Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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KUNSTCHRONIK

WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND KUNSTGEWERBE.
Ankündigungsblatt des Verbandes der deutschen Kunstgewerbevereine,

HERAUSGEBER:

CARL VON LÜTZOW und DR. A. ROSENBERG

WIEN BERLIN SW.

Heugasse 58. Teltowerstrasse 17.

Verlag von E. A. SEEMANN in LEIPZIG, Gartenstr. 15. Berlin: W. H. KÜHL, Jägerstr. 73.

Neue Folge. V. Jahrgang. 1893/94. Nr. 17. 1. März.

Die Kunstchronik erscheint als Beiblatt zur „Zeitschrift für bildende Kunst1' und zum „Kunstgewerbehlatt11 monatlich dreimal, in den
Sommermonaten Juli bis September monatlich einmal. Der Jahrgang kostet H Mark und umfasst 33 Nummern. Die Abonnenten der „Zeit-
schrift für bildende Kunst" erhalten die Kunstchronik gratis. — Für Zeichnungen, Manuskripte etc., die unverlangt eingesandt werden,
leisten Redaktion und Verlagshandlung keine Gewähr. Inserate, ä 30 Pf. für die dreispaltige Petitzeile, nehmen außer der Verlagshandlmig
die Annoncenexpeditionen von Haasenstein & Vogler, Rud. Mosse u. s. w. an.

NEUE FARBIGE REPRODUKTIONEN.

Vor etwa zwei Jahren lenkten wir die Auf-
merksamkeit der Leser auf das wiedererwachte In-
teresse für den Farbenstich des vorigen Jahrhunderts,
für die Blätter eines Janinet und Debucourt: eine
Geschmacksrichtung, die in dem allgemeinen male-
rischen Zuge der Gegenwart ihre hinreichende Er-
klärung findet. Wiederholte Ausstellungen farbiger
Kupferstiche und Holzschnitte älterer Meister haben
inzwischen kräftig dazu beigetragen, den Sinn des
Publikums für die farbige Reproduktion zu fördern,
und so konnte es nicht fehlen, dass auch die mo-
derne photomechanische Technik von der Bewegung
Nutzen zog. Anfangs kämpfte sie dabei mit mannig-
fachen Schwierigkeiten. Heute sieht man bereits eine
ganze Reihe photographischer und artistischer Ver-
lagsanstalten und Institute sich erfolgreich bemühen,
die Mittel der Photogravüre, des Lichtdrucks und der
ihnen verwandten Reproduktionsarten zur Erzeugung
farbiger Drucke auszunützen, welche mit den Werken
der alten Meister in die Schranken treten können.

Das größte Verdienst um den Fortschritt auf
diesem Gebiet und zugleich den glänzendsten Erfolg
seiner Leistungen kann wohl unbestritten das Pariser
Haus Goupü & Co. (gegenwärtig Boussod, Valadon
& Comp.) für sich in Anspruch nehmen. Und zwar
vorwiegend durch die von ihm hergestellten Aquarell-
Faksimiles. Die Technik dieser köstlichen Blätter
unterscheidet sich — abgesehen davon, dass sie nicht
durch Stich, sondern durch Photogravüre hergestellt
sind — von den Werken der französischen Farben-
stecher des vorigen Jahrhunderts dadurch, dass die

farbige Wirkung nicht durch mehrere, sondern nur
durch eine einzige Platte hergestellt ist, in welche
die Farben eingemalt oder eingerieben werden. Das
Verfahren ähnelt in dieser Beziehung der alten eng-
lischen Technik, welche sich gleichfalls zur Herstel-
lung ihrer Farbendrucke bloß einer Platte bediente.
Nur in seltenen Fällen ist die Zeichnung der Bilder
in Umrissen erkennbar. Die meisten erscheinen wie
duftig und zart bebandelte Pinselarbeiten und geben
so den Eindruck von Aquarellen täuschend wieder.
Es gehört freilich eine solche Reihe glänzend ge-
schulter Talente dazu, wie sie der Pariser Kunstan-
stalt zur Verfügung stehen, um den durchgängigen
Reiz und Wert dieser Produktion zu erklären.
Aber auch dem Geschick der von Goupil beschäf-
tigten Techniker, dem unermüdlichen Streben nacb
der höchstmöglichen Vollendung des Reproduktions-
mittels, muss ungeteilte Bewunderung gezollt werden.
Kunst, Fleiß und Energie haben hier zusammenge-
wirkt, um eine Blüte der reproduktiven Technik
hervorzubringen, welche in ihrer Art keinen Rivalen
besitzt.

Eines der ersten, von Goupil in dieser Weise
vervielfältigten Werke war der 1878 erschienene
„Hussard et son cheval" nach Ed. Delaille. Das
meisterhaft gezeichnete und in seiner vollen
blühenden Farbenpracht reproduzirte Blatt hatte
einen enormen Erfolg. Dann kam (etwa 1880) die
reizende „Pierrette" nach Madrazo, eine zierliche Ge-
stalt im rosafarbenen, mit Schwan besetzten Män-
telchen; ferner „Le pensionnat" nach Mad. Madelei nr
Leinaire, der geistreichen Illustratorin des „Abbe
Constantin", mit dem köstlichen Gänsemarsch der
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