Zeitschrift für christliche Kunst — 20.1907

Seite: 253
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1907. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 8.

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Der Kölner Goldschmied Hermann Leeker

"er Goldschmied Leeker oder Liecker,
der die von Jos. Braun in Nr. 7
dieser Zeitschrift behandelte Mon-
stranz in der ehemaligen Jesuiten-

kirche zu Hildesheim ausgeführt hat, ist ein
angesehener Meister seines Faches gewesen.
Ich vermag nicht mit Sicherheit nachzuweisen,
ob er ein geborener Kölner war. Ich finde
ihn hier zuerst erwähnt im Jahre 1635 im
Kirchenbuch der Pfarre S. Johann Evangelist;
er wohnte also damals wahrscheinlich am Dom-
hof. Verheiratet war er mit Margaretha Heits,
die ihm in den Jahren 1635—1646 sieben
Kinder schenkte. In den Jahren 1635—1641
finden die Taufen in der Pfarre S. Johann
Evangelist statt, 1644—1646 in der Nachbar-
pfarre S. Laurenz, zu der bekanntlich die
Straße unter Goldschmied gehörte. Margaretha
Heits scheint des Meisters zweite Frau ge-
wesen zu sein, da in den Büchern der Gold-

schmiedezunft (Stadtarchiv Zunftw. 98, 104, 108)
in den Jahren 1637—1658 nicht weniger als
acht erwachsene Söhne erwähnt werden, die
sämtlich den Beruf des Vaters erwählt hatten,
einer von ihnen, Hans Hermann, trat jedoch
später in den Kapuzinerorden ein. Auch ein
Schwiegersohn Heinrich Hermeling, der 1662
erwähnt wird, war Goldschmied. Unzweifel-
haft erfreute sich Hermann Leeker eines hohen
Ansehens bei seinen Berufsgenossen. Im
Jahre 1655 wird er im Verzeichnis der Herren
und Verdienten seiner Gaffel an dritter Stelle ge-
nannt. Im gleichem Jahre wählte man ihn
an Stelle des am 20. Januar verstorbenen
Johann Muller zum Ratsherrn. Zweimal er-
folgte dem Turnus gemäß seine Wiederwahl,
zuletzt zu Weihnachten 1660. Am 26. Februar
1662 ist er verstorben.

Köln.

Herrn. Keussen.

Bücherschau.

Als Düsseldorfer Bilderbibel erscheinen bei
L. Schwann 5 Lieferungen von je 6 Blät-
tern, (90 cm breit, 75 cm hoch, bei 75 ä 60 cm
Bildgröße), mit der Bestimmung, als Wandschmuck
für Schulen, Klöster und Institute Verwendung zu
finden, namentlich zur Unterstützung und Erleichte-
rung des biblischen Anschauungsunterrichts; jedes
Blattkostet seh warz unaufgezogen 1 Mk., auf Pappe
zum Aufhängen 2 Mk., in Wechselrahmen unter
Glas 11 Mk , koloriert 1 Mk. mehr.
Die I. Lieferung (der die andern in einem Ab-
stände von etwa 6 Wochen folgen sollen) enthält die
Verkündigung, Heimsuchung, Flucht nach
Ägypten, Dars teil ung im Te m pel, der barm-
herzige Samaritan und Übertragung der
Schlüsselgewalt von Commans. Da die Darstel-
lungen dieses bekanntlich ebenso ansprechenden wie
korrekten Zeichners sehr einfach und klar sind in der
Komposition wie im Hintergrund, da ihre Auffassung
durchaus würdig und fromm, so reden sie eine recht
verständliche, dazu ganz erbauliche Sprache, den Einblick
in den Sinn der hl. Geheimnisse erleichternd, in den
sie keinen ablenkenden Gedanken hineintragen. Da
die Linienführung bestimmt und edel, die Schattierung
maßvoll und ruhig ist, so wirkt die Zeichnung auch
in die Entfernung, so daß deren Erläuterung keine
Schwierigkeiten bietet. — Das überaus zeitgemäße
Werk verspricht daher, ein vortreffliches Lehr- und Er-
bauungsmittel zu werden, dem der ungemein mäßige
reis eine weite Verbreitung verschaffen dürfte. —
bald kolorierte Exemplare vorliegen, soll weiter
arüber berichtet werden. Schnütgen

Vom göttlichen Heiland Bilder aus dem Leben
Jesu, gema't von Philipp Schuhmacher, der
Jugend erklärt von Franz Xaver Thalhofer, Allge-
meine Verlags-Gesellschaft m. b. H. in München 1907.
(Preis geb 4 Mk.)
Aus dem von Schuhmacher reich illustrierten (hier
XV. 235 besprochenen) „Leben Jesu" 17 farbige Tafeln
herauszunehmen, um an sie, wie an 16 vignettenartige
schwarze Leistenb'lder Unterweisungen für Kinder zu
knüpfen, erscheint als ein sehr glücklicher Gedanke,
denn die gut gezeichneten Farbentafeln mit den Ge-
heimnissen des Lebens Jesu von seiner Verkündigung
bis zu seiner Auferstehung sind leichtverständlich und
fromm anregend, die Leistenbilder der Auffassung der
Kinder angepaßt. Die sie von Blatt zu Blatt begleitenden
Erklärungen sind, mit großer Wanne vorgetragen, auf
das kindliche Gemüt berechnet, welches aus denselben
religiöse Belehrung und Stimmung in reichem Maße zu
gewinnen vermag. Das in seinem geschmackvollen
Einband prächtig sich präsentierende handliche Buch
darf daher für den Weihnachtstisch der Kinder, die
ordentlich zu lesen verstehen, aufs wärmste empfohlen
werden. SchnUtgen.

Die Beziehungen der Handschrift Ornamentik
zur roman ischen Baukunst erläutert von Georg
Humann. Mit 96 Figuren im Text. J.H.Ed.Heitz
(Heitz & Mündel) in Straßburg 1907 (Preis 6 Mk.)
Dieses Bu'h (das 86. in der Reihe der „Studien
zur deutschen Kunstgeschichte") ist dem Nachweise
gewidmet, daß die frühmittelalterliche Handschrift-
malerei (ähnlich der Baukunst) den größten Teil ihrer
dekorativen Motive der antiken Bauornamentik ent-
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