Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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3 Uhr: Besuch der Kirchen St. Gereon, St. Ursula und der Jesuiten.

5 „ Bericht des Ausschusses über das in Florenz zu gründende kunstgeschichtliche Institut.

Bemerkungen und Wünsche des Herrn Dr. B. Haendcke-3en&: Über die Gründung einer inter-
nationalen kunsthistorischen Bibliographie.

7 „ Konzert im Volksgarten.

Mittwoch, den 3. Oktober.

9 Uhr: Vortrag der Herrn Prof. Dr. M. Q. Zimmermann-Godesberg bei Bonn: Das germanische Element
in der oberitalienischen Plastik bis zum Ende der romanischen Periode.
Vortrag des Herrn Prof. L. D*e<ncAsow-Christiania: Die Domkirche zu Drontheim.
Vortrag des Herrn Prof. Dr. M. Schmid-Aachen: Lichtbilderapparate im kunsthistorischen
Unterricht.

Vortrag des Herrn Architekten Äwefe-Nottuln b. Münster: Der Einfluss des Materials auf die
Kunstformen.

2 „ Besichtigung des kunstgewerblichen Museums.
5 „ Gemeinsames Mittagessen im Gürzenich.
9 „ Bierhock im Pschorrbräu.

ZUM GEDÄCHTNISSE FRIEDRICH
SCHMIDTS.')

Eine der wichtigsten und zugleich wenigst be-
kannten Seiten der weitverzweigten Thätigkeit des
Wiener Dombaumeisters Friedrich Frhrn. v. Schmidt
war sein Wirken als Mitglied der k. k. Centrai-
kommission, in deren Bereich bekanntlich die Ob-
sorge über die Erhaltung und Restaurirung der Bau-
denkmale des österreichischen Kaiserstaates fällt.
Dreißig Jahre lang (von 1860—1890) nahm Schmidt
in diesem Kollegium von Archäologen, Historikern
und Künstlern eine hervorragende Stellung ein;
mehrere hundert ihm zugewiesene bauliche oder
sonstige künstlerische und technische Angelegen-
heiten behandelte er teils mündlich, teils in schrift-
lich der Kommission vorgelegten Referaten.

Es ist aufs lebhafteste zu bedauern, dass über
die mündlichen Äußerungen des berühmten Archi-
tekten, welche mitunter Fragen der gewichtigsten
Art betrafen, keinerlei schriftliche Aufzeichnungen
eiistiren. So sind z. B. Schmidt's wiederholte und
ausführliche im Schöße der Kommission gehaltene
Vortrüge über die Fortschritte seiner Leistungen als
Dombaumeister von St. Stephan in Wien für immer
verhallt, ohne dass etwaige Notizen zu oder aus
denselben, sei es im Nachlasse des Verstorbenen,
sei es in den Akten der Centraikommission, sich
vorfänden.

1) Urteile und Gutachten aus der Zeit seiner Wirksam-
keit als Mitglied der k. k. Gentralkommission für Kunst-
und lristorische Denkmale. Wien, Verlag der k. k. Centrai-
kommission. 1893. VI u. 91 S. 8.

Mit um so lebhafterem Danke muss man es
begrüßen, dass ein nicht geringer Teil der von
Schmidt abgegebenen Gutachten in schriftlicher
Form vorliegt und uns in dem hier besprochenen
Hefte von kundiger Hand gesichtet und nach Län-
dern geordnet dargeboten wird. Nicht nur der
Techniker und Baumeister, sondern auch der Ar-
chäolog und Kunstfreund wird aus den Bemerkungen
Schmidt's die reichste und interessanteste Belehrung
schöpfen. Das Verdienst, diese Arbeit angeregt und
sachgemäß durchgeführt zu haben, gebührt einem
pietätvollen Schüler des Verstorbenen, dem Baurate
Karl Rosner in Wien, welcher die gesamten Referate
Schmidt's einer Durchsicht unterzog und alles heraus-
hob, was für die Zukunft von Wert und Nutzen
sein kann. Hofrat Dr. Karl Lind veranstaltete dazu
noch eine nicht unergiebige Nachlese. Die Centrai-
kommission fügte dem Text aus ihrem Vorrat eine
Anzahl instruktiver Holzschnitte bei.

Gleich das erste Bauwerk, mit welchem sich
mehrere detaillirte Berichte Schmidt's beschäftigen,
ist durch seine Bedeutung und seine merkwürdige
Geschichte ganz geeignet, in dieser Beleuchtung
allgemeines Interesse zu erwecken: der St. Veitsdom
auf dem Hradschin zu Prag. Schmidt nennt ihn
„das kühnste und verwegenste Bauwerk, welches
vielleicht existirt" und sagt, die eingehende Besich-
tigung des Chores habe in ihm „eine Art von Ent-
setzen" erregt. Zugleich drückt er (1868) der gegen-
wärtigen Bauleitung seine volle Hochachtung aus.
Eingehende Vorschläge macht er über die Ableitung
des Wassers, die nach dem von den alten Meistern
angewendeten System den unfehlbaren Ruin aller
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