Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 3.1886

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von Schwaben
— zugleich Organ für deutsche Wrchengeschichte —
mit periodischer kirchengeschichtlicher IVeltschau.
Regelmäßige Beilage zum Pastoralblatt für die Diözese Nottenburg.

j Durch alle Buchhand-
j luugen, sowie gegen Etn-
j scndnng d. Betrags direkt
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l lich, das Pastoralblatt
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j werden.

Mit einem Vereine von Geistlichen und in Verbindung mit Geschichtsgelehrten hcransgegeben
von Dp. Engelbert Hofele, Pfarrer in Ummendorf.
Korrespondenzen wollen gesl. direkt an vr. Engelbert Hofele, Pfarrer in Ummendorf b. Bibcrach, gerichtet werden.

Nr. 3.

Stuttgart, den 1. März 1886.

3. Jahrgang.

^alt: Das altehrwürdige Franziskanerinnen-Klostcr Kanfbenren und die Seligsprechung der Ehrwürdigen Kreszentia, diene Folge. (Fort-
setzung.) — Zur Geschichte des Klosters Löwenthal bei Friedrichshafen. Von Pfarrer Prof. Sambeth in Ailingen. (Fortsetzung.) — Die
St. Martinskirche und Pfarrstelle in Lentkirch unter dem Patronat des Klosters in Stams von 1352—1547. Mitgeteilt von Rnd. Roth sen.
— Bücherkatalog und Kirchenschatz der Pfarrkirche zu Ravensburg aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts. Bon vr. Giesel. — Die 45
sog. ständigen schwäbischen Klöster in den heutigen Ländern Bayern, Württemberg und Baden bis 1802. Klvster-Nekrologien von v.
Pins Gams, 0. 8. L. zu St. Bonifaz in München. Mit archivalischen Beiträgen von Otto Nieder, k. Archivassessor zu Nenburg a. D.
Beilage: Augsburger „Reformatoren". Historisch-kritischer Beitrag zur Geschichte der „Reformation" von vr. Patrizins Wütmann,
Ritter des päpstlichen St. Gregorius-Ordens. (Fortsetzung.)

ZIs MrhrwürdigV Franziskanernmen - Kloster
"Mfbeuren und die Seligsprechung der Ehr-
würdigen Kreszentia.
Nene Folge.
(Fortsetzung.)
Gottseliger Tod der Ehr w. Kreszentia,
gksy als 40 Jahre war Kreszentia nie frei von Leiden
dies ^ ""d meist die Schmerzen sehr groß. Aber sie trug
fi'emPb" männlich stark, ja freudig. Diese heroische Leidens-
. gkeit beweist schon die erste Strophe des berühmten, von

chr

bdbst verfaßten Gedichtes „Lied vom Leiden" :

„O süße Hand Gottes, ermunterst mein Herz
Und machest, daß ich mit den Leiden nur scherz';
Es ist mir, als ob mit mir Ballen Gott schlüg':
Je stärker er znschlägt, je höher ich flieg'."
^ls> sechzigsten Jahre an steigerte sich ihre Begierde,
ch^^st und bei Christus zu sein, immer mehr. Daher
dein in den letzten zwei Jahren ihres Lebens nicht satt,
zeis ^de zu reden. Gerade mit dem Anfänge der hl. Fasten-
ih^ s r Leidenszeit des Heilands, im Februar 1744 begann
iich^^e Krankheit. Ihr ganzer Leib brannte in unerträg-
Hu/ Gaumen und Mund waren wie verdorrt, die
ichd .^geschwollen und hart, der ganze Körper bis auf Haut
zusammengeschrumpft und von Schmerzen durchwühlt,
^roi ZUblick dieser ganz in Liebes- und Leidensglut verklärten
ech I Christi war in den letzten sechs Wochen ihres Lebens
^Ilergreifendes und hocherbauendes wunderbares Schauspiel.
^"s^ispiele des Heilands am Kreuze wollte sie ohne Lin-
Hich^ ^en. In ihrer Fieberhitze genoß sie die ganze Zeit
bech^ ein wenig Wasser, so daß neben zwei Ärzten auch der
des Fürst-Abts von Kemvten in einem nock vorban-

ch. ^ gursi-Avrs von äeempien m einem nocy voryan-
^läsi ^"^achten erklärte, dieses Leiden übersteige durchaus die


^ Natur. „Meine Speise ist, pflegte sie zu sagen,
Willen meines himmlischen Vaters thue; der ist
sie . Ztärke und meine Speise. Der liebevolle Gott, sprach
nntleidsvollen Schwestern, ist gegen mich so un-
daß er mir armen Erdwürmlein giebt, was er
Kreuze gehabt hat." Ihre einzige Nahrung

^ ain

für Leib und Seele war die hl. Kommunion, die sie,
mit Ausnahme des Karfreitags, täglich empfing. Mit den
Schmerzen wuchs auch ihre Seelenstärke. Statt eines
Worts der Klage sprach sie oft die Worte: „Alle Glieder
und Gebeine meines Leibes lobet den Herrn, der euch die
Fähigkeit zu leiden gegeben hat." Wie die hl. Magdalena
von Pazzis rief sie ans: „Nicht sterben, sondern Deinetwegen
und aus Liebe zu Dir, o Herr, noch mehr leiden! Meine
Freude möge durch Leiden und Liebe erhöht werden. Ver-
mehre, o Gott, die Schmerzen, aber vermehre auch die Geduld!"
Die erhabenen Tugenden dieser glücklichen Braut Jesn
des Gekreuzigten, in der die Sehnsucht nach der Anschauung
Gottes und die Sehnsucht, mit und für Christus zu leiden,
sich so wunderbar das Gleichgewicht hielt, schildert als Augen-
zeugin Schwester Gabriele also: „In allen Schmerzen blieb
ihr Herz wie ein unbeweglicher Fels in tiefem Meere, an
welchen die Wellen zwar anschlagen, ihn aber doch nicht be-
wegen. Also war auch das Herz und der Geist der Kreszentia
beschaffen. Denn je mehr der Leib von den Schmerzen einge-
nommen wurde, desto ungehinderter erschwangen sich diese zu
ihrem glückseligsten Ziel und Ende. Sie sah sich an mit
fröhlichem Angesicht und nahm von ihren Schmerzen Anlaß,
der göttlichen Liebe nachzusinnen, daß sie also ihr Zimmer
in eine Schule der Tugend und ihr Krankenbett-
lein in einen Predigtstuhl verwandelte, der uns alle
Peinen und Schmerzen des gekreuzigten Jesus vorhielt." Den
Gehorsam übte sie bis zum letzten Atemzuge. Nach dem
Beispiele dessen, der gehorsam war bis zum Tode des Kreuzes,
wollte sie auch in und ans Gehorsam sterben. Die Ge-
betsvereinigung mit Gott hielt sie ununterbrochen und
wünschte daher so viel als möglich allein zu sein. Am 13.
Tage vor ihrem Tode bat sie um die hl. Ölung und die hl.
Kommunion als Wegzehrung. In Gegenwart aller Schwestern
empfing sie mit unbeschreiblicher Andacht die hl. Sterb-
sakramente. Schwester Gabriele berichtet hierüber: „Eine
gute Stunde nach Empfang der hl. Sakramente hat sie sich
vor dem ganzen Kloster-Konvente reumütig angeklagt. Sie
bat jede Schwester einzeln um Verzeihung. Sie stattete auch
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