Zeitschrift für christliche Kunst — 3.1890

Page: 139-140
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1890. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 5.

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bestand die beigegebenen acht Abbildungen
in etwa 3/5 der wirklichen Abmessungen ver-
anschaulichen.

A. Lectiones.

Grofse Initiale E(cce dies veniunt) auf pur-
purfarbenem, ornamental eingefafstem Grunde,
von der Grofse des Schriftraumes. Der Buch-
stabe selbst ist aus goldenem, roth konturirtem,
abwechselnd roth, grün und blau, bezw. violett
gefülltem Blattwerk gebildet, welches mit dem
Einfassungsrande durch ein Flechtwerk (Ge-
riemsel) zusammenhängt.

Lectiones: 1. de adventu, 2. de nativitate
domini, 3. de S. Stephano, 4. in nat. S. Jo-
hannis Ev., 5. in nat. innocentium, 6. in ociava
domini, 7. in epiphania dotnini, 8. in puri-
ficatione S. Mariae, 9. quadragesimales, 10. de
passione domini, 11. de resurrectione domini,
12. in asccnsione domini, 13. de penlecosien,
14. in nat. S. Johannis Bapl., 15. de S. Petro
apostolo, 16. plurimorum sanctorum, Vi. in nat.
S. Laurentii, 18. in assumptione S. Mariae,
19. de S. Michaele, 20. in festivitate omnium
sanctorum, 21. in nat. unius sacerdotis, 22. in
nat. unius martyris vel confessoris, 23. in nat.
unius virginis, 24. de cruce, 25. in dedicatione
ecclesiae.

B. Orationes (collectae).

1. O. de adventu domini. Initiale E(xcita)
wie die vorbeschriebene, nur etwas kleiner, ohne
Purpurgrund und Randverzierung. 2. O. in vi-
gilia nativitatis domini. Initiale D (eus) wie vorh.
(Eine auf etwa 1/2 der wirklichen Grofse ver-
kleinerte Darstellung findet sich zu Beginn dieser
Abhandlung.) 3. O. in nativitate domini.

Bild I. Die Geburt des Heilandes. In
der Mitte erblicken wir in einer Krippe, auf
rothen Tüchern gebettet, in weifser Umhüllung,
das göttliche Kind, zur Linken S. Joseph in
bläulich - weifsem Untergewande und braun-
rothem Mantel, zur Rechten die Gottesmutter
in blauem Kleide auf weifsem Polster gelagert,
in der Höhe schliefslich 3 Engelgestalten. Ochs
und Esel fehlen nicht; der erstere liegt vor der
Krippe angebunden, des letztern Kopf ragt aus
einem mit Silber eingedeckten Gebäude im
Hintergrunde hervor.

Bild II. Die Verkündigung der Hirten.
Die lichte Gestalt des Himmelsboten, über einem
Hügel schwebend, bringt der furchtsamen und
erstaunten, inmitten ihrer Heerden weilenden

Hirtenschaar die frohe Kunde der Ankunft des
Weltheilandes.

Grofse Initiale C(oncede) wie bei A.

4. O. in octava domini, 5. VII Kai. Jan.
S. Stephani, 6. VI Kai. Jan. S. Johannis Ev.,
7. V Kai. Jan. in nat. innocentium, 8. in epi-
phania domini, 9. in purificatione S. Mariae.
Neben den Orationen des Festes findet sich
hier das Formular der Lichterweihe mit der
zugehörigen Präfation, dem Pater noster und
den übrigen Orationen; der Beginn der ersteren,
Vere dignum et justum est, ist in alterthüm-
licher Weise in eine Buchstabenform zusammen-
gezogen.

10. O. in adnunliatione S. Mariae, 11. do-
minicae quadragesimales, 12. feria II; feria
III—VI und sabbato fehlen, da zwei hierhin
gehörige Blätter verloren gegangen sind.

13. O. in caena domini. Der Maler des
Buches hatte im Anschlufs an die Orationen
des Gründonnerstages ein kleineres Bild aus-
zuführen beabsichtigt, welches jedoch nicht
über die Skizze hinaus gediehen ist. Letztere,
eine mit der Feder sicher entworfene Umrifs-
zeichnung, stellt die Unterredung des Herrn mit
S. Petrus bei der Fufswaschung dar (Job. XIII,
4—10). Kenntlich ist die Gestalt des auf einer
Bank sitzenden Apostels, der seinen linken Fufs
in eine Waschschüssel taucht, und diejenige des
sich herabneigenden Heilandes in aufgeschürztem
Gewände. Die beiden Köpfe sind bedauerlicher-
weise zum gröfsten Theil wegradirt.

Dem Bild III liegt die Schilderung der
Auferstehung bei Math. XXVIII, 1—6 zu
Grunde. Den drei Salbgefäfse tragenden Frauen
verkündet der auf dem weggewälzten Grabsteine
sitzende Engel, „dessen Gestalt wie der Blitz,
und dessen Gewand wie der Schnee" in seiner
Linken den Kreuzstab haltend, die Erlösung
Christi von den Todesbanden. Auf dem Steine
erblickt man die zusammengerollten Grabtücher,
im Hintergrunde den säulengeschmückten Ein-
gang zur Begräbnifsstätte selbst, deren silbernes
Kuppeldach von einem Zinnenkranze umgeben
und von zwei kleinen Thürmen rlankirt ist; auf
der Höhe des Daches schlummert ein Wächter-
paar in. voller Waffenrüstung.

Bild IV. Christi Höllenfahrt. Sechs
Engelgestalten mit verschiedenfarbigen Flügeln
begleiten den Herrn zur Vorhölle. Angethan
mit blauem Unterkleide und hellgelbem Ober-
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