Zeitschrift für christliche Kunst — 3.1890

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1890. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 1.

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dem Trachtlichen ist grofse Aufmerksamkeit ge-
widmet (o). Mit höchster Lebendigkeit sind die
Auferweckung des Jünglings zu Naim und der
im Tempel lehrende Christus (r, s) dargestellt.
Die Kraft der Zeichnung unterstützt die Wirkung,
die bezüglich der ursprünglichen Farbengebung
nicht mehr zu beurtheilen ist.

Bezüglich der Wahl der bildlichen Dar-
stellungen ist-mancherlei auffallend. Die Reihen
entbehren der richtigen Folge in allen drei Gür-
teln. Darstellungen aus dem alten Testamente
werden durch solche aus dem neuen unterbrochen,
und umgekehrt. Auffallend zahlreich sind Sze-
nen der Erweckung bezw. Auferstehung gebildet
[v, t [zwei Szenen] u. j). Wichtige Bilder fehlen;
die alt- und neutestamentlichen Bilder sind nicht,
wie bei verwandten mittelalterlichen Darstellun-
gen gebräuchlich, nach Anleitung der christlichen
Typologie in gedanklicher Beziehung zu einander
angeordnet.

Die oben genannten photographischen Be-
fundaufhahmen ermöglichen es, der Erneuerung
der Gemälde bezüglich deren gewissenhafter
Ausführung und Sorgfalt zu folgen. Diese Prü-
fung zwingt zu der unbedingten Anerkennung der
Thätigkeit Weinmayer's. Noch mehr aber wissen
letztere diejenigen zu schätzen, welche Gelegen-
heit hatten, die Werke vor und während der
Erneuerung in der Nähe zu betrachten, — den

Künstler arbeiten zu sehen. Mit langer, geschulter
Erfahrung, künstlerischem Scharfblick, reiner
Intention, wo diese schaffen helfen mufste, hat
der Künstler seine äufserst schwierige Aufgabe
gelöst. Ob die Wahl der ganz neu geschaffenen
Gemälde völlig in der Denkweise der mittel-
alterlichen Entstehungszeit begründet ist, dar-
über soll hier nicht gesprochen werden; —
sinnig ist sie zweifellos.

Immerhin bleibt das seltene Werk so lange
ein Bruchstück, bis nicht wenigstens auch die
beiden anderen Querhauskuppeln — und zwar
von demselben Künstler — erneuert sind, von
welchen die der Südkuppel auf sechs Gürteln
die Legenden der hl. Katharina, des hl. Nikolaus
und vielleicht noch anderer Heiligen, die fast
völlig gestörten Malereien der Vierungskuppel
aber die des hl. Georg zu schildern scheinen.
Die Gewölbemalereien des Chores und des
Schiffes gehören, soweit dies zu beurtheilen,
wohl dem XIV. bezw. XV. Jahrh. an.

Es ist zu hoffen, dafs die Königl. Regierung
die abermalige Unterstützung für die Fortführung
der Arbeiten gewähren wird. Man schreibt mir
aus Meldorf, dafs der Künstler beauftragt wurde,
den Kostenanschlag für die Erneuerung der

genannten Malereien einzureichen.--------Finis

coronat opus!

Dresden. R. Steche.

Das alte Rosenkranzbild in der St. Andreaskirche zu Köln.

Mit Lichtdruck (Tafel II).

as auf der beigegebenen Lichtdruck-
tafel reproduzirte spätgothische Ge-
mälde hat ohne den (modernen)
Rahmen eine Höhe von 222 cm,
eine Breite von 165 cm. Es stellt die Mutter
Gottes als Königin des Rosenkranzes, bezw. als
Beschützerin der zur Rosenkranz-Bruderschaft
gehörigen Mitglieder dar, der geistlichen wie
der weltlichen, die unter ihrem durch St. Do-
mtnikus und St. Petrus von Mailand weit aus-
gebretteten Hermelinmantel knieen mit Rosen-
kränzen in den Händen. Diese Bruderschaft
wurde gemäfs der bei der letzten Restauration
des Bildes ungeschickt erneuerten Unterschrift:
„Anno im ipso christiferat virginis natali
renouata est fralernitas rosarii admodum in-

! dulgentiis a diuersis pötificibus in hoc altari
I praedolata" im Jahre 1474 am 8. September
wieder eingeführt (nachdem sie in der Domini-
kanerkirche zu Köln von deren Gründung bis
gegen Schlufs des XIV. Jahrh. bestanden hatte,.
Zu ihrer Erneuerung gab (wie Gelenius »De
adm. magn. Co/., Col. 164.51-, S. 464 ff. und vor
ihm Coppenstein »De Fralernitatis S. Ro-
sarii B. M. V. ortu, progressu, statu atque
praecellentia Col. IÖ/J«, Bd. III S. 288 ff., aus-
führlich berichten) Veranlassung die Gefahr, in
welcher die Stadt Köln schwebte, von Karl
dem Kühnen belagert und erobert zu werden,
der die Stadt Neufs auf's Aeufserste bedrängte.
Als dieser endlich auf Bitten des päpstlichen
Legaten Alexander die Friedensbedingungen an-
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