Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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419 Nekrologe. — Pcrsonalnachrichten. — Wettbewerbungen. — Sammlungen und Ausstellungen. — Vermischtes. 420

NEKROLOGE.

*,* Der Bildhauer Prof. h'obert Härtel, Lehrer an der
königl. Kunstschule in Breslau, ist daselbst am 5. Mai im
04. Lebensjahre gestorben.

%* Der französische Tiermaler und Jiadirer Charles
Jacque, dessen Spezialität die Darstellung der Schafe war,
ist am 7. Mai zu Paris, 81 Jahre alt, gestorben.

%* Der französische Maler Emil Renouf, der sich be-
sonders durch Marinen und Strandbilder mit oft dramatisch
bewegter Staffage bekannt gemacht hat, ist am 6. Mai in
Havre im Alter von 49 Jahren gestorben, (vgl. Ztschr.XIX,S.2(il.)

%* Der Landschaftsmaler Hermann Bauch, Professor
an der Kunstakademie in Karlsruhe, ist daselbst am 18. Mai
im 48. Lebensjahre gestorben.

PERSONALNACHRICHTEN.

%* Karl Humann in Smyrna, der Leiter der deutschen
Ausgrabungen in Kleinasien, der bereits den Titel eines
Direktors an den königlichen Museen in Berlin führt, ist
zum (icheimen Regierungsrat ernannt worden.

*„* Dem Dr. Hugo von Tsehudi, Direktorialassistenten
bei den königlichen Museen in Berlin, ist der Charakter als
Professor beigelegt worden.

%* Zum ersten Direktor des German/scheu Museums
in 'Nürnberg ist vom Verwaltungsausschuss der Architekt
Gustav von Bez,old, Konservator am bayrischen National-
museum in München, gewählt worden.

WETTBE WERBUNGEN.

* Goethe-Denkmal in Wien. Zwischen den beiden Wiener
Bildhauern, Prof. E. Hellmer und Prof. V. Tilgner, welche
bei der früheren Konkurrenz die meisten Stimmen erhielten,
war ein engerer Wettbewerb ausgeschrieben, welcher kürz-
lich durch den Spruch einer fünfgliedrigen Jury entschieden
wurde. Dieselbe beschloss (mit 4 Stimmen gegen 1), die
Ausführung des Denkmals dem Prof. E. Hellmer zu über-
tragen. Die Modellskizze des genannten Künstlers weicht
nur in wenigen Punkten von dem früheren Entwurf ab, den
wir seinerzeit den Lesern vorführten. (Zeitschrift, N. F. 1.
S. 267.) Goethe ist sitzend dargestellt, ein Buch in der
Linken, den Blick sinnend in die Weite gerichtet.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

Heinrieh Pudor's „Einerausstellung". An Riesenaus-
stellungen verliert man den Geschmack. Wir hatten dann
Einunddreißiger-, Vierundzwanziger-, Elferausstellungen. Mit
der Erkenntnis der Mängel großer Bildermärkte geht hier
und da wachsendes Selbstbewusstsein der Aussteller Hand
in Hand. Eine .,Eincraus8tellung" ist eigentlich die Kon-
sequenz, auf die wir hinsteuern. Heinrich Pudor (eine Zeit-
lang verdeutschte er sich in „Scham") hat, indem er eine
solche in München eröffnete, auf diese und andere Schwächen
unserer Zeit eine ganz gute Parodie geschaffen. In der Ein-
leitung zu seinem Katalog sagt er: ,,tch bin weder Maler,
noch Bildhauer, ich bin eben einfach Heinrich Pudor, der
sich allerdings manchmal zu künstlerischer Thätigkeit an-
geregt fühlt." Welche bittere Satire auf den Persönlich-
keitskultus unserer Zeit, der leider so oft vom Dilettantismus
sich dupiren lässt und von Charlatanen gemissbraucht wird!
So sind auch hier plastische Arbeiten, Porträtbüsten Beetho-
vens, der Duse, traurige Zeugnisse des Kampfes zwischen
Wollen und Können, bei unglücklichem Ausgang, und Far-
benskizzen, über denen wohl ein gewisses symphonisches
Farbengefühl schwebt, aber eben nur mit Wohlwollen zu

ahnen, nicht erfreuend eindrucksvoll, eben weil die wesent-
liche Vorbedingung, das Können, fehlt, dessen auch eine
Persönlichkeit wie Heinrich Pudor nicht entraten kann. So
wird, was nicht durch reife Originalität Achtung gebieten
kann, zu Lächerlich Originellem, zur Parodie vielleicht ganz
gut; schade darum, dasa es eigentlich anders gemeint war.

H. S.

VERMISCHTES.

0. H. Aus dem römischen Kunstleben. Ein beklagens-
werter Verlust steht den Kunstschätzen Roms bevor, die in
den letzten Jahren schon so manches infolge der finanziellen
Nöte ihrer Besitzer eingebüßt haben. Der Fürst Buoncam-
pagni-Ludovisi, der bereits die Villa, welche seine Antiken-
sammlung barg, zu Bauplätzen verkauft hat, ist im Begriff,
jetzt auch eines der wertvollsten Stücke der Sammlung selbst
nach Amerika zu verhandeln. Es ist die erst im Jahre 1887
auf dem Territorium der Villa aufgefundene dreiseitige Re-
liefdarstellung, welcher man griechischen Ursprung zuspricht
und als deren Gegenstand Eugen Petersen das Hervorgehen
der Aphrodite aus der Meeresflut erkannt hat. Es wäre in
der That ein sehr trauriges Ereignis, wenn dieses Stück, das
höchst wahrscheinlich auf der Stelle, wo es gefunden ist,
einen Tempel der Göttin geschmückt hat, auswandern sollte.
Nach dem Fideikommissgesetz ist es freilich nicht zurückzu-
halten, da es wegen seiner späten Auffindung nicht zu dem
eigentlichen Familienbesitz zählt. Wohl aber hat der Staat
ein Vorkaufsrecht, und es wäre sehr angebracht, es hier zu
üben; indes der ausbedungene Preis beträgt ISO000 Frank,
und die italienische Finanzlage ist bekanntlich für große
Extraausgaben gerade jetzt wenig geeignet. — Eine künst-
lerische Bereicherung, die Rom seit kurzem erhalten hat,
könnte bei oberflächlicher Beurteilung überflüssig scheinen,
wird aber von den Kennern antiker Kunst um so mehr ge-
würdigt werden. Es ist ein Gipsmuseum für archäologische
Studien, zunächst zu Universitätszwecken, dann aber auch
zu Gunsten des größeren Publikums gegründet worden. Ein
solches fehlte bis jetzt vollständig, und so übergroß der
Reichtum an plastischen Werken des späteren Altertums
ist, so wenig war ein unmittelbares vergleichendes Studium
zwischen diesen und den Werken der griechischen Kunst-
blüte und ihrer Vorstufen möglich, da die Anzahl griechi-
scher Originalwerke in den römischen Galerieen bekanntlich
sehr gering ist und sie auch, soweit sie vorhanden sind,
meist erst einer späteren Epoche angehören. Bei der Ein-
richtung des Gipsmuseums ist demgemäß das Hauptgewicht
auf die Werke der älteren griechischen Kunst gelegt worden;
neben archaischen Arbeiten finden wir besonders die Kunst
des Zeustempels von Olympia und des Parthenon vertreten.
Die Sammlung befindet sich in dem neuen Stadtteile, welcher
sich unterhalb des Aventin nach dem Tiber hinzieht. Ihre
Begründung verdankt man zumeist dem aus Österreich stam-
menden Universitätsprofessor Dr. E. Loewy, welcher zunächst
für die dringenden Erfordernisse seiner Lehrthätigkeit sich
dies unentbehrliche Hilfsmittel geschaffen hat und für die
Weiterführung eifrig thätig ist. — Im künstlerischen Schaf-
fen der Deutschen in Rom nimmt gegenwärtig die Skul-
ptur die erste Stelle ein. Besonderes Interesse beansprucht
die von Volkmann eifrig gepflegte polychrome Technik. Der
Künstler, der in den letzten Jahren besonders durch das
für dio Universität Halle bestimmte Kolossalmonument seines
Oheims, des berühmten Chirurgen, bekannt geworden ist,
folgt in seinem Schaffen durchaus antiken Traditionen, hat
sich aber zugleich mit Glück bemüht, die uns verlorene,
erst durch gelehrte Forschungen wieder entdeckte, farbige
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