Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

Page: 203
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1894/0111
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
203 Klinger-Ausstellung in Leipzig. 204

Institutes interessirten deutschen und mit der deutschen Wissenschaft eng verbundenen Staaten wenden
können mit der Bitte, dasselbe zu Subventioniren.

Zur Förderung dieser Angelegenheit hat der Kongress ein aus fünfzehn M itgliedem bestehendes
Komitee gewählt und mit der Leitung der Geschäfte Herrn Prof. Dr. Max Georg Zimmermann betraut,
welcher mit den Herren Konservator Adolf Bayersdorfer und Prof. Dr. August Schmarsow den geschäfts-
führenden Ausschuss des Komitees bildet.

Zuwendungen an Geld nimmt das Bankhaus Mendelssohn & Co. in Berlin, an Studienmaterial die
Verlagsbuchhandlung von F. A. Seemann in Leipzig entgegen. Einzeichnungen zu jährlichen Beiträgen
und alle das Institut betreffenden Korrespondenzen sind an Herrn Prof. Dr. M. 67. Zimmermann unter
der Adresse des genannten Bankhauses zu richten.

Uber die eingelaufenen Beiträge wird in der „Kunstchronik" quittirt werden.
Ad. Bayersdorfer, Konservator, München. Gustav von Bexold, Konservator, München. Geh.
Rat Dr. Wilhelm Bode, Galeriedirektor, Berlin. Hans Boesch, Museumsdirektor, Nürnberg.
Comm. G. B. Cavalcaselle, Rom. Dr. Paul Giemen, Provinzialkonservator, Bonn. Dr.
G. Behio, Universitätsprofessor, Straßburg. Dr. L. Dietrichson, Universitätsprofessor,
Ghristiania. Prof. Comm. Graf D. Gnoli, Präfekt der Bibliothek, Rom. Dr. Berthold
Ilaendcke, Privatdozent, Bern. Dr. C. Hofstede de Groot, Galeriedirektor, Haag. Henri
Hymans, Professor, Brüssel. Geh. Ob.-Reg.-Rat Dr. Max Jordan, Berlin. Geh. Rat Dr.
Justi, Universitätsprofessor, Bonn. Geh. Rat. Dr. F. X. Kraus, Universitätsprofessor,
Freiburg i. B. Dr. Julius Lange, Universitätsprofessor, Kopenhagen. Dr. Carl von Lützow,
k. k. Professor, Wien. Dr. J. Neuwirth, k. k. Professor, Prag. Dr. A. von Oechelhäuser,
Professor, ICarlsruhc. Dr. Karl von Pulszky, Galeriedirektor, Budapest. F. Ridolfi, Galerie-
direktor, Florenz. Dr. August Schmarsow, Universitätsprofessor, Leipzig. A. Schnütgen,
Domkapitular, Köln. Dr. Hans Semper, Universitätsprofessor, Innsbruck. Dr. Sokolowski,
Universitätsprofessor, Krakau. Dr. Henry Thode, Universitätsprofessor, Heidelberg. Dr.
/. /. Tikkanen, Privatdozent, Helsingfors. Dr. G. Upmark, Museumsintendant, Stockholm.
Professor Adolfo Venturi, Galeriedirektor, Rom. Dr. H. Weizsäcker, Galeriedirektor, Frank-
furt a. M. Dr. IL Wölfflin, Universitätsprofessor, Basel. Prof. Dr. Max Georg Zimmer-
mann, z. Z. Rom.

KLINGER-AUSSTELLUNG IN LEIPZIG.

Im Leipziger Kunstverein ist gegenwärtig eine
der interessantesten Ausstellungen, die den Mit-
gliedern in den letzten Jahren geboten wurden, zu
sehen. Der Künstler Max Klinger, dessen Name
zur Parole in einem lange andauernden Kunststreite
geworden ist, hat nahezu alle seine Radirungen,
vier Gemälde und ein polychromirtes Marmorwerk
ausgestellt und versetzt nun auch in Leipzig die
sonst so friedlicli durch die Räume pilgernden Kunst-
freunde in einige Erregung. Statt des flüchtigen
Grußes und einiger rasch geflüsterter Urteile im
Zwiegespräch hört man jetzt lebhafte Diskussionen
einzelner Gruppen, in denen die ästhetische Gärung,
die Klinger's Werke um sich verbreiten, massen-
hafte Geistesblasen aufwirft. Je nach dem Tempe-
rament und Charakter werden die Urteile zaghaft
mit Einschränkung preisgegeben oder rückhaltslos
und mit Entschiedenheit vorgebracht. Über die Be-
deutung der Radirungen, die selbständige künst-

lerische Energie, die in ihnen waltet, gehen die
Meinungen kaum noch auseinander; dass hier eine
flugkräftige Seele eigenen hohen Zielen zustrebt,
wird auch denen deutlich, die durch den fremd-
artigen, drückenden, visionären Zauber dieser Schö-
pfungen sich eher innerlich geängstigt als befreit
fühlen. Klinger hat als Künstler etwas Gewalt-
sames; in seinem Wesen drückt sich eine starke
Spannung aus, die in den Radirungen zugleich Aus-
druck und Befreiung sucht. Man möchte seine
Werke darin denen Goethe's ähnlich nennen, dass
er die Empfindung seiner aufwallenden Seele zu
dämpfen sucht, indem er ihnen künstlerische Form
verleiht. Vor seinen Gemälden stehen dagegen viele
ratlos, die sonst den guten Willen haben, in die
Beifallsäußerungen der begeisterten Anhänger Klin-
ger's einzustimmen. Dass hier dieselbe starke Natur
mit dem Stoffe ringt, empfindet man deutlich; aber
nicht minder, dass hier der Kampf ungleich schwerer
ist. Gefällig, d. h. dem landläufigen Lustbedürfnis
entsprechend, sind seine Bilder keinesfalls. Ein Ko-
loading ...