Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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Nekrologe. — Denkmäler. — Sammlungen und Ausstellungen.

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in die Natur und ihre reizvolle Schönheit, das Ein-
fache und Wahre durchwertet von eines Künstlers
seelischem Auge. Frau Martha Krötirr hatte zwei Still -
leben ausgestellt, von denen das eine so merkwürdig
viel besser ist als das andere, dass der Verdacht,
wie weit wohl des Gatten Meisterhand — ergänzend
eingegriffen habe, sich einschleichen möchte. „Zurück
in den Orkus, schnöder Verdacht!" und zu den
anderen Landschaften, deren eine ganze Fülle vor
uns hing. Petersen-Angeln hat wieder zwei Dünen-
bilder aus Holland gemalt, die bei duftiger Luftper-
spektive und sonniger Helle Freilichtbilder par excel-
lence genannt zu werden verdienen und auf gleicher
Höhe mit dem im vorigen Jahre von der städtischen
Galerie angekauften stehen. Georg Maccos immer
groß angelegte Hochgebirgsmotive wirkten diesmal
etwas gar zu kahl und öde, besonders das große
Gletscher-Schneebild, von Canal's „Westfälische
Mühle", bei der die Silberpappeln und überhaupt
die feine silber-bräunliche Gesamtstimmung meister-
haft durchgeführt ist, gehörte zu dem Besten der
Ausstellung. Alfred Graf Brühl (früher ein Kröner-
schüler) erreicht ihn noch nicht an Kraft und Sicher-
heit, wohl aber an feinem Tongefühl. Das kleine
Bild „Schlechter Wind" mit dem schnobernden
Hirsch im Walde ist intim und stimmungsvoll. Böh-
mer's Behandlung des Buchenwaldes ist sehr gut.
Er weiß immer eine richtige Bildwirkung zu er-
zielen. Carl Jutz, der sich so oft wiederholt und
doch nicht langweilig wird, führte seine alten Lieb-
linge, Enten und Hühner, vor, die er immer in
sprühender Farbenfrische und liebevoller humori-
stischer Durchführung zu variiren nicht müde wird.
Vermutlich auch deshalb nicht, weil seine Hühner
ihm mehr einbringen, als es das lebendige Federvieh
in der Regel zu thun pflegt. Des Malers ohne Arme,
Adam Siepen, kleines Waldbild mit der weiblichen
Figur ist in Anbetracht, dass der Urheber mit den
Füßen malt, ein erstaunlich-sauberes Stück Malerei
und liefert den Beweis, wie weit Talent und Liebe
zur Kunst körperliche Gebrechen zu überwinden ver-
mögen. Als Landschafter sind noch zu nennen: Dau-
benspeck (besonders die duftige „Morgenstimmung"),
Heinrich Deiters, dessen „Morgenfrühe vor einem
westfälischen Städtchen" und die Aquarelle ihn von
der besten Seite zeigen, Fahrbach, Ebel, Jacobson,
Metzener, Ernst Tannerl und Adolf Schweizer. Des
letzteren „Mondaufgang an der südlichen Küste von
Norwegen" ist ein schönes tiefgestimmtes Gemälde.
Die Luft ist vortrefflich im Ton. Auch sein „Früher
Schnee" zeigt den tüchtigen Landschafter, der mit

größeren Massen Weiß umzugehen versteht. Die
Ausstellung in der Kunsthalle machte im ganzen
einen sehr geschlossenen, künstlerisch ruhigen und,
wie gesagt, vorwiegend landschaftlichen Eindruck.
Vor den „Jungen" brauchte sie sich diesmal nicht
zu verstecken, eher möchten wir glauben, reichlich
so viel nicht Gelungenes dort wie hier gesehen zu
haben. Doch wozu vergleichen? Nehmen wir für
diesmal von den „Alten" Abschied!

[Schluss folgt.)

NEKROLOGE.

= tt. Basel. Am 31. März starb im Alter von 94 Jah-
ren der Kunstmaler Anton Winterte, der in Degerfelden im
Bezirksamte Lörrach in Baden geboren, aber schon mit
18 Jahren nach der Schweiz gegangen war und in der Stadt
Basel seinen Wohnsitz genommen hatte, wo er auch seinen
dauernden Wirkungskreis gefunden hat.

= tt. Heidelberg. Am 5. April starb im Alter von 97
Jahren der Geschichtsmaler Professor Koopmann, vordem
durch Jahrzehnte Lehrer des Figurenzeichnens an der groß-
herzoglichen Technischen Hochschule in Karlsruhe.

*„* Baurat Prof. Br. Constantin Lipsius, der Erbauer
des Johannishospitals und der neuen Peterskirche in Leipzig,
der Börse in Chemnitz und der Kunstakademie auf der
Briihl'schen Terrasse in Dresden, ist daselbst in der Nacht
vom 10. zum 11. April im 62. Lebensjahre gestorben.

%* Adolf Friedrieh Graf von Schach ist am 14. April
in Rom im 79. Lebensjahre gestorben.

*** Der Schriftsteller Ludwig Pfau, der sich auch als
Schriftsteller und Kritiker auf dem Gebiete der Kunst und
des Kunstgewerbes bekannt gemacht hat, ist am 12. April
in Stuttgart im 73. Lebensjahre gestorben.

DENKMÄLER.

= tt. Karlsruhe. Die von Professor Vblx, geschaffene
Marmorbüste der Großherzogin Luise von Baden wurde in
dem von der Stadtgemeinde erbauten Luisenhause mit ent-
sprechender Feierlichkeit auf einem schönen Postamente von
Marmor zur Aufstellung gebracht.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

A. R. Aus den Berliner Kunstausstellungen. Das Ber-
liner Ausstellungstreiben artet mehr und mehr zu einer wilden
Hetzjagd aus, die einen ruhigen Genuss und eine ruhige Prü-
fung der gebotenen Dinge ausschließt. Seitdem Eduard
Schutte, um dem Ansturm seiner beständig wachsenden Clien-
tel zu genügen, den Entschluss gefasst hat, aller drei Wochen
neue Bilder aufzuziehen, mussten ihm seine beiden Kon-
kurrenten Qurlitt und Amsler & Ruthardt notgedrungen folgen,
um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Zu diesen drei strömt
alles, was in Berlin durchdringen will, da die permanente
Ausstellung des Vereins Berliner Künstler im Laufe des letzten
Jahres keine starken Anziehungspunkte mehr geboten hat
und auch sonst, anscheinend aus mangelndem Interesse der
eigenen Mitglieder, zurückgegangen ist. Bei Schulte ist die
zweite Aprilwoche mit einer Sonderausstellung des Düssel-
dorfer St. Lukasklubs eingeleitet worden, der zwölf Mit-
glieder in sich schließt, die zum Teil auch der Düsseldorfer
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