Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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Sammlungen und Ausstellungen.

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legenen alten Friedhofes, auf dem nur noch ausnahmsweise
Beerdigungen vorkommen. Es besteht aus einem Obelisk
aus schwedischem Granit und ist mit einem Reliefmedaillon
aus Bronze geschmückt, das der Dresdener Bildhauer H. Eplcr
modellirt hat, und das die Züge des Verstorbenen unge-
mein ähnlich wiedergiebt.

Am 22. Juli fand auf dem Centralfriedhofe in Wien die
Enthüllung des Grabdenkmales für den reichbegabten Genre-
und Tiermaler sowie Dialektdichter Ignax Ellminger Btatt
(s. den Nekrolog in der Kunstchronik vom 1. März 1893/94.)
Das Denkmal zeigt an der Stirnseite das von einem
Freunde des Verstorbenen, dem Bildhauer Sehörg lebensvoll
modellierte, in Erz gegossene Bild des Verewigten, nebst
den Emblemen seines Schaffens als Künstler, Palette und
Pinsel, sowie ein Buch mit der Aufschrift „Gedichte in öster-
reichischer Mundart." u. BK.

R. B. In Krakau fand jüngst in der Kunstakademie die
feierliehe Enthüllung der Kolossalbüste Jan Matejko's in An-
wesenheit sämtlicher Lehrer und Schüler statt.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

H. A. L. Die königliche Gemaidegalerie %u Dresden ist
anfangs August durch ein kunstgeschichtlich wichtiges Ge-
mälde ersten Ranges bereichert worden, da es nach länge-
ren Verhandlungen gelungen ist, Murillo's berühmten „Tod
der heiligen Clara" für sie zu erwerben. Das Bild stammt
aus dem Besitz des Earl of Dudley zu London und gehörte
ursprünglich der Reihe von Bildern an, mit denen der jugend-
liche Künstler im Jahre 1646 den Kreuzgang des Franzis-
kanerklosters zu Sevilla ausschmückte. Es galt von jeher
neben der „Engelskirche" im Louvre zu Paris und dem
„Heiligen Diego mit den Armen" in der Academia de San
Fernando zu Madrid als ein Hauptbild der ganzen Folge,
und auch Justi, der neueste Biograph Murillo's (Leipzig,
E. A. Seemann 1892. 4°. S. 8) hat es als solches eingehend
behandelt.

*„* Das bekannte große Gemälde von Bruno Piglhein
„Morilur in Deo" (der sterbende Christus von einem Engel
getröstet) ist vom Kommerzienrat Krupp in Essen angekauft
und dem deutschen Kaiser als Geschenk für die National-
galerie angeboten worden. Der Kaiser hat die Schenkung
angenommen und das Bild der Nationalgalerie überwiesen.

R. B. Der regierende Fürst Johann Liechtenstein hat der
Stadt Wien für das städtische Museum eine ansehnliche Zahl
Bilder von besten Meistern der Altwiener Schule gespendet,
darunter Amerling, Dannhauser, Eybl, Fcndi, Gaiiermann,
George Mayer, Eanftl, Schiudler und Waldmüller. Vor-
läufig soll die Sammlung in .einem eigenen Zimmer des städ-
tischen Museums untergebracht werden und dieses Zimmer
nach dem Fürstlichen Spender genannt werden. Dieser hoch-
herzige Akt des Fürsten dürfte aber von weittragenden
Folgen für die Verwirklichung der schon längere Zeit ge-
planten Absicht sein, anlässlich des fünfzigjährigen Regie-
rungsjubiläums des Kaisers Franz Josef eine städtische Galerie
zu gründen, die die Werke älterer und jüngerer Wiener
Künstler enthalten soll. Hoffentlich findet das Beispiel des
großen Mäcens Nacheiferung.

-:- In Kopenhagen wurde am 22. Juli das neue Kunstin-
dustriemuseum feierlich eröffnet. Das in altnordischem Stile
aufgeführte prächtige Gebäude hat eine halbe Million Kro-
nen gekostet. Es enthält bedeutende öffentliche und private
Sammlungen einheimischer und fremder Kunstindustrie,
Sevres und Meißener Porzellane, Gobelins, französische
Emails, antike und moderne Kunstwerke und Kuriositäten.

*** Für die königliche Gemäldegalerie in Berlin ist ein
Gemälde des ferraresischen Meisters Francesco Cossa, der
bisher in der Galerie noch nicht vertreten war, angekauft
worden. Es ist eine Frauengestalt in einer hügeligen Land-
schaft. Ihre Attribute, Spaten, Hacke und eine Ranke mit
Weintrauben, deuten auf eine Allegorie des Ackerbaues oder
der Fruchtbarkeit.

R. B. Im Wiener Künstlerhause ist seit dem 1. Juli eine
Sommerausstellung von Gemälden und Handzeichnungen er-
öffnet, die trotz ihrer Kleinheit im engen Rahmen viel des
Interessanton bietet. Die Sammlung des Wiener Kunst-
freundes Horteitx führt uns Rene Reinickc, den Illustrator
der „Fliegenden Blätter", in seinen zart gefärbten Grisaillen
vor, die eine unglaubliche Virtuosität in Technik und
Auffassung verraten. Die Landschafter Robert Ruß, Jakob
Emil Schindler und Oswald Achenbaelt sind mit vorzüglichen
Leistungen vertreten. Außer dieser Sammlung sind noch
andere Werke ausgestellt, unter denen besonders Ed. Arm-
seder's „Römerbrücke bei Mostar" und das reizende Genrebild
von J. Rcvcsx, „Papa's Modell": ein am Boden hockender
Zigeunerjunge, der von zwei reizenden Blondköpfchen zag-
haft belauscht wird, hervorragen. Die graphische Kunst
ist durch mehrere Meisterwerke von W. Tinger nach van
Dyck (sog. Wallenstein), Fr. Hals (Heythuysen) und Rubens
(Des Meisters Söhne) aufs glänzendste repräsentirt. Ein voll-
endet feines Kabinettstück ist //. Toussaint's Radirung
nach Kaommerer „Die Romanze" (eine Dame aus dem Empire
singt im Salon zur Harfe), dessen Schönheit zu schildern
Worte nicht genügen. Fast ebenso tüchtig ist die Radirung
E. Champollion's in Paria nach Meissonier's „Kupferstich-
liebhaber". Die Heliogravüre nach Ed. Detaille's „Abzug
der französischen Garnison aus Hüningen 1815" wurde durch
die echt künstlerische Retouche ein sehr wertvolles Blatt.
Neben Leonhard Steiners (Hottingen-Zürich) farbenpräch-
tigen Schilderungen desAlpenlandes in zum Teil monumentaler
Auffassung bilden 108 Originalzeichnungen von G. W. Allers
„La bella Napoli" die eigentliche piece de resistance der
Sommerausstellung. Durch Witz und Humor belebt, wie alle
Schöpfungen von Allers, sind sie auch als Meisterwerke einer
einfachen, aber hochverfeinerten Technik der Bleistiftskizzi-
rung von größtem Interesse.

-:- Auf der Schweizerischen Kunstausstellung in Bern
wurden dreißig Kunstwerke an Private verkauft für etwa
18000 Franken. Der Bund kaufte dreiunddreißig Stücke für
etwa 50000 Franken. Außerdem beantragte die eidgenössische
Kunstkommission, ein Viertel der Kosten an das Bubenberg-
denkmal von Leu als Bundessubvention zu bewilligen.
Ferner beschloss dieselbe Kommission, dem Bundesrate vor-
zuschlagen, das Reglement betreffend den Ankauf von Ge-
mälden durch den Bund dergestalt zu ändern, dass fortan
Bilder, welche von Mitgliedern der Kunstkommission ausge-
stellt werden, vom Bunde nicht angekauft werden dürfen.

-:- Von österreichischen Künstlern wurden in Antwerpen
auf der Weltausstellung ausgezeichnet: mit dem Ehren-
diplome: Brozik, Klimt und Tilgner; die Medaille erster Klasse
erhielten: Fröschl, Hynais, Jettel, Knüpfer, Ribarz, Russ,
Veith, Schärft'; die Medaille zweiter Klasse: Bacher, Bernatzik,
J. v. Blaas, Hugo Charlemont, Hirschl, Moll, v. Ottenfeld,
Schräm, Schwaiger, Seligmann, Bitterlich und Michalek.

R. B. Die Kunstausstellung der Bodenseestädte Bregenx,
Konstanz und Überlingen wurde am 15. Juli in letzterem
Orte eröffnet.

Düsseldorf. In der Bismeyer'schen Kunsthandlung er-
regen seit kurzem die .Originalradirungen von Friedrich von
Sehennis berechtigtes Aufsehen. Es ist eine umfassende
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