Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 14.1869

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II. Album.

eutsche Bilderbogen für Jung und Alt, 1—100.
Verlag von Gustav Weise in Stuttgart. Preis 1 Sgr.
pro Bogen.

In unsrer ersten Anzeige (in Nr. 47 des vor. Jahrgangs)
haben wir den allgemein ästhetischen sowohl wie specifisch künst-
lerischen Werth der „Deutschen Bilderbogen", namentlich auch
unter Hinweis auf die bedeutenden künstlerischen Kräfte, die
daran mitgewirkt, zu charakterisiren gesucht und zugleich die zeitweise Mit-
theilung interessanter Proben der Illustrationen in Aussicht gestellt. Indem

wir heute unserm Versprechen Nachkommen, wählen wir ein Stück aus dem
79. Bogen, welcher eine Reihe der anziehendsten Silhouetten des in diesem
Fache zu so verdienter Beliebtheit gelangten Konewka enthält. Die Aus-
wahl ist uns schwer geworden, weil jede der mit ebenso viel Humor wie
Anmuth zur Anschauung gebrachten Scenen ihr besonderes Interesse hat;
und wir entschieden uns für die untenstehende nur deshalb, weil in den
verschiedenen Figuren dieser zusammenhängenden Scene die Vielseitigkeit des
Talents von Konewka am meisten sich abspiegelt. Die Scene bedarf keiner
Erklärung, und spricht sich in der reizenden und charakteristischen Zeichnung
noch prägnanter als in den hinzugefügten Versen aus.

Wenn ich nur wüßt', was der da thut
Mit Bleistift und mit Röthel?

Mein fix! Die Drei, die kenn' ich gut:
Den Seppel, Max und 's Gretel.

Die Gretel sitzt gleich vorne d'ran,
Daneben schaut's den Maxen!

Von Seppel, von dem Dumriau
Malt er just grad' die Haxen.

Kunst-Znstitute und -Vereine.

Wikinger Junßverein.

Der diesjährige Ausstellungscyklus wurde bereits im Oktober d. I.
geschlossen. Die Ausstellung war zahlreich beschickt worden und enthielt viele
recht gute Bilder, unter welchen die großen historischen „Maria Stuart" von
Sichel und „Christus und die Emaus-Jünger" von Men gelb erg durch
die Gediegenheit der Darstellung in allen Theilen die Aufmerksamkeit erregten.
Dann hatten wir noch die Freude, den Aquarellencyklus von Naue „Kaiser
Heinrich der Städtegründer und Prinzessin Ilse" eine Zeit bei uns zu haben,
welchen durch zarte Auffassung und reizende Komposition die Beschauer fesselte.

Von Genremalern waren rühmliche Werke von ten Kate, Grund,
Geyer, Hebert, A. Burger, G. Spangenberg, Wendler, West-
phal, Zeppenfeld, Sonderland, Kölbl, da, und die Landschaft
repräsentirten die Maler Chavannes, Schultze, Ott, Stiegel, Böschen,
Thessel, Triebet, Mali, Heilmeyer, Bengslin, Steinach, Rapp,
Ruths, Rausch, Mayer, Keßler, Knorr, Duntze, Schiffmann,
Seidel, Büttler, Beuerlin, Langenschwarz, Härter, Wex und
Zimmermann, welche ganz vorzügliche Bilder gesandt hatten. Schlachten-

bilder und Scenen aus dem letzten Kriege waren von Camphausen,
Heyden, Behring er, Schulz in meisterhafter Darstellung vorhanden.
Die Architektur war mit vortrefflichen Werken von Maswiens, Weißer,
Stegmaun und Eibner vertreten. Schließlich ist noch zu erwähnen,
daß zwei kleine historische Bilder von Oe st er lei senior und Rüstige
noch eingegangen waren, die zu den besten einer Kunstausstellung zählen
konnten.

Das Resultat hinsichtlich des Verkaufs war auch ziemlich günstig, indem
von dem Kunstverein und den Privaten in Summa für 5920 Thlr. ange-
kauft wurden.

Als Vereinsblatt wurde ein neuer sehr gediegener Stich „Fern der
Heimath" nach Bosch von Dinger in Düsseldorf, verthcilt.

Der Ausstellungscyklus pro 1869 beginnt am 1. Mai in Erfurt und
sollen demnächst die Einladungen an die Herren Künstler eiugesandt werden.

Wir verweisen hierbei auf den Ausstellungskalender in dieser Zeitung,
welche auch die Bedingungen bei der Einsendung von Kunstwerken ent-
halten wird.

Erfurt, im December 1868.

Prof. Dietrich.
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