Zeitschrift für christliche Kunst — 3.1890

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1890. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 2.

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_ An der Nordseite des Chorumganges liegt
die Orgelbühne, worunter eine Sängerstube, ge-
eignet zu Proben und zur Aufbewahrung der
Musikaliensammlung, von der Kirche und der
Strafse (durch' den Treppenthurm) zugänglich,
sich befindet. Die Anordnung der Orgelbühne
ist derartig, dafs die Orgelfront in's Querschiff
sich hineinbaut, während den Sängern der An-
blick' in den Priesterchor geöffnet ist.

In den westlichen Ecken von Kreuz- und
Seitenschiffen erheben sich Vorhallen, welche
m che äufsersten Joche des ersteren führen.
Diese, durch Gitter vom Innern getrennt, kön-
nen den Gläubigen nach Schliefsung der Kirche
noch geöffnet bleiben.

Durch die letztere Anordnung konnten die
Portale in der Axe des Kreuzschiffs vermieden
werden, welche die freundliche Wirkung des
Innern leicht beeinträchtigen, ohne bei mäfsi-
gen Mitteln und Dimensionen durch äufsere
Wirkung zu entschädigen.

Der untere Theil des Thurmes bildet eine
geräumige Vorhalle. An der Nordseite derselben
liegen Treppenthurm und Taufkapelle, an der
Sudseite befindet sich die Beichtkapelle.

Manenfache Klagen der Beichtväter über
Zugluft und Störung, die dem Verfasser zu
Ohren gekommen, führten ihn auf die Anlage
dieser Beichtkapelle, die nach der Kirche hin
abgeschlossen, auch leicht geheizt werden kann.

lieber den Mangel der Symmetrie machte
der Entwerfer sich die allerwenigsten Skrupel,
da ihm von jeher Abwechslung und Gruppirung
mehr am Herzen gelegen, als das ängstlich-
gleichmäfsige Rechts und Links, und er mit
diesem System in jahrelanger Praxis immer die
besten Erfolge erzielt hat.

Die Chorbehandlung und das Verlangen des
Programms nach Grofsartigkeit führten bei der
Aufrifsentwicklung von selbst auf die Anlage
eines erhöhten Mittelschiffs mit Strebesystem
und bedeutendem Oberlicht. Die also erreichte
Höhe schien im Hinblick auf die mächtigen
Bauten der Ringstrafse auch nicht unerwünscht.
In den Bauformen wurde eine gewisse Mäfsi-
gung und Einfachheit eingehalten, von Wim-
pergen, Fialen, Galerien etc. kein nennenswer-
ther Gebrauch gemacht.

Den Thurm hat der Verfasser mit voller
Absicht, soweit das Mauerwerk reicht, viereckig
gestaltet, sich das Vorbild der Alten vor Augen
haltend, die bei Thürmen von mäfsigen Dimen-
sionen in den meisten Fällen ebenso verfuhren,
zumal am Niederrhein. Bei verhältnifsmäfsig ge-
ringer Thurmstärke verfehlt ein oberes Achteck
leicht die Wirkung, eher an vieles Andere er-
innernd, als an die Glockenstube.

Durch die Anlage einer selbständigen Sänger-
und Orgelbühne bleibt das grofse Thurmfenster
frei und kann ungehindert sein Licht in den

Grundrifs. Malsstab : 4UO.
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