Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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Photographieen von Gemälden der Augsburger Galerie.

Sil

Hauses, auf deren große Bedeutung er zuerst hin-
gewiesen hatte. Zu noch umfassenderem Wirken
schien er berufen, als Kaiser Friedrich, der stets
sein huldvoller Gönner gewesen, den Thron bestieg.
Er wurde als Direktor an die Spitze einer neuen
Abteilung des Hofmarschallamts gestellt und mit dem
Titel „Geheimer Regierungsrat" ausgezeichnet. Wie
so viele in der Umgebung des Kaisers, scheint auch
er sich über den Umfang, den das Leiden Friedrich's
schon damals angenommen, getäuscht zu haben.
Man rechnete immerhin auf einige Jahre seiner Re-
gierung, und es war auch schon eine Benutzung des
Schlosses Bellevue für das kaiserliche Hoflager in
Aussicht genommen. In der Nähe dieses Schlosses,
am nordwestlichen Rande des Tiergartens ließ sich
Dohme von dem Architekten Ihne eine Villa im
Cottagestil erbauen, deren er sieb jedoch nur kurze
Zeit erfreuen konnte. Nach dem Tode Kaiser Fried-
rich's wurde Dohme zur Disposition gestellt. Er
schied aus seinem Amte, und während der nächsten
Jahre zwang ihn sein Gesundheitszustand, zu wieder-
holten Malen Aufenthalt im Süden zu nehmen. Erst
Ende Oktober 1891 trat er wieder in die Öffentlichkeit,
indem ihm zunächst provisorisch, dann am 1. Januar
1893 definitiv das Amt des ersten ständigen Sekretärs
der königlichen Akademie der Künste übertragen wurde.

In den Jahren 1885 bis 1887 entstand sein litte-
rarisches Hauptwerk, die „Geschichte der deutschen
Baukunst", die einen Teil der im Grote'schen Ver-
lage erschienenen „Geschichte der deutschen Kunst"
bildet. Auch hierin hat er, ohne viel Aufhebens zu
machen, mit manchen Irrtümern seiner Vorgänger
aufgeräumt, fast durchweg nach eigener Anschauung
gearbeitet und neue und eigentümliche Gesichts-
punkte aufgestellt. Noch in den letzten Jahren trug
er sich, wie schon oben erwähnt, mit einem großen
litterarischen Plane, mit einer allgemeinen Geschichte
des Wohnhauses, von dem eine fesselnd geschriebene
Studie über das englische Haus wenigstens eine
Probe bietet.

Schwerer als seine litterarische Thätigkeit fiel
die Wirkung seiner Persönlichkeit ins Gewicht. Ein
guter und edler Mensch, ein zuverlässiger Charakter,
ein Mann, der von den besten Absichten beseelt und
mit einer unermüdlichen Liebenswürdigkeit begabt
war, hätte er als Organisator und treibende Kraft
im Kunstleben Berlins Großes und Bleibendes
schaffen können, wenn ihn die Enge der Verhält-
nisse, mit der er zu rechnen hatte, nicht an der
vollen fruchtbringenden Entfaltung seines Wissens und
Könnens gehindert hätte. ADOLF ROSEXBERG.

PHOTOGRAPHIEEN VON GEMÄLDEN
DER AUGSBURGER GALERIE.

Während die Bilderschätze der großen europä-
ischen Museen durch die modernen Reproduktions-
mittel, in Einzelaufnahmen, Galerie- und Sammel-
werken weiten Kreisen zugänglich gemacht werden,
entbehren die kleineren nordischen Provinzialsamm-
lungen, namentlich die, die vorwiegend Denkmäler
der älteren deutschen Malerei enthalten, vielfach
noch verlässlicher Abbildungen ihrer Hauptstücke
und fast durchwegs einer Gesamtausgabe in Plioto-
graphieen. Erst neuerdings beginnt die gesteigerte
Teilnahme für die deutschen Meister des fünfzehn-
ten und sechzehnten Jahrhunderts sich auch in
einer regeren Publikation ihrer am Ursprungsorte
verbliebenen Schöpfungen und der wichtigeren
Lokalgalerieen zu äußern. So sind als besonders
willkommener Zuwachs unseres Anschauungsmate-
rials 138 Blatt Photographieen nach Gemälden der
Augsburger Galerie zu verzeichnen, die Hofphoto-
graph Friedrich Hoefk daselbst, bekannt durch seine
Reproduktionen kunstgewerblicher Gegenstände aus
dem Fugger-Museum, vor kurzem aufgenommen hat.
Diese auf orthochromatischem Wege Ii ergestellten
Nachbildungen in Großfolioformat, von welchen
das Juliheft der Zeitschrift in der Autotypie nach
Altdorfer's „Geburt Mariae" bereits eine Probe ge-
bracht hat, bedeuten nicht nur einen außerordent-
lichen Fortschritt gegenüber den älteren Aufnahmen
Noehring's und den rußigen Blättern Danner's; in
der Schärfe der Lichter, Klarheit der Tiefen, treuen
Wiedergabe der Tonstärken lässt die Mehrzahl nichts
zu wünschen übrig und kann getrost einen Ver-
gleich mit den gelungensten neueren Leistungen des
Münchener, Wiener und Berliner Kunstverlages auf-
nehmen.

Bei der Auswahl der Bilder, die in dem vor-
liegenden Prospekte manche Umtaufe nach dem
gegenwärtigen Stande der Forschung erfahren, wurde
mit Recht der Sonderchai-akter der Sammlung be-
tont, die ja zum guten Teile ein Augsburger Boden-
produkt ist. Am reichsten vertreten erscheinen also
die Meister der alten Schwabenschulen, Zeitblom mit
den Scenen aus der Valentinslegende, Holbein Vater
und Burgkmair mit den berühmten Basilikenbildern
und ihren übrigen, in der Galerie vorhandenen, teil-
weise für das ehemalige Katharinenkloster, den der-
zeitigen Aufbewahrungsort der Sammlung, aus-
geführten Altar- und Votivgemälden, Ulrich Apt
mit dem ihm vor kurzem zurückgegebenen Rehlinger-
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