Zeitschrift für christliche Kunst — 3.1890

Page: 295-296
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1890.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

Nr. 9.

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zeig zu danken, aber der Verfasser selbst hat die
Vorstellung, dafs sie mit wenigen Ausnahmen nur
werthvolles Material bieten für die weitere Forschung,
keine abschliefsenden Resultate. Von den Einzel-
objekten allein sind solche auch kaum mehr zu er-
warten, denn was sie aus sich durch Inschriften und
sonstige Zeichen verrathen können, ist ihnen längst
entlockt worden. Mehr könnte erreicht werden durch
die genaueste Vergleichung chronologisch und technisch
verwandter Gegenstände, was aber die Vereinigung
einer grofsen Anzahl derselben, etwa auf einer Spezial-
ausstellung, voraussetzen würde. Die Frage des deutschen
Grubenschmelzes z. B., welches nur ein starkes Jahr-
hundert in Uebung gewesen, ist noch sehr in Dunkel
gehüllt. Wenn es schon äufserst schwierig ist, die
Erzeugnisse desselben aus dem Rheinland, von der
Maas, von Limoges mit einiger Sicherheit zu be-
stimmen, wie wird es möglich sein, diejenigen von
Köln und Siegburg voneinander zu unterscheiden, ohne
sie lange Zeit nebeneinander zu sehen und zu prüfen.
Die Kölner Kirchen bewahren noch jetzt eine Anzahl
von Emailsachen, die zweifellos für sie angefertigt
sind, dasselbe gilt von der Siegburger Abteikirche.
Von der Vergleichung beider Gruppen sollten doch
wohl zuverlässige Anhaltspunkte zu erwarten sein, ob-
gleich nicht unerwogen bleiben darf, dafs es in Köln
ohne Zweifel mehrere Schmelzwerkstätten, in Siegburg
mehrere Schmelzkünstler zu gleicher Zeit gegeben hat.
Ein im Kloster Helmwardshausen, in welchem der
Verfasser die Werkstätte mehrerer seiner Schatzgegen-
stände vermuthet, ausgeführtes mehrfarbiges Emailstück
ist meines Wissens noch nicht nachgewiesen, defswegen
der Versuch des Verfassers, sogar den Ursprung von
dem Tragaltärchen des Eilbertus Coloniensis dorthin
zu verlegen, doch wohl etwas kühn.

Die beiden Seitenstücke zu dem grofsen Kuppel-
reliquiar, dem Glanzpunkte der Sammlung, in Darm-
stadt und in London, weisen auf Köln hin, denn jenes
ist durch den Kölner Sammler Hüpsch dorthin ver-
kauft worden und dieses hat bis in den Anfang unsers
Jahrhunderts dem Schatze von Eltenberg am Nieder-
rhein angehört, in welchem sich kein email champleve
findet; dafs alle drei Prachtreliquiare aus derselben
Werkstätte hervorgegangen, ist kaum zu bezweifeln.

Dafs den westfälischen Goldschmieden in der roma-
nischen Epoche die Emailtechnik nicht fremd geblieben
ist, macht ein Tragaltärchen aus Senden wahrschein-
lich, welches der Katalog zur Ausstellung westfälischer
Alterthümer zu Münster im Jahre 1879 unter Nr. 477
beschreibt. Die dasselbe auszeichnende rohe Behand-
lung des nur aus drei Farben: Blau, Grün, Weifs be-
stehenden Schmelzes begegnet auch an der „rohen
Emailkassette (Nr. 27), zu der sich aufser den vom
Verfasser erwähnten auch noch Parallelen befinden in
dem Museum zu Kopenhagen und im Privatbesitz zu
Köln, von denen die letztere, aus der Sammlung
Debruge herrührende, offenbar auf dieselbe Hand
zurückzuführen ist. Charakteristisch ist auch hierbei
das Fehlen der rothen Schmelzmasse, denn was als
solche erscheint und auch dem Verfasser erschienen,
ist blofs das Durchleuchten des rothen Kupfergrundes

an den von der hellen Farbe nur dünn und schmal
bedeckten Stellen. Die verschiedenen, soeben ange-
deuteten Momente weisen auf Norddeutschland als auf
die Heimath dieser rohen, aber merkwürdigen Email-
stücke hin, welche den noch nicht hinreichend ge-
würdigten Zusammenhang der Glasmalerei und Schmelz-
technik in besonders frappanter Weise auch dadurch
illustriren, dafs für die Vertheilung der vier Farben
Weifs, Gelb, Blau, Grün nur die harmonische Wirkung
mafsgebend gewesen ist, indem z. B. der ganze Leib
des gekreuzigten Heilandes (mit Ausnahme der ver-
goldeten Füfse, Hände, Kopf) aus blauem, das Lenden-
tuch aus grünem, die Sonne ebenfalls aus grünem
Email gebildet ist.

Weiter in Einzelheiten einzugehen, gestattet hier
leider nicht der Raum. Mögen nur die zahlreichen
archäologischen und technischen Fragen, welche der
Verfasser in Bezug auf das deutsche Kunstschaffen
im XII. Jahrh., welches für ihn noch die „goldene
Zeit" desselben ist, durch die mannigfachsten Unter-
suchungen und Hypothesen wieder in Flufs gebracht
hat, nicht so bald wieder stagniren! Von besonderer
Wichtigkeit dürfte zunächst sein, aus dem an den
einzelnen Kunstzentren als ursprünglicher Besitz noch
vorhandenen kirchlichen Metallgeräth die charakteristi-
schen Merkmale in Bezug auf Technik, Farbe, Form,
Darstellungen statistisch festzustellen. Aus ihnen würden
sich wohl gewisse Schulen ergeben, denen die einzelnen
jetzt überall hin zerstreuten Gegenstände mit viel mehr
Recht und Sicherheit, als bisher, zugewiesen werden
könnten. — Auch auf die Darstellungen und ihre
ikonographischen Eigenthümlichkeiten würde es dabei
als auf einen vom Verfasser bereits in hervorragendem
Mafse gewürdigten Faktor sehr wesentlich mit an-
kommen. Das vorliegende Werk liefert dafür, wie für
manche andere archäologische Untersuchungen von
Wichtigkeit, eine grofse Anzahl der schätzenswerthesten
Belege. __________ Schniitgen.

Katechismus der Kunstgeschichte von Bruno

Buch er. Dritte verbesserte Auflage. Mit 27G in

den Text gedruckten Abbildungen. Leipzig 1890,

Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber.

Dieses kleine, aber ungemein inhaltreiche Lehrbuch

der gesammten Kunstgeschichte, welches an Klarheit

und Uebersichtlichkeit von keinem andern übertroffen

wird, vervollkommnet sich mit jeder neuen Auflage,

deren es wohl noch manche erleben wird. b.

Gottfried Schadow. Aufsätze und Briefe nebst
einem Verzeichnifs seiner Werke zur hundertjährigen
Feier seiner Geburt, 20. Mai 1764. Herausgegeben
von Julius Friedländer. Zweite vermehrte Auf-
lage. Stuttgart 1890, Verlag von Ebner & Seubert.
Diese nach dem vor 6 Jahren erfolgten Tode von
Friedländer durch Emil H ü b n e r besorgte neue Auflage
erhält so manche Ergänzungen, dafs das Lebens- und
Schaffensbild des Meisters noch klarer und bestimmter
hervortritt zur Freude seiner immer noch zahlreichen
Verehrer. h
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