Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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schaftlichen Mahle im Schießhause bewillkommnete
Kommerzienrat Nüsslein im Namen der Stadt die
fremden Gäste auf das herzlichste. Etwas spät ge-
langte die Gesellschaft auf den Michaelsberg, um
die Gemäldegalerie und die Sammlungen des
Historischen Vereins zu besichtigen. In raschem
Tempo musste jedoch bald der Weg zur Bahn ein-
geschlagen werden, und kaum reichte die Zeit, noch
einen Becher feurigen griechischen Weines zu
schlürfen, als das Signal ertönte, welches die Kon-
gressmitglieder nötigte, sich von den gastfreundlichen
und aufmerksamen Bamberger Herren zu trennen.
Der Tag in der alten Bischofsstadt, der so ange-
nehm verflossen, war der schönste Nachklang des
in harmonischer und fruchtbringender Weise zu
allseitiger Befriedigung durchgeführten Kunst-
historischen Kongresses.

KUNSTLITTERATUR.

— Dr. Gabriel von Terey bereitet mit Unterstützung
der reichsländischen Regier« ng und der Stadt Straßburg die
Herausgabe sämtlicher Handzeichnungen des Straßburger
Künstlers Hans Baidung gen. Orten in Originalgröße und
in Lichtdruck vor. Dieses Werk erscheint im Verlage von
J. H. Ed. Heitz (Heitz & Mündel) in Straßburg. — In
Kürze erscheint ebendaselbst vom gleichen Autor das „Ver-
zeichnis der Gemälde des Hans Baidung".

NEKROLOGE.

%* Der italienische Bildhauer Srcole Rosa, der Schöpfer
der Gruppe der Brüder Cairoli in Rom und des Victor-Eina-
nueldenkmals für Mailand, ist am 13. Oktober in Rom,
47 Jahre alt, gestorben.

%* Der Genre- und Landschaftsmaler Faid Borgmann,
Vorstand der Malerinnensehule in Karlsruhe, ist daselbst am
14. Oktober im 42. Lebensjahre gestorben.

*„* Der Landschaftsmaler Louis Spangenberg, Mitglied
der kgl. Akademie der Künste in Berlin, ist daselbst am
17. Oktober im 69. Lebensjahre gestorben.

PERSONALNACHRICHTEN.

*„* Dr. Konrad Lange, außerordentlicher Professor für
Kunstgeschichte an der Universität zu Königsberg, ist zum
ordentlichen Professor ernannt worden.

*„* Dem Landschaftsmaler Herrinann Schnee in Berlin
ist der Professortitel verliehen worden.

WETTBE WERBUNGEN.

*** In einem Wettbewerb um zwei Standbilder der Marl -
grafen Albrecht des Bären und Waldemar's für die neue
Mühlendammbrücke in Berlin haben sich - die Preisrichter
für die Ausführung der Entwürfe der Bildhauer Johannes
Boese (Albrecht) und Max Ungcr (Waldemar) entschieden.

DENKMÄLER.

H. A. L. Die neuen Fahnenmasten in Dresden, die zur
Erinnerung an den Besuch Kaiser Wilhelm's I. am 14. Sep-
tember 1S82 am Eingange der Hauptstraße in der Neustadt er-
richtet wurden, sind am l(i. September dieses Jahres in
Gegenwart Seiner Majestät des Königs feierlich enthüllt
worden. Die Anlage des Ganzen rührt von dem Architekten
Heinrich Schubert her, der damit einen neuen Beweis seiner
Vielseitigkeit und seines geläuterten Geschmackes abgelegt
hat. Der Unterbau besteht aus einem auf zwei Stufen
ruhenden achteckigen Postament, das in seiner ganzen brei-
ten und kräftigen Durchführung vortrefflich dazu geeignet
erscheint, zwei kolossalen Masten als Unterlage zu dienen.
Auf dem Postamente ruhen die runden bronzenen Sockel.
Sie sind mit den Medaillons Kaiser Wilhelm's und König
Albert's versehen, welchen Genien und Kranzträger, die sich
um den ganzen Sockel herumschlingen, ihre Huldigungen
darbringen. Die Medaillons, vollständig im Profil genom-
men, und die gesamte Bildhauerarbeit ist von dem Bild-
hauer Epler entworfen und glücklich durchgeführt worden.
Aus den beiden Sockeln ragen die eigentlichen Fahnenmasten
empor. Sie laufen oben in einen runden vergoldeten Reifen
aus, von denen der eine in der Mitte den deutschen Reichs-
adler, der andere den Löwen der Wettiner enthält. Jeder
Mast ist an seinem Unterbau mit einer aus Granit her-
gestellten Balustrade versehen, hinter der eine steinerne
Ruhebank angebracht ist. Auf den Pfeilern, in die die
Balustraden endigen, erhebt sich ein bronzener Kandelaber
von ähnlichen Formen, wie sie Schilling am Dresdener König
Johann-Denkmal angebracht hat. Das Ganze ist jedenfalls
von höchst erfreulicher Wirkung und seiner Bestimmung,
ein bleibendes Erinnerungszeichen an die Bundesfreundschaft
Kaiser Wilhelm's I. und König Albert's zu bilden, durchaus
würdig. Überraschend erscheinen jedoch die Kosten, die
sich nach offizieller Angabe auf 120 000 M. belaufen. Der
Grundgedanke des Denkmals soll von dem Oberbürgermeister
der Stadt Dresden, Dr. Stübel, herrühren.

*„* Denkmälerchronik. Am 18. Oktober wurde das von
dem Bildhauer Robert Bärwald in Berlin geschaffene Denk-
mal Kaiser Wilhelm's I. in Bremen in Gegenwart des Kaisers
Wilhelm II. enthüllt. — An demselben Tage fand die Ein-
weihung der Denkmäler des Kaisers Wilhelm I. und des
Kaisers Friedrich in Elberfeld statt. Beide sind nach den
Modellen von Gustav Eberlcin in Bronze gegossen worden.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

%* Uber die schon seit einem Jahrzehnt geplanten Er-
weiterungsbauten für die Berliner Kunstmuseen verlautet
jetzt, dass das Museum für die antiken Kunstwerke in nächster
Zeit ernstlich in Angriff genommen werden soll. Der Bau-
plan, von Professor Fritz Wolff entworfen, steht bereits fest.
Das Gebäude, das besonders die Bestimmung haben soll,
die Originale aufzunehmen, wird seinen Platz direkt hinter
der Nationalgalerie erhalten und in Anschluss an das Neue
Museum gebracht werden, wenn der Bau auch als selb-
ständiger durchgeführt werden soll. Woher freilich die da-
zu nötigen Mittel genommen werden sollen, wird in dieser
von Berliner Zeitungen verbreiteten Mitteilung nicht ange-
geben. Wie die „Kreuzzeitung" erfahren hat, sind in den
nächsten preußischen Staatshaushaltetat so geringe Mittel
für Kunstzwecke eingestellt worden, wie noch nie zuvor.

H. A. L. Parmnentenausstellung in Dresden. Bei Ge-
legenheit der kirchlichen Konferenzen, die alljährlich gegen
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