Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 14.1869

Page: 277
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Preis des Journals pro Quartal l1^ Thlr. Bei Pränumeration auf den ganzen Jahrgang erhalten die Abonnenten ausserdem das photographische
Künstler-Album in vierteljährlichen Lieferungen gratis. (Redaction der Dioskuren: Berlin, Hohenzollernstr. 9.)

Inhalt.

Abhandlung: Etwas über Bildhauerei in Beziehung auf den modernen Kunst-Chronik: Lokalnachrichten aus Berlin, Dresden, Baden-Baden,
Kunstgeschmack, von einem Bildhauer. (Schluß.) Ipern, London, Mailand, Chile.

Korrespondenzen: ch München, im September. (Die Ausstellung alter Kunstkritik: Die internationale Kunstausstellung zu München. (Forts.)
Gemälde. Forts.) — R. Braunschweig. — □ St. Petersburg, im Briefkasten.

September. (Hiesige Kunstzustände. Schluß.)

NB. Der nächsten Nro. liegt für die Jahres-Abonnenten die vierte Lieferung des Künstler-Albums „Portrait W. Camphausen’s” nebst Text bei.

Ltwas über JMYauerei in Beziehung auf den modernen Kunstgefchmack.

von einem öiltchaucr.

(Schluß.)

mrch diesen Unfug hat sich im Pu-
blikum die Meinung verbreitet,
daß Ghpsarbeiten als „gegossene
Maare" keinen besonders hohen
Werth haben. Wie die Technik
des Formens und Gießens aber
wird, davon haben nur wenige einen
richtigen Begriff. Man hält es im Allgemeinen
für leicht, weil es in „Formen" gemacht wird,
wie die Torten beim Bäcker. Daß zur Herstel-
lung einer Form auch wieder ein Modell ge-
höre und daß dieses mit Händen und Werk-
zeugen gemacht werden müsie, daran denkt selten
Jemand, der solche Ghpssachen kauft. Genug,
es ist „leichte Waare" und leicht zu machen; letzteres scheint
ja schon daraus hervorzugehen, daß die Individuen, welche
solchen leichten Kram verkaufen, wenig künstlerische Intelligenz
besitzen.

Kommt nun aber wirklich ein Bildhauer, welcher sein Werk
selber ausführt, sein Modell mit aller Sorgfalt koncipirt und
modellirt, das Modell „verloren abformt", den Originalguß
selber gießt und reparirt, selber eine gute „Keilform" darüber
macht und aus dieser „Originalausgüsse" fertigt, wovon er sorg-
fältig die Nähte abnimmt, und er verlangt dann einen der Ar-
beit und dem wirklichen Werth des Werkes entsprechenden Preis
für seine Originalausgüsse, so wenden sich alle mit Entsetzen
ab und schlagen die Hände über dem Kopfe zusammen über
einen so unerhört hohen Preis für einen „bloßen Ghpsabguß".
Eine Gypsfigur hat nun einmal keinen Werth! selbst sogenannte
Kunstkenner urtheilen oft auf diese Weise.

Erwägt man ferner, wie die Ausführung in schlechten Ma-
terialien immer mehr überhand nimmt, so daß z. B. der Zink-
guß den Bronzeguß allmälig zu verdrängen scheint*) und später

*) Greift man doch in neuerer Zeit sogar bei öffentlichen Monumental-
werken schon zu solchem Surrogat: in Liegnitz ist eine Kopie der schönen
Statue Friedrichs des Großen ansgestellt worden, welche in Zink, allerdings
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