Zeitschrift für christliche Kunst — 3.1890

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103

1890.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

Nr. 3.

104

Kurz, wir können dieser Publikation nur vollen Beifall
zollen, den wir freilich der Einleitung versagen müssen,
da dieselbe eine ziemlich oberflächliche und schiefe
Auffassung des religiösen Lebens an den Tag legt,
doch fällt sie nicht ins Gewicht, da wir ihre Schwäche
ebenso auf Rechnung der Nationalität des Herrn Ver-
fassers setzen dürfen wie das Hereinziehen einer skan-
dalösen Nachricht in Betreff des Bischofs Albert aus
einem späteren Chronisten, deren Ursprung dem im
Uebrigen so scharfsinnigen Kritiker nicht zweifelhaft
sein konnte. Die 43 photo-lithographischen Tafeln
sind nach Aufnahmen des vortheilhaft bekannten Nöh-
ring in Lübeck hergestellt. Sie vergegenwärtigen die
besprochenen Werke auf das Beste, und wenn dies
und jenes Bild nicht ganz befriedigen sollte, so wird
man so billig sein müssen zu bedenken, dafs die photo-
graphische Wiedergabe von Gemälden an sich schon
überaus mifslich ist, und dafs selbst bei Werken der
Plastik die unvorteilhafte Beleuchtung am Aufstellungs-
orte oft unübersteigliche Hindernisse der Reproduktion
in den Weg legt. Der Preis (25 Mark) ist verhältnifs-
mäfsig äufserst billig. F. L.

Die Darstellung der Geburt Christi in der
bildenden Kunst. Entwicklungsgeschichtliche
Studie von Dr. Max Schmid. Mit 63 Illustrationen.
Stuttgart, Verlag von Julius Hoffmann.
In dieser sehr fleifsigen und gründlichen Erstlings-
arbeit hat der Verfasser sich auf die Prüfung der Dar-
stellungen der Geburt Jesu Christi in der altchristlich-west-
römischen und oströmisch-byzantinischen Kunst, also
auf die Untersuchung der Grundlagen für die Darstel-
lung der mittelalterlichen Typenentwicklung beschränkt,
deren Schilderung dem zweiten Theile vorenthalten
bleibt. — Der vorliegende erste Theil enthält den
Katalog, d. h. die Beschreibung nebst Abbildung
von 20 Fresken und Reliefs der Katakombenkunst, von
30 Miniaturen, Gemälden, Bronzen, Elfenbeinen, Emails
etc. der byzantinischen, von 10 Elfenbeinen und Fresken
der weströmischen Kunst bis zur Karolingerzeit. An
dieses statistische Material knüpft der Verfasser nach
einer kurzen Darlegung der „Bahre", „Legende",
„Feier" von der Geburt Christi seine näheren Unter-
suchungen an, von welchen diejenigen über die
Geburtsdarstellungen der altchristlichen Sarkophage die
umfassendsten, interessantesten und ergebnifsreichsten
sind. Indem auch die dem Anscheine nach unbedeu-
tendsten Punkte und Spuren beachtet und durch geist-
volle Kombinationen beleuchtet werden, entfaltet und
gestaltet sich unter der sichtenden und ordnenden Hand
des Verfassers das Entwicklungsbild bis zu seinem Ab-
schlüsse. Ihm hierin zu folgen ist eine dankbare Be-
schäftigung und Jeder, der sich ihr widmet, wird der
Fortsetzung der Untersuchung durch das Mittelalter
hindurch mit Spannung entgegensehen. b.

Raffael-Studien von Dr. W. Koopmann. Mar-
burg 1889, Elwert'sche Verlagsbuchhandlung.
Der Verfasser unterwirft die bis zur Uebersiedelung
nach Rom entstandenen Handzeichnungen Raffaels,
dessen Handschrift aus ihnen viel bestimmter noch, als

aus den Gemälden, erkennbar ist, einer sehr gründlichen
Studie. Zur Erläuterung dienen 36 vorzügliche, auf
photographischen Aufnahmen beruhende Abbildungen,
von denen nur einige im Texte, die meisten auf eigenen,
zum Theil doppelten Tafeln. An der Hand seiner
Lehrer Timoteo Viti, Perugino und Pintorichio, Leonardo
und Fra Bartolommeo wird der grofse Meister von dem
Verfasser durch die drei Hauptabschnitte seines Künstler-
lebens bis zu den Thoren Roms begleitet; Urbino, Pe-
rugia, Florenz sind die drei Städte, in denen die Werke
dieser Periode entstanden sind. Ueber ihre Reihenfolge,
also über die Entstehungszeit der einzelnen Handzeich-
nungen, unter denen viele Madonnen, wird bekanntlich
viel debattirt. Mit feinem Beobachtungssinn prüft der
Verfasser die Merkmale der einzelnen und kommt zu so
manchen überraschenden und überzeugenden Resultaten,
dafs der Wunsch nahe gelegt ist, er möge uns auch die
Fortsetzung seiner Untersuchungen, die Prüfung der rö-
mischen Handzeichnungen Raffael's nicht vorenthalten.
_________ V.

„Meisterwerke der Christlichen Kunst."
Zweite Sammlung. Leipzig, Verlag von J. J. Weber.
Dieses Heft, welches an die vor einigen Jahren in
demselben Verlage erschienene, fast nur Werke alter
Meister wiedergebende Sammlung sich anschliefst, ent-
hält 21 Holzschnitte in Grofsfolio, unter denen nur
wenige nach alten Italienern, die meisten nach neueren,
besonders deutschen Meistern, wie Schraudolph, Hof-
mann, Richter, Cornelius, Plockhorst. Da die Auswahl
glücklich, die Ausführung gut, der Preis äufserst mäfsig,
so darf diese als Festgeschenk geeignete Mappe em-
pfohlen werden. __________ s.

„Die Sammlung religiöser Bilder in mittel-
alterlichem Stile", welche in der Anstalt der
„Societe St. Augustin" in Brügge hergestellt, durch
den Verlag von Rudolf Barth in Aachen für Deutsch-
land vertrieben wird, ist wieder um einige neue Hefte,
theils im Gebetbuch-, theils im Miniaturformat, be-
reichert worden. Die architektonische Einfassung, wie
die ornamentale Ausstattung der einzelnen Bildchen
ist im frühgothischen Stile ganz korrekt und sauber
gehalten, ihm suchen im Allgemeinen auch in Gestal-
tung, Faltenwurf und Ausdruck die Figuren zu ent-
sprechen, die aber mannigfache Abschwächungen im
Sinne zu grofser Weichheit aufweisen. Die Farben-
gebung ist in Bezug auf Technik und Reichthum ganz
vortrefflich, in Bezug auf den Charakter durchweg
nicht energisch und kräftig genug für unser deutsches
Gefühl. Da im Uebrigen die ganze Auffassung und
Behandlung derselben eine durchaus kirchliche und
fromme ist, so verdienen sie, zumal allen sonstigen
ausländischen Erzeugnissen auf diesem Gebiete gegen-
über, recht warme Empfehlung. Diese soll aber den
Wunsch nicht ausschliefsen, dafs unseren auch hier
auf derbere Kost gerichteten Bedürfnissen bald eine
deutsche Anstalt Befriedigung zu Theil werden lasse,
durch enge an alte Muster sich anschliefsende, ebenso
gut wie die vorliegenden, und ebenso wohlfeil aus-
geführte Heiligenbildchen für Jung und Alt. H.
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