Zeitschrift für christliche Kunst — 16.1903

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1903.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 9.

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Heiligen auf, mit mehr oder minder eingehenden No-
tizen über ihren Lebenslauf, ihre Verehrung, ihre Dar-
stellungen, sowie ihre Literatur. Hier fehlt es nicht
an minder bekannten Namen und Mitteilungen, sowie
an Fingerzeigen für diejenigen, die einzelnen Heiligen
oder Seligen genauer nachgehen möchten. Unter den
Abbildungen begegnen merkwürdige Details und die
Übersichtstafeln über die (strahlenförmige) Ausdehnung
der Verehrung einzelner hervorragender Heiligen sind
ebenso dankbar zu begrüfsen, wie die Landkarte mit den
in sie eingetragenen Grabstätten. Die verschiedenen
Register erleichtern die Orientierung und damit die
Benutzung des in mehrfacher Hinsicht sehr brauch-
baren Buches, das hoffentlich die bezügliche Forschung
in anderen Ländern bei denjenigen anregen wird, denen
es gelingen mag, sich in das vielgestaltige, weit zer-
streute Material ebenso liebevoll und erfolgreich zu
vertiefen. Schnütgen.

Kunstschätze des Aachener Kaiserdomes.
Werke der Goldschmiedekunst, Elfenbeinschnitzerei
und Textilkunst. 3") Lichtdrucke mit Text von
Stephan Beissel. Kühlens Kunst-Verlag in
M.-Gladbach. (Preis 30 Mk.)
Die Aachener Schatzkammer hat auf der Welt nur
einige Nebenbuhler, und auch vor diesen den Vorzug,
von der Goldschmiedekunst der fünf letzten
Jahrhunderte des Mittelalters mehrere Dutzend Denk-
mäler ersten Ranges zu besitzen, die in den letzten
fünf Jahrzehnten des öfteren abgebildet und beschrie-
ben sind. So vortrefflich diese Abbildungen und Er-
läuterungen für ihre Zeit waren, den gesteigerten An-
sprüchen der Gegenwart genügen sie nicht mehr, so
dafs die vorzüglichen Lichtdrucktafeln, die
Kühlen so eben vorlegt, und die nicht gerade aus-
gedehnten, aber höchst inhaltreichen Erklärungen, mit
denen Beissel als langjähriger, gründlicher Kenner sie
begleitet, aufs wärmste zu begrüfsen sind. Gröfse und
gleichmäfsige Schärfe der Aufnahmen gestatten ein-
gehendes Studium, und der Text (der die in der
„Aachenfahrt" desselben Verfassers unlängst behandelte
Geschichte des Schatzes und seiner Hauptstücke als
bekannt voraussetzt) bietet auf Grund der neuesten,
vornehmlich durch die vorigjährige kunsthistorische
Ausstellung angeregten Untersuchungen neue Angaben
und Kombinationen in grofser Zahl und guter Be-
gründung. Ob sie freilich alle sich behaupten werden
bei der augenblicklichen Vorliebe gerade für diese
Forschungen, besonders auf dem Gebiete des rheini-
schen Grubenschmelzes (über den ein grofses Pracht-
werk von Falkes in Monatsfrist erscheinen wird), ist
zweifelhaft. Dafs die beiden grofsen Schreine, denen
mit Recht je 5 Tafeln gewidmet sind, in Aachen
ausgeführt wurden, ist sehr wahrscheinlich, dafs der
Karlsschrein aber noch Wibert, dem Künstler des
Kadleuchters, seinen Ursprung, auch nur seinen Anfang
verdankt, kaum anzunehmen, wie überhaupt die Gruud-
anschauung des Verfassers, an den grofsen Schreins-
werken sei durchweg mehrere Jahrzehnte hindurch ge-
arbeitet worden, vielleicht mit einem Fragezeichen zu ver-
sehen ist. Auch hinsichtlich der Urheber der beiden
Schnurgassenschreine in Köln könnten die Namen an
denselben zu etwas anderen Vermutungen fuhren. Die

auf Seite 6 erwähnte, mit Recht an die Maas verlegte
(Trag-)Altartafel ist nicht in Aschaffenburg, sondern
in Augsburg (wie aus dieser Zeitschrift Bd. XV,
Sp. 125 ff. zu ersehen). — Die Prüfung der 35 präch-
tigen Foliotafeln mit ihren 32, den Höhepunkt der
Leistungsfähigkeit in ihren Entstehungszeiten bezeich-
nenden Gegenständen bietet einen ungewöhnlichen
Genufs an der Hand der leicht und zuverlässig wirken-
den Beschreibungen, so dafs der Wunsch, auch andere
Schatzkammern möchten eine solche Veröffentlichung
erfahren, gewifs von allen Interessenten geteilt wird.

Schnütgen.

Der Se veri-Sark ophag zu Erfurt und sein
Künstler samt Übersetzung der Vita und Trans-
latio Sancti Severi des Priesters Liutolf von Dr.
Otto Buchner. Mit 2 Tafeln und 2 Abbildungen
im Text. Hugo Güther in Erfurt.
Als opus posthumum erscheint diese kleine Studie, die
von der Vertiefung des verstorbenen Verfassers in die
mittelalterliche Plastik Deutschlands, namentlich Thü-
ringens, und von seinem feinen Verständnis für die-
selbe rühmliches Zeugnis ablegt. Sie behandelt den
nur noch in seinen Teilen vorhandenen Severi-Sarko-
phag, den der Verfasser an der Hand mehrerer guter
Abbildungen eingehend beschreibt, erklärt und im
Zusammenhang mit gleichzeitigen Skulpturen, sowie
mit Werken desselben Künstlers behandelt, als welchen
er (auf Grund der Inschrift an einer Madonna der
Severikirche) Johannes Gehart ermittelt hat. Diesen
durch die Anschaulichkeit und Lebendigkeit der Dar-
stellung, die Körperlichkeit der Erscheinung, den
ruhigen Ernst ausgezeichneten heimischen Bildhauer
aus der zweiten Hälfte des XIV. Jahrh. in die Kunst-
geschichte eingeführt zu haben, ist ein Verdienst des
aus fruchtbarem, soliden Schaffen abberufenen jungen
Gelehrten. Schnütgen.

Meisterwerke der niederländischen Malerei
des XV. und XVI. Jahrh. auf der Ausstel-
lung zu Brügge 1902. Herausgegeben von
Max J. Friedländer. Verlagsanstalt F. Bruck-
mann A.-G. 1903.
Von diesem glänzenden Nachklang der hochbe-
deutsamen Ausstellung zu Brügge, die bei 400 Ge-
mälde umfafste, liegt uns nicht der aus 90 Grofs-
fol iotafein bestehende vorzügliche Abbildungs-
apparat vor, sondern nur der eine eingehende kritische
Beschreibung des letzteren enthaltende, die brennende
Frage nach der Bedeutung der früheren niederländi-
schen Maler vom Standpunkt der höchsten Sachkenntnis
behandelnde Text, der so recht den Wert einer der-
artigen, die unmittelbare Vergleichung ermöglichen-
den, von den berufensten Kennern besuchten und be-
sprochenen Ausstellung beweist. Aufser diesem (nur
in 225 Exemplaren a 100 Mk. gedruckten) Pracht-
werk hat der Verlag, der in Brügge mehr als die
doppelte Anzahl von Aufnahmen (also der Hälfte
sämtlicher Gemälde), gemacht hatte, 198 Pigment-
drucke in Folioformat (ä 1 Mk. das unaufge-
zogene Format) veröffentlicht, und dazu einen sehr
übersichtlich geordneten K atalog herausgegeben, der
die einzelnen Blätter genau bezeichnet, sowohl in der
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