassen, und legt endlich deren vollauf
reife Frucht in Bild und Wort vor, wodurch er jeden
Interessenten in den Stand setzt, über die eigenartige
Anlage sich ein eigenes Urtheil zu bilden. Die bisher
unvollkommen und in mancher Hinsicht unrichtig ge-
lösten Fragen nach der zum Theil noch erhaltenen
Basilika des IX. Jahrh., nach dem Westbau, seiner
jetzigen, seiner ursprünglichen Gestaltung,
seiner Ursprungszeit, seiner künstlerischen und
kunstgeschichtlichen Bedeutung werden in
ruhiger und klarer Erörterung auf's sorgsamste ge-
prüft, so dafs die Resultate wohl als unanfechtbar zu
betrachten sind. Da sie die früher angenommenen
vielfach berichtigen und erheblich ergänzen und es
sich um eines der allerwichtigsten vaterländischen
Kunstdenkmale handelt, so verdient diese Studie, die
vom Verfasser selbst zu beziehen ist, in den Kreisen
der Kunstfreunde die allgemeinste und eingehendste
Beachtung. Schnütgen.

Das Münster in Ulm. Von Dr. R. Pfleiderer.

Ulm 1890, Druck und Verlag der J. Ebner'schen

Buchhandlung.
Dieses zur Feier der Vollendung des Ulmer Münsters
erschienene Büchlein ist höchst inhaltreich und instruktiv,
weil aus der genauesten Kenntnifs des Baues, seiner
Geschichte und seiner Einrichtung herausgeflossen, die
höchst anschaulich und anregend beschrieben werden,
unter Beifügung zahlreicher in den Text aufgenommener
Illustrationen. So erhält der Leser ein vortreffliches
Bild von dem Münster und seiner Entwicklung, seiner
äufseren Ausgestaltung wie seiner inneren Ausstattung,
und sonst noch viel Nützliches und Lehrreiches aus
dem Kunstgebiete mit in den Kauf. H.

Bilder aus dem K. Kunst- und Alterthümer-
Kabinet und der K. Staatssammlung vater-
ländischer Kunst- und Alterthums-Denk-
male in Stuttgart. Druck und Verlag von
W. Kohlhammer, 1889.
Dieses zur Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums
des Königs Karl von Württemberg im Auftrage des
Ministeriums herausgegebene Heft enthält 27 Seiten
Text und 20 gute Lichtdrucktafeln. Jener meldet die
Geschichte des „Königl. Kunst- und Alterthümer-

Kabinets" und der „Königl. Staatssammlung vater-
ländischer Kunst- und Alterthums-Denkmale" und
erklärt sodann die auf den Tafeln abgebildeten
83 Gegenstände, welche vom XII. Jahrh. bis in die
zweite Hälfte des vorigen alle Perioden umfassen
und nacheinander den Gebieten des Metallgusses, des
Schmiedeeisens, der grofsen und kleinen Plastik, der
Möbel, der Goldschmiedekunst, der Waffen, des Por-
zellans angehören. Unter ihnen befinden sich manche
auserlesene Exemplare von hohem künstlerischem und
technischem Werth, sehr schätzenswerthes Studien-
material, wie für den Archäologen, so für den aus-
übenden Künstler. B.

Figuren- und Blumenmalerei in Aquarell. Von
Friedr. Jaennicke. Stuttgart 1889, Verlag von
Paul Neff. — Handbuch der Glasmalerei.
Von demselben, 1890.
Beide Werke des sehr rührigen Verfassers verfolgen
hauptsächlich praktische Zwecke, indem sie vornehmlich
Anleitung geben wollen zur Uebung der „Aquarell-
malerei", sowie der Glasmalerei. — Ueber jene hat
der Verfasser bereits früher ein eigenes Buch ver-
öffentlicht, welches sie aber nur in ihrer Anwendung
auf die Landschaft und Architektur behandelt, während
sie hier auch in Bezug auf die Porträt-, Historien-, Thier-
und Stillleben-Malerei erörtert wird mit eingehenden
Unterweisungen über „Materialien und Geräthschaften",
über „Theorie und Aesthetik der Kunst", namentlich
über alle einschlägigen technischen Fragen, die recht
lehrreiche Beantwortung finden. — Auch das Handbuch
der Glasmalerei hat vorwiegend praktischen Werth,
indem die technischen Anweisungen sogar in der kür-
zeren geschichtlichen „Einleitung" eine gewisse Rolle
spielen, eine gröfsere in dem „theoretischen", die
gröfste in dem „praktischen" Theil, der sehr ausgiebig
in Winken und Rathschlägen ist. jj.

Führer durch die Freiherrlich K. von Roth-
schild'sehe Kunstsammlung. Herausgegeben
von Prof. F. Luthmer. Frankfurt a. M. 1890,
Carl Jügel's Verlag. . (1 Mk.)
Mit der ihm eigenen Geschicklichkeit hat der Ver-
fasser in diesem kleinen tiefte die grofse Prachtsamm-
lung beschrieben, welche unter den Sehenswürdigkeiten
Frankfurts eine der ersten Stellen einnimmt. In drei
Parterre-Sälen nicht gerade systematisch und über-
sichtlich aufgestellt, bietet sie gerade aus diesem
Grunde der Beschreibung grofse Schwierigkeiten, da
der „Führer" den engsten Anschlufs an die thatsäch-
liche Aufstellung, also den Verzicht auf systematische
Besprechung verlangt, welcher dein die Entwickelungs-
reihen liebenden Verfasser gewifs nicht nach dem
Sinne war. Trotzdem orientirt das Büchlein vortreff-
lich nicht nvir über das Vorhandene, sondern auch
über Manches, was mit ihm zusammenhängt, den zahl-
reichen Besuchern der Sammlung ein sehr instruktiver
Geleitsmann. g.
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