Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 3.1886

Seite: 64
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83.^ L08ML6 et vnminni" nach der Form des Lorenzaltares
gesetzt werde. Das Kapitel schrieb dabei folgenden Titel vor:
O. D. 0. N.
nc in sonorem Z3. Eo3mne Onminni
nee non 5. Entkurinne Nnrk^rum.
Ein von den Kirchmeistern beigesügter .Ansatz erregte ansangs
das Mißfallen der Kapitulare. Der Altar allein kostete
280 Neichsthaler. „Das Katharinabild hatte der Maler Pot-
gießer für 100 Neichsthaler zu schildern accordirt, nach dem
Bilde, welches Hülsmann im Lorenzaltar gemacht." Am
9. Oktober 1673 ist auf Anordnung und auf Kosten des
Kapitels dieser Altar konsekrirt worden, wobei der Titular-
bischof Peter von Walenburg Gebeine des heiligen Felix und
anderer Märtyrer hineinlegte. An die Stelle des 1446 von
der Gemeinde angeschafften Marienaltares ließ die fromme
Jungfrau Hendrickx (aus dem Römer) 1763 einen anderen
Marienaltar aufsetzen. Bei der Restauration von 1768 ward
der freistehende Hochaltar geschenkt. 1792 erfolgte der Ab-
bruch des Predigtstuhles, welchen der Stiftsdechant Gier 1570
gegeben hatte. Der Pastor Vasbender gab 200 und das
Kapitel noch 120 französische Neichsthaler für die neue Kanzel,
auf welcher am 15. Juli 1792 znm erstenmale gepredigt
wurde; es war zugleich die erste Predigt des Pastors
Barion.
Wiederholt wurde das Gebäude vom Blitze getroffen, so
am 3. Februar 1467, am 5. Juli 1588, am 11. März 1702,
am 30. April 1741 und am 9. März 1821. An letzterem
Tage fuhr der Blitzstrahl au dem Eisendrahte des Turm-
uhrwerkes hinab und tötete zwei Menschen. Dabei wurden
die seit ungefähr vierzig Jahren gerissenen Gewölbe und Mauern
durch den Schlag so sehr erschüttert, daß die Gewölbe wie
Steinmassen erschienen und 1822 eingeschlagen wurden, nach-
dem der Tempel am 16. Februar polizeilich geschlossen worden.
Im folgenden Jahre hat mail die an der Südseite gelegene
Vierzehn-Nothelferkapelle niedergelegt. Nach dem Muster der
alten Schiffgewölbe wurde dann eine neue Wölbung in Holz
konstruiert und mit Heumörtel plattformiert, um das Drücken
der Gewölbe gegen die Seitenmanern sowohl, als auch das
Auseinanderweichen der gerissenen Mauern zu verhindern. .An
den Herstellungskosten hat die Stadt dreißigtansend Mark bei-
gesteuert und der Nest wurde durch Pastor Geistmann aus
den von ihm gesammelten Gaben gedeckt. 1828 nahm man
das Blei von dem Turmhelm und gab diesem dafür eine
Schieferbcdachuug. Damit war die sechsjährige Restaurierung
abgeschlossen. Abermals fuhr der Blitz am 24. August 1858
und Aschermittwoch den 9. März 1859 in die Kirche, jedoch
ohne besonderen Schaden anzustiften. Indes wurde am 15.
Oktober 1862 der hohe Turm mit einen: schützenden Blitz-
ableiter versehen. Für weitere Ausbesserungen gewährte der
Stadtrat am 13. Juli 1876 nochmals dreißigtausend Mark,
zahlbar in acht Jahresraten. Ferner wurden hundertzweiund-
sechzigtansend Mark unter den Bürgern gesammelt. So konnten,
im Vertrauen auf fernere Geschenke, die Arbeiten wieder aus-
genommen werden. 1872—1881 und 1885—1886 hat man
das Querschiff niedergelegt und neu aufgeführt, alle Gewölbe
und das ganze Äußere der Kirche ausgebessert.
Die srühere Stiftskirche uud jetzige Pfarrkirche St.
Apostelu besitzt ein Stückchen vom Kreuze Christi, sowie Ge-
beine von St. Adauktus, Felix, Florin, Bartholomäus und
Leonard, auch die Köpfe von St. Cyriak und Justina. Der
srühere Magdalenenaltar stand wahrscheinlich gegenüber dem

Kreuzaltare. Auf dem rechten Seitenaltare sieht mau iN
Himmelfahrt Mariens, von Potgießer gemalt. Auf dem linke"
Seitenaltare ist das von Hülsmann 1446 auf Kosten ^
Katharinabruderschaft gemalte (ältere) Katharinabild.
dieser Stelle stand ehemals der Pfarraltar St. Kosmas "H
Damian. Die 1356 begonnene Erbmänner-Brnderschaft "H
die 1435 für beide Geschlechter gestiftete Katharinabrudersch"s
sind beide eingegangen; diese hat schon 1638 nicht mehr
standen. Jetzt tagen in dieser Kirche die Bruderschaft vo"
den heiligen vierzehn Nothelfern, das Liebesbündnis
Empfängnis, uud die Michaelsbruderschaft.

Die Klosterkirche in Oilobeurrn.
UberZiesen herrlichen Tempel schrieb der bekannte Diä"
ter und Schriftsteller Christian Friedr. Dan. Schubart "
seiner Autobiographie (II., S. 117 n. 118): „_Sie
quer auf einem Hügel und ist von außen und innen ""
Opernhaus. Leichtsinnige Gefühle ergreifen einen driuN"'
nicht Schauer der Gegenwart Gottes wie im Münster
Ulm. Wieder ein Beweis von dem so sehr kontrastieren^'"
alten und neuen Stile!" —
So kann freilich nur ein enragierter Gotiker oder ein
„lustiger Musikante" über „Schwabens Escurial" urteile"'
Da sprach sich der Linzer Bischof und frühere Prior
Benediktinerstifte Wiblingen, Gregor Thomas ZiegleH
welcher doch auch etwas davon verstand, wie ein Gotteshn"'
sein soll, gegenüber dem kunstsinnigen König Ludwig I-
Bayern in Folgendem schon anders aus: „Ottobeurens HE^
liche Kirche ward in ihrer Art noch nirgends erreicht,
weniger übertroffen-" Bei diesem Anlasse möchten Hs
zugleich auf die demnächst in der „Allgemeinen deutschen
graphie (XXIII. Bd.)" erscheinende Lebensskizze von dem 9H
Heber und Grnndsteinleger dieses Tempels, dem Neichsprälal^
Rupert II. Neß aus Wangen i. A. aufmerksam inactll"'

Ueclc

Nochmals die Wirtschaft in den italienischen
Bibliotheken.
Die ans der Minervabibliothek zu Rom entwendete
tantiusausgabe, von welcher wir in Skr. 4 d. Bl. bericMs
ten, hat sich bis jetzt immer nicht gefunden; auch hat sich Hs
jetzt noch nicht einmal die Zeit seststellen lassen, wann dn'Is
wertvolle Druck abhanden gekommen ist. Man glaubte H"s
selben bereits in einer englischen Bücherei auf der Spur zu si"s
als man aber zur Beschlagnahme schreiten wollte, stellte sich ^
verdächtige Kodex als eine spätere Ausgabe heraus. EN"s
ist der wegen dieser Angelegenheit eingezogene Sohn des
guariatsbuchhändlers Nossi in Rom alsbald wieder enthaG,
worden. — Den vielen Veruntreuungen in italienischen Bibl"
theken hat sich seitdem wieder ein neuer solcher Fall in
gia angereiht. Daselbst kam aus der Lidliokeca. civion
berühmte kostbare Manuskript von Cicero's okllcus AH;
und soll in Rom von einen: Unbekannten an einen deutsä" .
oder englischen Sammler um nnr 600 Lire verkauft worhH
sein. Die Regierung hat eine Belohnung von 10 000 -U
demjenigen ausgesetzt, welcher den Verbleib desselben
Sicherheit nachweist. Mitteilungen nehmen die italierü
Botschafter, Gesandtschaften und Konsulate entgegen. BemH


Stuttgart, Buchdruckerei der Aktiengesellschaft „Deutsches Volksblatt".
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