Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 3.1969

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gotische Kirche in Liptovská Mara dann für
kulturelle und Bildungszwecke als ein museales
Objekt werwendet werde, in welchen Gegenstände
mittelalterlicher Kunst instalhert. werden sollen.
Ein weiteres bedeutsames Objekt befindet sich
in der Gemeinde Parižovce, die im Jahre 1341 mit
der Benennung Zabopalfde und im Jahre 1387
als Parishaza erwähnt wird; die Gemeinde war
ein Frongut der Familie Dvornik.
Es handelt sich um ein herrschaftliches Schloss-
gebäude in spätgotisch-Renaissance-St.il aus den
Jahren 1490—1310, welches in der ersten Hälfte
des 17. Jh. erweitert und renoviert wurde.
Es ist ein einstöckiges Blockgebäude auf einem
rechteckigen Grundriss mit ursprünglicher Dispo-
sition. Die vierachsige, zum Hof orientierte
Fassade hat einen steinernen, spätgotischen Krag-
sturzbogen mit Stäben, mit einem k einen Wappen
und einer viereckigen VentiHationsöffnung. Aus
der Eintrittshalle führen Türen in die Räume des
Erdgeschosses und eine steinerne Stiege zum
Stockwerk. An der rechten Seite des Stockwerks
befand sich ursprünglich ein Repräsentationssaal
mit Wandmalereien geschmückt. In den einzelnen
Räumen blieben die Renaissance-Tonnengewölbe
mit Lünetten erhalten; die ursprünglichen go-
tischen dekorativen Wandmalereien wurden mit-
tels Sondage festgestellt. An der Nordseite des
Gebäudes befinden sich spätgotische Fenster
kleineren Ausmasses. Der auf schweren Pfeilern
ruhende Portikus-Zubau, der dem spätgotischen
Portal vorgebaut wurde, stammt aus der Spät-
renaissance-Erweiterung des Schlosses. Interessant
am Objekt ist das Renaissance- Hahnenbalken -
Walmdach. Anstatt der ehemaligen Schindelbe-
deckung ist das Dach heute mit Eternit bedeckt.
Das Schloss als Ganzes, mit seiner grossen
Anzahl ursprünglicher gotischer und Renaissance-
Artikel (Portalen, Fenstern, Gewölben, Wand-
malereien), weiters was die ursprüngliche Dispo-
sition und Ausstattung des Objektes anbelangt,
ist — soweit uns bisher bekannt — ein Unikat
in der Slowakei. Dort wo das Schloss steht, soll das
Niveau des Stausees 29 m hoch über dem Terrain
liegen. In Anbetracht des ausserordentlich hohen
kulturellen und künstlerisch-historischen Wertes
des Objektes wird hiermit seine Verlagerung auf
einen anderen Ort empfohlen, nachdem eine
Rettung an Ort und Stelle nicht möglich ist,

wobei bemerkt werden muss, dass auch die
theoretische Möglichkeit der Rettung des Objektes
mittels Hochhebung auf eine künstliche Insel
in Erwägung gezogen wurde.
Die Rettung des Objektes mittels Verlagerung
auf einen anderen Ort kann alternativ wie folgt
durchgeführt werden:
1. Vom Standpunkt der klassischen Rettungs-
methodik ist die Ansicht richtig, dass ein
möglichstes Maximum der ursprünglichen Sub-
stanz des Objektes erhalten bleiben soll. Anhand
dieses Konzepts kommen zwei Varianten in
Betracht:
a) Die Verlagerung des ganzen Objektes kommt
in Anbetracht der Materialität, Baukonstruk-
tion und der grossen Transport-Entfernungen
in diesem Falle auf Grund unserer technischen
und finanziellen Möglichkeiten nicht in Frage.
b) Die Übertragung in Teilen — mittels Pa-
nellisation — und Errichtung an einer
anderen, entsprechend ausgesuchten Stelle.
Auch wenn wir in der Lage wären, diese
Alternative in methodischer und Projektions-
hinsicht komplett zu sichern, ist sie — in
Anbetracht unserer technischen und finan-
ziellen Möglichkeiten — zur Zeit untragbar.
2. Die zweite Alternative, die von unseren realen
Möglichkeiten ausgeht, basiert auf der in der
Welt ziemlich oft angewandten und bekannten
Praxis der Rettung von Kunstdenkmälern; im
wesentlichen würde sie ein gewisses Kompromiss
zwischen der klassischen Rettungsweise und unse-
ren Möglichkeiten darstellen. Sie macht eine mit
wissenschaftlicher Genauigkeit hergestellte Kopie
des Materials und der Form des Baues, mit allen
seinen in kultureller und künstlerisch-historischer
Hinsicht wichtigen Originaldetails erforderlich.
So sollten z. B. übertragen werden: die Fenster-
spaletten, Gitter, Portal, die Stukkaturen, die
hölzernen Zimmerdecken, Wandmalereien, die
Fussböden, Steinstiegen und ähnl. Alle diese
Details sollten in die Kopie des Objektes in ihren
ursprünglichen Positionen eingesetzt werden.
Diese Art der Denkmalrettung würde auch
bauliche Adaptationen wie z. B. das Einsetzen
horizontaler Isolationen, der nötigen Installationen
usw. ermöglichen, was bei dem ursprünglichen
Material des Objektes nur schwer möglich wäre.
Auch wenn wir uns dessen bewusst sind, dass die
hier vorgeschlagene Art nicht klassisch ist, betrach-

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